Warum übernimmt ein pensionierter Pfarrer noch ein Ehrenamt in der Gemeinde? Dieter Schiewer ist in Dellwig Obmann des Männerkreises: „Weil ich von der Sache überzeugt bin!“

von Martin Krehl

Dellwig

, 20.07.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Männerarbeit? Die macht doch jeder gute Wirt in seiner Eckkneipe... Dieter Schiewer muss dann doch lachen: „Naja, etwas Ähnlichkeit hat es mit dem, was wir tun.“ Schiewer ist im zweiten Jahr Obmann der Männergruppe der Evangelischen Kirchengemeinde Dellwig. Herrengedecke kommen da selten auf den Tisch, eher schon mal die Bibel.

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Obwohl – die Geselligkeit, die gute Laune, Fröhlichkeit und Spaß gehören zur Dellwiger Männergruppe durchaus dazu. Dieter Schiewer sagt: „Wir feiern das Leben!“, wenn er beschreiben soll, was seine Männergruppe denn da regelmäßig so macht. Nein, ein Bibelkreis ist es nicht, wenngleich es an spirituellen Impulsen nicht fehlt. Schließlich ist der Obmann des Kreises pensionierter Pfarrer eben der Gemeinde, in deren Gemeindehaus am Strickherdicker Weg sich der Kreis monatlich trifft.

Nach über 30 Jahren Pfarrertätigkeit dennoch nützlich als Pensionär

Dieter Schiewer ist das Kunststück gelungen nach über 30 Jahren Pfarrertätigkeit in eben derselben Gemeinde als Pensionär noch nützlich und beteiligt zu sein. Ohne sich aufzudrängen, ohne zu stören, ohne Besserwisserei und pochen auf Bewährtem der Marke „das war schon immer so“.

Schiewer hält sich aus allem heraus, was Pfarrers Arbeit wäre. Aber die Männergruppe leiten, das kann er. Gut sogar, schließlich gehört er der Gruppe schon seit 1985 an. Seit dem Tag, an dem er Pfarrer in Dellwig wurde. Einmal im Monat, in der Regel donnerstags, treffen sich die Dellwiger Männer abends im Gemeindehaus. Sitzen gemeinsam am Tisch, hören eine Andacht und besprechen dann ein Thema, lauschen einem Vortrag oder planen einen Ausflug.

Ehemaliger Pfarrer aus Dellwig: „Mir liegt was an den Menschen“

Solange der Neubau in der direkten Nachbarschaft zur Kirche noch nicht fertig ist, treffen sich die Männer im alten Gemeindehaussaal an der Strickherdicker Straße. © Martin Krehl

Evangelische Männerarbeit gibt es in Dellwig schon seit der Nachkriesgszeit

Evangelische Männerarbeit gibt es in der Dellwiger Gemeinde schon seit der Nachkriegszeit. Kontinuierlich wird hier im Rahmen der Männerarbeit des Kirchenkreises Unna der eigene Glaube gelebt und diskutiert. Manchmal trifft man sich mit Männern aus Unna und Hamm, man nimmt auch am Kreis-Männer-Tag des Evangelischen Kirchenkreises teil.

Der Unterschied zur Frauenarbeit in den Frauenhilfen und Abendkreisen? „Die Männer machen mit ihrem Glauben, was sie wollen – die Frauen sprechen gern mal darüber“, urteilt Dieter Schiewer. Männliche Äußerungen zum Glauben und zur Religiosität seien deutlich zurückhaltender als bei den Frauen, meint der Pfarrer i.R.: „Aber das Bekenntnis, jawohl, ich gehöre dazu, ich glaube, das ist bei den Männern aus unserer Gruppe sehr ausgeprägt und spürbar.“ Zum Beispiel beim Gründonnerstags-Gottesdienst, den der Männerkreis verantwortlich gestaltet.

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48 Männer gehören zum Kreis in Dellwig – Durchschnittsalter 75

Zum Kreis gehören immerhin 48 Herren im Durchschnittsalter von 75 Jahren. Sie sind zusammen alt geworden, packen aber auf Zuruf immer noch gerne an, wenn es im Gemeindeleben Bedarf nach tätiger Hilfe gibt. So grillt bei den Treffen der Frauenhilfe natürlich ein Mann. Manchmal ist das Dieter Schiewer.

Der Kreis hat auch in der historischen Kirche in Dellwig, im Gemeindehaus an der Strickherdicker Straße oder im ehemaligen Gemeindezentrum Ardey kräftig Hand bei den Renovierungen in den 90er Jahren angelegt.

In diesem Jahr beschäftigt man(n) sich mit der Partnergemeinde im tansanischen Keko, mit dem Gemeindeleben im benachbarten Bilmerich, hört Lieder mit Wolfgang Jacobs, fährt eine Woche nach Borkum oder lässt sich weiterbilden im Heimatmuseum Fröndenberg oder im historischen Unna. Es gibt sogar einen Männersonntag in Dellwig, diesmal am 20. Oktober.

Dass Männer so fest zu ihrem Glauben stehen ist keine Selbstverständlichkeit

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Dieter Schiewer hat sich 2017 nicht lange bitten lassen, als Gerhard Fülbeck altersbedingt das Obmann-Amt abgeben musste. „Um der Sache willen“, sagt Schiewer. Von der Sache ist er überzeugt, dass der Männerkreis eine wichtige Einrichtung ist, für die Männer selbst und fürs Gemeindeleben. „Ich kann positiv an Bestand und der Fortführung mitwirken, das ist doch gut“. Schiewer weiß um seine Talente und Kompetenzen, die er für dieses Ehrenamt einbringen muss und auch kann. „Mir liegt auch was an den Menschen.“ Natürlich.

Dieter Schiewer kommt aus Bielefeld, als er vor über 35 Jahren nach Dellwig kam, hat er sehr über den aktiven Männerkreis gestaunt: „Das ist keine Selbstverständlichkeit, dass Männer so fest zu ihrem Glauben und zu ihrer Gemeinde stehen. Da muss ich dabei sein.“

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