Grüner Bürgermeisterkandidat: Ehemaliger Kölner möchte Fröndenbergs Zukunft gestalten

dzKommunalwahl 2020

Frank Schröer wurde von den Grünen überraschend für die Kommunalwahl 2020 ins Rennen geschickt. Der Bürgermeisterkandidat berichtet, wie er spät zur Politik fand und was er in Fröndenberg bewegen möchte.

Fröndenberg

, 22.06.2020, 15:43 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ein Vollzeitjob im Bereich IT und nur noch wenige Wochen Zeit für Wahlkampf: Frank Schröer, der Überraschungskandidat der Fröndenberger Grünen, hat noch jede Menge Arbeit vor der Brust, um sich in der Ruhrstadt auch politisch einen Namen zu machen. Der Neuling in der Lokalpolitik ist vielen Fröndenbergern bisher lediglich als Vorsitzender des Kulturvereins KfU ein Begriff.

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Bereits 25 Jahre bei den Grünen – und seit einigen Jahren auch im Stadtrat vertreten – ist seine Frau Monika Schröer. Die Liebe war der Grund, aus dem der gebürtige Kölner vor 30 Jahren nach Fröndenberg zog. Jetzt ist es die Liebe zu Fröndenberg, so das Wahlkampfmotto, die Frank Schröer auf die verrückte Idee brachte, für das Amt des Bürgermeisters zu kandidieren.

„Wenn man etwas verändern möchte, muss man es selbst tun und anpacken.“
Frank Schröer, Bürgermeisterkandidat der Grünen

Der 61-Jährige möchte Fröndenberg verändern. Auch um seinen eigenen Töchtern eine schöne Zukunft in der Ruhrstadt zu ermöglichen. Sein Engagement für KfU habe ihn gelehrt: „Wenn man etwas verändern möchte, muss man es selbst tun und anpacken.“

Geplant wird der Wahlkampf nun gerne auch mal im großen naturnahen Garten des Hauses an der Haßleistraße, das Monika Schröer mit geplant hat. Als sie ihren Mann damals in Köln kennenlernte, studierte sie Architektur in der Stadt am Rhein. Frank Schröer arbeitete bei Unicef. Über einen Studentenjob kam er zum Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, half dort schließlich, den IT-Bereich vernünftig aufzustellen.

In Köln als Sohn eines Küsterpaars geboren

Geboren am Heiligen Abend als Sohn eines Küsterehepaars, wuchs Frank Schröer in einer modernen Kirchengemeinde auf, verbrachte auch seine Jugend in Köln, feierte viel und gerne Karneval. „Im Verein war ich aber nicht.“

Im Jahr 1986 heiratete Frank Schröer seine Monika in der Fröndenberger Stiftskirche, lebte mit der ersten Tochter, die 1989 geboren wurde, noch weitere zweieinhalb Jahre in Köln. 1992, Schröer arbeitete inzwischen für ein Kölner Softwarehaus, kam die zweite Tochter zur Welt – und das Paar hatte inzwischen in Fröndenberg gebaut, auf einem Grundstück der Schwiegereltern.

Glückwünsche mit Abstand: Vorstandssprecherin Andrea Molitor gratulierte Frank Schröer zu seiner offiziellen Wahl zum Bürgermeisterkandidat der Grünen.

Glückwünsche mit Abstand: Vorstandssprecherin Andrea Molitor gratulierte Frank Schröer zu seiner offiziellen Wahl zum Bürgermeisterkandidat der Grünen. © Hornung

Beim amerikanischen Konzern Alcoa stieg Frank Schröer 2000 in die Automobilzuliefererindustrie ein, arbeitete zehn Jahre später bei Novem in der Oberpfalz. Ob Honduras, Mexiko, Brasilien oder China: In dieser Zeit kam der Fröndenberger viel rum. Überall auf der Welt musste er sich auf neue Menschen einlassen – und genau das qualifiziere ihn nun auch für den Posten im Rathaus. Bei der routinierten Mannschaft in Fröndenberg brauche der Kapitän keine Verwaltungserfahrung, allerdings Leidenschaft und Menschenkenntnis, ist der Bürgermeisterkandidat überzeugt.

„Ich bin froh, dass es jetzt vier Bürgermeisterkandidatinnen und -Kandidaten gibt.“
Frank Schröer, Bürgermeisterkandidat der Grünen

Zur Parteipolitik brachte Frank Schröer die Klimabewegung im vergangenen Jahr. Er besuchte die ersten Sitzungen der Fröndenberger Grünen, brachte irgendwann den Wunsch vor, als Bürgermeister zu kandidieren. Noch heute könnten das nicht alle Menschen in seinem Umfeld verstehen. Aber Frank Schröer steht hinter seiner Idee. „Das war für mich keine schwierige Frage“, sagt der Fröndenberger über seine Entscheidung. Wer politisch mitmischen möchte, müsse auch einen Kandidaten stellen.

„Ich bin froh, dass es jetzt vier Bürgermeisterkandidatinnen und -Kandidaten gibt“, freut sich der 61-Jährige über das breit gefächerte politische Spektrum bei der Wahl. Gleichzeitig stellt er aber klar, unabhängig von der Parteifarbe ein Bürgermeister für alle sein zu wollen. „Ich kenne mich jetzt selber 61 Jahre und weiß, dass ich richtig gut sein kann, wenn ich das tue, wovon ich überzeugt bin.“

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Zu den Bereichen, die Frank Schröer in Fröndenberg fördern möchte, gehört das Ehrenamt – schon allein wegen der eigenen Historie. In kleinen Kommunen würden Ehrenamtliche, sei es in der Kultur, beim Brauchtum oder Sport, wesentliches dazu beitragen, dass die Dinge funktionieren. Zum einen müsse man Wege finden, das Ehrenamt attraktiv zu halten, zum anderen sollten die Mittel gerecht verteilt werden. Der neue Bürgermeister möge sich dafür einsetzen, dass nicht nur Vereine mit Strahlkraft etwas vom Kuchen abbekommen, sondern dass auch in diejenigen investiert wird, deren ehrenamtliches Engagement eher im verborgenen bleibt.

Wenn die Mikros angehen und er Künstler ansagen darf, dann ist Frank Schröer in seinem Element.

Wenn die Mikros angehen und er Künstler ansagen darf, dann ist Frank Schröer in seinem Element. © Archiv/ Martin Krehl

Für den IT-Experten ist die Digitalisierung eine weitere Herzensangelegenheit. Für die Schulen bedeute das nicht nur die Ausstattung mit guten Anschlüssen, sondern auch mit entsprechenden Endgeräten wie Tablets und Laptops. Die Corona-Krise habe gezeigt, wie wichtig eine gute digitale Ausstattung sowohl für Unternehmen als auch in der Schullandschaft sei.

Klimaschutz, Wirtschaft und Tourismus sind nur zusammen zu denken

Ein dritter Schwerpunkt – und diese Punkte könne man nicht getrennt voneinander behandeln – sind für Frank Schröer die Bereiche Klimaschutz, Wirtschaft und Tourismus. Verbesserungsbedarf gebe es, gerade weil die Anbindung eigentlich gut sei, etwa im Bereich der Tarife für den ÖPNV. Der Bürgermeisterkandidat ärgert sich darüber, dass eine Einzelverbindung nach Dortmund über 10 Euro kostet. In Sachen Klimaschutz ist Schröer generell kein Freund von Verboten. Egal, ob es um Mobilität oder Fleischkonsum geht: Die Politik sollte die umweltfreundlichen Varianten und Alternativen fördern.

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Begeistert ist Frank Schröer davon, welchen Einfluss die Jugendbewegung Fridays für Future auf die weltweite Klimadebatte hat. Und so möchte der 61-Jährige auf jeden Fall auch den Kontakt zu Jugendlichen suchen. Um Fröndenberg und die Menschen besser kennenzulernen, möchte Frank Schröer in den kommenden Wochen die Ortsteile besuchen, umgekehrt aber auch interessierten Bürgern seine liebsten Ecken zeigen.

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