Stromanbieter wechseln: Dubiose Drücker unter falscher Flagge unterwegs

dzHaustürgeschäfte

Unter dem Deckmantel des Glasfaserausbaus versuchen dubiose Vertreter derzeit offenbar, Verbraucher zum Wechsel des Stromversorgers zu bewegen. Ob es sich um Betrüger handelt, ist unklar. Trotzdem ist Vorsicht geboten.

Fröndenberg

, 19.12.2019, 15:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es ist nicht ganz klar, ob der Mann Kunden werben oder Opfer finden wollte. Einiges spricht für Letzteres – zumal es mindestens eine miese Masche war, mit der sich der angebliche Haustürwerber der Deutschen Telekom in dieser Woche Zugang zu einem Haus an der Ostbürener Straße verschaffte.

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Ein Mann, augenscheinlich in Arbeitskleidung der Deutschen Telekom und ausgestattet mit einem angeblichen Mitarbeiterausweis des Kommunikationsriesen; zumindest das magentafarbene Firmenlogo war darauf zu sehen. Er wolle den neuen Breitbandanschluss in Betrieb nehmen, sagte er, als er am frühen Abend an der Haustür der Eheleute klingelte.

Termin war über Postweg angekündigt – allerdings erst für Januar

Bekanntlich hat der Branchenprimus jüngst Glasfaser in Mitte verlegt und für das neue Hochgeschwindigkeitsnetz geworben. Und in der Tat hatten daraufhin auch die Bewohner dieses Hauses einen neuen Anschluss gebucht, just Post von der Telekom mit einem Anschlusstermin erhalten. Der allerdings sollte eigentlich erst im Januar sein. Trotz ihrer Skepsis ließen sie den Mann ins Haus. Und da ging es dann plötzlich nur noch am Rande um den Internetanschluss. Vielmehr versuchte der Mann offenbar, die Bewohner von einem Vertrag mit einem neuen Energieversorger zu überzeugen – und das der Erzählung des verblüfften Bewohners nach mit mindestens einer Lüge.

Kooperation mit den Stadtwerken Fröndenberg vorgetäuscht

Im Gesprächsverlauf habe der Mann von einer Kooperation von Telekom und Stadtwerken gesprochen und Rabatte von bis zu 25 Prozent auf den Strompreis in Aussicht gestellt. Und zumindest gelang dem dubiosen Haustürwerber damit eines: Die Bewohner gaben nicht nur Auskunft über persönliche Daten, sondern ließen den Mann auch einen Blick auf ihre Stromrechnung werfen, die er mutmaßlich abfotografierte.

Als er schließlich wieder von dannen zog – übrigens ohne den neuen Anschluss in Betrieb zu nehmen – kündigte er für denselben Abend noch einen Anruf des Telekom-Kundenservice an. Der allerdings ist ausgeblieben. Vermutlich, weil es sich mit ziemlicher Sicherheit nicht um einen Mitarbeiter der Deutschen Telekom handelte.

„Wir gehen nicht wahllos in Häuser, um irgendwelche Verträge abzuschließen.“
Michael Freitag, Stadtwerke Fröndenberg

Auf telefonische Nachfrage konnte die Pressestelle der Deutschen Telekom am Donnerstag zunächst nur mutmaßen: Das klinge kurios, vermutlich habe es sich nicht um einen Haustürwerber des Unternehmens gehandelt, hieß es. Vertreter der Stadtwerke Fröndenberg fanden deutlichere Worte, gingen davon aus, dass es sich um Betrüger handelte: „Es gibt keine Kooperation der Stadtwerke mit der Telekom“, sagte Michael Freitag auf Nachfrage dieser Redaktion. Zudem seien Haustürgeschäfte dieser Art nicht Stil des Unternehmens. „Wir gehen nicht wahllos in Häuser, um irgendwelche Verträge abzuschließen.“

Es sei „leider nicht unüblich“, dass sogenannte Drückerkolonnen sich als Partner der Stadtwerke Fröndenberg oder als Mitarbeiter des Unternehmens selbst ausgäben. „In Verbindung mit der Deutschen Telekom hatten wir das so allerdings noch nicht“, so Freitag. Wenn es sich in diesem Fall um Betrüger handelte, wollten sie sich möglicherweise gleich den Vertrauensvorschuss in zwei bekannte Unternehmen zunutze machen, noch dazu die Gunst der laufenden Infrastrukturmaßnahmen der Telekom in Fröndenberg nutzen.

Skeptisch bleiben und nicht unter Druck setzen lassen

Verbraucher sollten grundsätzlich skeptisch sein – und Unbekannte, die unangekündigt vor der Haustür stehen, grundsätzlich nicht einfach ins Haus lassen. Im Zweifel telefonisch bei den Unternehmen nachfragen – das gilt für die Telekom genauso wie für die Stadtwerke Fröndenberg oder auch jedes andere Unternehmen. Und auch wenn die Angebote verlockend klingen: Man sollte sich nicht unter Druck setzen lassen und immer gesunden Menschenverstand walten lassen. Wer dennoch einen Vertrag unterschreibt und sich im Nachhinein unsicher ist, sollte von seinem Widerrufsrecht Gebrauch machen. Das gilt auch für Geschäfte an der Haustür. Der Widerruf muss binnen 14 Tagen und am besten schriftlich an das entsprechende Unternehmen erfolgen.

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