Füttern nur in Herbst und Winter – oder das ganze Jahr? Was frisst ein Eichhörnchen eigentlich? Und was tun mit verwaisten Findelkindern? So handeln Tierfreunde richtig.

Fröndenberg

, 27.10.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gefühlt werden die Winter in Deutschland milder – dennoch stellen sich viele Menschen in diesen Tagen wieder die Frage, wie sie Eichhörnchen und Co. im heimischen Garten in der kühlen Jahreszeit unterstützen können.

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Helga Meissner ist Tierheilpraktikerin. Sie kümmert sich um verletzte oder verwaiste Eichhörnchen und rät grundsätzlich: Zufüttern kann man das ganze Jahr.

Immer weniger Nahrung in der Natur

Tiere wie Eichhörnchen und Vögel finden immer weniger Nahrung in ihren natürlichen Lebensräumen. Ist es trocken, gibt‘s weniger gute Nüsse. Werden im Garten nur exotische Gehölze gepflanzt, bleiben Insekten fort. Und mit dem Fichtensterben verschwinden auch die Zapfen der Nadelbäume, in denen es leckere Samen gibt.

Wenn Eichhörnchen oder andere Tiere schon im Sommer nicht genug Nahrung finden, um sie für den Winter zu deponieren – oder um sich eine Speckschicht anzufressen – gehen sie geschwächt in den Winter, ist Helga Meissner überzeugt. Tieren wie Eichhörnchen könne man mit der Zufütterung eigentlich gar nicht schaden. Denn wenn sie in der Natur genug Nahrung finden, kommen sie nicht zum Menschen. Ein überfressenes Eichhörnchen gebe es also eigentlich nicht.

Eichhörnchen füttern und unterstützen: Eine Expertin gibt Tipps

Helga Meissner ist sozusagen Eichhörnchen-Flüsterin. Die Tierheilpraktikerin hilft Nagern in Not – seit inzwischen 20 Jahren. © Roman Grzelak

Helga Meissner lebt seit einiger Zeit in Fröndenberg. Um Eichhörnchen in Not kümmert sie sich schon seit 20 Jahren. Obwohl sie Tierheilpraktikerin ist, also vom Fach, hat sie sich das Wissen über die süßen Nagetiere nach und nach angeeignet. So weiß sie inzwischen genau, wann die Eichhörnchen aus ihrer Aufzucht in die Freiheit zurück möchten. Sie weiß aber auch, wenn ein Eichhörnchen an der Wildnis kein Interesse mehr zeigt.

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Schlaf und Futterhäuschen für Einwohner

Sind die Hörnchen wieder gesund und bereit für den Wald, dann werden sie zurückgebracht. „Alles andere wäre Tierquälerei“, sagt die Fröndenbergerin. Im Waldstück, in dem die Eichhörnchen „ausgesetzt“ werden, gibt es Schlaf- und Futterhäuschen. Helga Meissner kommt zweimal in der Woche zu Besuch. Denn die Tiere, die die Hilfe des Menschen erst einmal gewohnt sind, kämen ganz auf sich gestellt nur schwer zurecht.

Eichhörnchen füttern und unterstützen: Eine Expertin gibt Tipps

Jungtiere, die in der Natur gefunden werden, sind nicht verloren. Sie sollten am besten zu Auffangstationen wie der von Helga Meissner gebracht werden. © Privat

Mit im Gepäck hat Meissner dann Walnüsse, Haselnüsse und Sonnenblumenkerne. Manchmal schmecken den Eichhörnchen auch Äpfel, manchmal wiederum nicht. Alle Eigenarten konnte auch die Eichhörnchen-Expertin noch nicht ergründen.

Nüsse, Kerne und Obst sind im Wesentlichen das, was sie Naturfreunden auch für zuhause empfiehlt. Aber auch Möhrenscheiben, Zucchinischalen, Champignons oder Chicorée stehen auf dem Speiseplan der Nager. Weil ihnen auch viele Waldpilze schmecken, die in diesem Jahr besonders selten sind, können Pilzsammler Eichhörnchen einen Gefallen tun – und so wenig wie möglich pflücken.

Eicheln, Rosskastanien, Erdnüsse und Kuhmilch fressen Eichhörnchen nicht.

Hier gibt‘s Hilfe für Tiere in Not

  • Der Tierschutzverein Fröndenberg berät bei Problemen mit Haus- und Wildtieren.
  • Adresse: Birkenweg 44, 58730 Fröndenberg; Tel. (02373) 7 09 33
  • Die Katzenstreunerhilfe Fröndenberg ist in der Ruhrstadt Ansprechpartner, wenn Streuner gefunden oder Hauskatzen vermisst werden. Im Vereinsheim der Katzenstreunerhilfe warten regelmäßig Katzen und Kitten auf ein neues Zuhause.
  • Adresse: Jägertal 29b, 58730 Fröndenberg; Tel. 0178 8 08 65 63

Nicht nur mit Futter können Menschen Eichhörnchen in ihrer Umgebung unterstützen:

  • „Viele Eichhörnchen ertrinken in Wassertonnen“, erklärt Helga Meissner. Gartenbesitzer können Wasserbehälter abdecken oder einen Stab hineinstellen, an dem die Tiere notfalls wieder herausklettern.
  • Vogelnetze, etwa zum Schutz von Beeren, sind für Eichhörnchen ebenfalls eine Gefahr. Die Tiere können sich darin verfangen.
  • Eine flache Schale mit Wasser macht nicht nur Vögeln, sondern auch Eichhörnchen Freunde. Vor allem in heißen, trockenen Sommern, wie in den vergangenen zwei Jahren. „Kleine Bäche im Wald sind inzwischen auch schon ausgetrocknet“, weiß die Tierheilpraktikerin.
  • Für Eichhörnchen gibt es Futterstationen mit Deckel. Die Nagetiere verstehen schnell, wie sie an ihre Nüsse kommen, vor Vögeln ist das Futter so geschützt - und auch vor Mäusen und Ratten, wenn die Futterhäuschen hoch genug aufgehängt werden. „Wer Nüsse im Wald einfach so auf den Boden legt, füttert nur die Wildschweine“, sagt Helga Meissner.
  • Wer im Umfeld seines Hauses Eichhörnchen beobachtet, sollte auch Ausschau nach dem Kobel, dem Nest der Eichhörnchen, halten. Falls das Muttertier verunglückt, kann den Jungen so schnell geholfen werden. Wer ein totes Eichhörnchen findet, sollte nachsehen, ob es sich um eine tote, Milch tragende Mutter handelt.
  • Wer ein Eichhörnchenjunges findet, wendet sich am besten an die Pflegestation von Helga Meissner an der Hauptstraße 23a unter Tel. 0171 9 41 89 59.
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