Kinder ernst nehmen und ihre Entwicklung fördern – Rebecca Kuras Motivation für ihre Aufgaben bei Gemeinde und Windmühle ist einfach: „Ich lebe meinen Glauben, ohne zu missionieren“.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 29.06.2019 / Lesedauer: 3 min

Immer dasselbe: Auf die Frage nach dem „Warum?“ im Zusammenhang mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit wird erst lange überlegt. Auch für Rebecca Kura sind ihre zahllosen Aufgaben und Aktivitäten in der Windmühle oder in der Kirchengemeinde solch eine Selbstverständlichkeit, dass sie sich selbst die Frage nach den Gründen für das Engagement gar nicht mehr stellt.

Aber dann platzt es aus der 26-jährigen Fröndenbergerin heraus: „Das Strahlen der Kinder wärmt Herz und Seele!“ Schöner kann man es nicht formulieren…

Rebecca Kura stutzt und bilanziert dann 13 Jahre, in denen sie ehrenamtlich Kinder- und Jugendarbeit macht. Donnerwetter. Angefangen hat es für die Hohenheiderin, die ihre kindlich-religiöse Sozialisation freikirchlich außerhalb Fröndenbergs erfuhr, mit dem CVJM.

Rebecca Kura studiert evangelische Theologie in Münster

Junge Menschen, die glauben und damit umgehen lernen, das war der Beginn einer Leidenschaft. Noch längst nicht enden wird es mit dem in absehbarer Zeit abgeschlossenen Studium der evangelischen Theologie in Münster – auf Pfarramt, nicht auf Lehramt: „Ich mag nicht einsehen, dass ich auf Menschen so einen Druck ausüben soll, wie es unser Schulsystem verlangt.“ Sie möchte anders mit Menschen arbeiten, da liegt die Betonung auf dem „mit“. Und als Pfarrerin in einer Gemeinde kann sie sich das eher vorstellen denn als Lehrerkraft in einem Bildungsinstitut.

Seit vielen Jahren gehört sie zum festen Team des Sozialzentrums Treffpunkt Windmühle am Mühlenberg, in der ständigen Kinder- und Jugendarbeit, aber vor allem in den Ferienspaßaktionen. „Becca“ ist dann verlässliche Ansprechpartnerin und gar nicht kumpelhafte Vertrauensperson, fantasievolle Animateurin, sensible Seelsorgerin, umsichtige Organisatorin – eine gute Seele vom Ganzen und Mit-Garant für den stetigen Erfolg der Angebote dieser Einrichtung.

Ehrenamt für Ferienspaß: Das Strahlen der Kinder wärmt das Herz

Bald geht der Ferienspaß wieder los: Das Angebot funktioniert so gut, weil sich viele Ehrenamtliche einsetzen. © Marcel Drawe

Zusätzliche Arbeit in verschiedenen Teams der Kirchengemeinde

Zusätzlich arbeitet sie in verschiedenen Teams in der Kirchengemeinde Fröndenberg-Bausenhagen mit, gestaltet unter anderem Ferienfreizeiten und Gruppenstunden. Nach vier Jahren Kinderbibelwoche hat sie diese Aktion abgegeben, „das tat mir sehr leid, es hat aber auch mit der Uni nicht gepasst.“ Außerdem muss man öfter etwas Neues wagen, ausprobieren, sich Herausforderungen stellen um nicht zu verharren und zu verhärten.

Ein Schwerpunkt ihrer ehrenamtlichen Arbeit sind die Menschen, die in Fröndenberg Schutz gesucht haben vor Krieg und Verfolgung, Bombenterror und direkter Gewaltandrohung: In der Flüchtlingsarbeit liegen ihr vor allem die belasteten Kinderseelen am Herzen, „also die, die am wenigsten dazu können.“ Und genau da bekomme sie soviel zurück, dass sie es gar nicht beschreiben kann. „Das könnte man alles gar nicht mit einem Stundenlohn bewerten“, meint Rebecca Kura und ist sicher, dass es Mitstreiterinnen und -streitern genau so geht.

Von der Erdbeerschnute bis zur Berufsberatung

Wenn man erlebe, wie die Kleinen ihre ersten Erfahrungen gesammelt haben und sich dann zu Persönlichkeiten entwickeln – „von der verschmierten Erdbeerschnute bis zur Berufsberatung habe ich ja schon Kinder auf ihrem Lebensweg begleitet“, und das, obwohl sie selbst noch so jung ist.

Natürlich gebe es auch Frust, wenn Aktionen nicht funktionieren, Angebote nicht richtig zünden oder Unvorhersehbares plötzlich hindert. Aber daran wachse man, auch aus Niederlagen oder Enttäuschungen könne man Kraft schöpfen. Und Mut. Ein bisschen lässt Rebecca Kura schon erahnen, was für eine engagierte Pfarrerin sie mal werden wird. Eine optimistische, lebensbejahende allemal.

Natürlich arbeite sie mit Kindern aller Konfessionen und Glaubensrichtungen, mache keine Unterschiede: „Als ob wir im Himmel getrennt werden!“ Sie war in Tansania und auf Sansibar, hat mit Muslimen Ramadan erlebt und das Zuckerfest mitgefeiert.

Beim Einkaufen oder Schwimmen plötzlich ein Kind am Bein

Sie lebe ihr Christsein offensiv, verteidige ihre Religiosität gegen albernen Aberglauben („Du darfst doch gar nicht trinken...!“) und ist gerne Vorbild. „Mich kann jeder sehen und erkennen!“

Sie nehme viel mit ins private Leben: „Meinem Freund fällt oft auf, dass ich beim Einkaufen oder Schwimmengehen plötzlich ein Kind am Bein habe.“ Aber das könne sie genießen, das nerve gar nicht.

Wer ist für Sie
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  • Im Rampenlicht stehen oder besonders gelobt werden, das will sie nicht - aber sie ist in jedem Verein, jedem Klub und jedem Kränzchen unverzichtbar. Die „gute Seele“ vom Ganzen hält sich eher im Hintergrund, steht aber uneigennützig sofort parat, wenn sie gebraucht wird.
  • Der Hellweger Anzeiger möchte in loser Folge an dieser Stelle über die berühmten „guten Seelen“ berichten. Welche Motivation treibt sie an? Warum opfern sie ihre Freizeit, Kraft und Nervenstärke?
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