Drei Fröndenberger Geschäftsfrauen über Widrigkeiten und Hoffnungen in der Corona-Krise

dzWirtschaft

Ob Schreibwaren oder Herrenmoden, ob Uhren, Schmuck oder Bistro – drei Geschäftsfrauen aus Fröndenberg sind seit zwei Wochen Zaungäste beim Handeltreiben – Kleinbetrieben setzt der Coronavirus zu.

Fröndenberg

, 06.04.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Coronavirus und Erlasse der Landesregierung treffen einige Branchen mit voller Wucht: Seit mehr als zwei Wochen dürfen Dagmar Neithart, Petra Wiek und Petra Colonna ihre Geschäfte nicht mehr für Kunden öffnen.

Dagmar Neithart

Dagmar Neithart © Archiv

„Ich hoffe, nach Ostern wieder öffnen zu können – sonst fängt es an, richtig weh zu tun.“
Dagmar Neithart

Die drei Geschäftsfrauen teilen ein unglückliches Los: Sie haben in ihren Sortimenten keine Waren des täglichen Bedarfs. Eine Allgemeinverfügung der Stadt Fröndenberg verbietet seit dem 18. März die Öffnung von Läden, sofern sie nicht Lebensmittel, Getränke oder Drogerieartikel vertreiben.

„Das Café und Bistro am Brunnen bleibt bis auf Weiteres geschlossen. Bleiben Sie gesund“ steht auf dem Schild, das Petra Colonna in die Tür gehängt hat. Lieferservice? Außerhausverkauf? Das Sortiment ist nicht so recht danach.

Kein Standort für Laufkundschaft

„Wir haben noch nicht die richtige Lösung gefunden“, sagt Petra Colonna, die das Bistro mit ihrem Sohn Gerardo betreibt. Der Standort bringe nicht sehr viel Laufkundschaft und ob wirklich viele Leute kämen, um sich frisch gebackene Waffeln an der Winschotener Straße abzuholen?

Man würde ja auf Radtouristen am Wochenende setzen; doch jetzt räche sich, dass in der Innenstadt immer noch keine Schilder auf die Geschäfte hinweisen, was der Werbering schon vor zwei Jahren beantragt hatte.

Mutter und Sohn überlegen jetzt, ob man zumindest an Wochenmarkttagen Frozen Joghurt und Baguettes zum Mitnehmen anbieten könnte. Die Joghurt-Maschine benötigt allerdings Starkstrom, das könnte draußen vor dem Bistro ein Problem werden. Und wie viel Wurst, Käse, Salat soll sie für die belegten Baguette einkaufen? „Am Ende bleibe ich drauf sitzen.“

Petra Colonna vom Café-Bistro am Brunnen überlegt noch, wie sie die schwierige Phase überbrücken kann - an ihrem Standort fehlt die Laufkundschaft.

Petra Colonna vom Café-Bistro am Brunnen überlegt noch, wie sie die schwierige Phase überbrücken kann - an ihrem Standort fehlt die Laufkundschaft. © Marcus Land

Während es in der Krise also viel Ungewissheit gibt, haben Colonnas aber auch schon Unterstützung erfahren: Der Vermieter kam ungefragt bei der Stundung der Miete entgegen und der staatliche Zuschuss für Kleinstbetriebe war innerhalb einer Woche auf dem Konto.

„Wir haben noch nicht die richtige Lösung gefunden.
Petra Colonna

Dagmar Neithart, schräg gegenüber, merkt es leider: Ihr Angebot zu liefern, wird kaum angenommen. „Jetzt decken sich alle mit Lebensmitteln ein“, sagt die Inhaberin von „Schreibwaren & mehr“. Und einen Stift gibt‘s halt auch beim Discounter.

Lieferverträge müssen erfüllt werden

Neben dem fehlenden Umsatz drückt sie aber eine ganz andere Sorge: Die langfristigen Lieferverträge für den Bürobedarf müssen erfüllt werden. Neithart erhält allerdings keinen Krisenzuschuss von Bund oder Land.

Für ab dem 1. Januar 2020 neu gegründete Geschäfte gelten die Förderprogramme nicht. Dagmar Neithart hat das frühere Geschäft des langjährigen Vorbesitzers Wolfgang Hüttner jedoch nicht einfach übernommen, sondern am 6. Januar eben neu eröffnet.

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Dagmar Neithart hat zunächst angeboten, bis Ostern Schreibwaren oder Sonstiges aus ihrem Sortiment zu liefern – doch die Kunden waren bisher zurückhaltend. Außerdem will die Geschäftsfrau kein Risiko durch zu viele Kundenkontakte eingehen.

Dagmar Neithart hat zunächst angeboten, bis Ostern Schreibwaren oder Sonstiges aus ihrem Sortiment zu liefern – doch die Kunden waren bisher zurückhaltend. Außerdem will die Geschäftsfrau kein Risiko durch zu viele Kundenkontakte eingehen. © Marcus Land

Petra Wiek

Petra Wiek © Privat

„Bei uns wollen die Leute den persönlichen Kontakt.“
Petra Wiek

„Ich muss da jetzt privat reinschießen“, sagt Dagmar Neithart. Sie hofft noch, dass die Richtlinien bald ergänzt werden – aber verlassen kann sie sich darauf nicht. Den Lohn für ihre beiden Angestellten müsse sie zunächst auch selbst fortzahlen, immerhin werde das Geld wegen der behördlichen Schließungsverfügung später erstattet.

Sie hofft nun, dass nach Ostern Lockerungen kommen. Kommen sie nicht, „fängt es an, richtig weh zu tun“, befürchtet Dagmar Neithart.

Geschäft nicht auf Lieferbetrieb ausgerichtet

Von Augenoptik, Uhren und Schmuck bleibt Petra Wiek zur Zeit nur die Augenoptik. Und das auch nur bei augenoptischen Notfällen. Das Geschäft sei auch rein gar nicht auf Lieferbetrieb ausgerichtet. „Bei uns wollen die Leute den persönlichen Kontakt“, weiß Petra Wiek.

Bei ihrer Kundschaft sei sie auf großes Verständnis gestoßen, dass jetzt auch nicht mal eben eine Batterie in der Armbanduhr gewechselt werden kann. „Dann nehme ich solange meine alte Uhr und komme wieder, wenn Sie wieder öffnen.“ Auf diese Treue dürften neben Petra Wiek auch Dagmar Neithart und Petra Colonna hoffen.

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