Elena Horn aus Ostbüren dreht unter anderem Reportagen für Arte. An der Gesamtschule, die sie selbst besucht hat, filmte die fünf Jahre lang für eine Dokumentation. © Fabian Riediger

Dreharbeiten an der GSF: Coming of Age und Holocaust in einer Doku

Fünf Jahre lang hat die Elena Horn Schüler der Fröndenberger Gesamtschule begleitet. Sie hält fest, wie Jugendliche auf die NS-Zeit blicken - und das mit internationalem Erfolg.

Wie gehen wir mit der NS-Vergangenheit um, wie wird der Nationalsozialismus im Geschichtsunterricht thematisiert – müssen sich Deutsche schuldig fühlen? Fragen, die sich Bürger in diesem Land nach Ende des Zweiten Weltkriegs immer wieder stellen – und Thema einer Doku, die die Fröndenberger Filmemacherin Elena Horn an der Gesamtschule gedreht hat.

Im Herbst soll der Film erstmals in Deutschland zu sehen sein. Die Kinder, die sie mit der Kamera begleitet, sind heute erwachsen.

„Wusstest du, dass deine Großeltern meine Großeltern umgebracht haben?“ Elena Horn ist 21, zu Gast in England, als sie sich auf dem Rückweg von einer Party zum Hostel erstmals mit einem Juden unterhält, der sie mit dem Holocaust konfrontiert.

Aufnahmen von 2014 bis 2019

Angefühlt habe es sich, als hätte der junge Amerikaner einen Baseballschläger genommen und ihr mitten ins Gesicht geschlagen. Dieses Erlebnis war für Elena Horn Anlass nachzudenken, über die schwere Last der deutschen Geschichte – und darüber, wie sie schulisch vermittelt, von jungen Leuten getragen wird.

„The Lesson“ heißt der Film, der ab Herbst in Deutschland zu sehen ist. © Hornung © Hornung

Entstanden ist ein rund 60 Minuten langer Film, der den Geschichtsunterricht und einige Jugendliche aus Fröndenberg über mehrere Jahre begleitet. Von 2014 bis 2019 hält Horn nicht nur den Unterricht fest. „Es ist auch irgendwie eine Coming-of-Age-Geschichte geworden“, sagt sie.

Zivilcourage in der Schule vermitteln

Bisher noch gar nicht in Deutschland gezeigt, räumt „The Lesson – Teaching the Holocaust to Germany’s Gen Z“ bereits international Preise ab. Hauptsächlich werde der Film bei Festivals im Menschenrechtskontext gezeigt. „Das ist so witzig, dass das Thema solch eine globale Relevanz hat“, sagt die Fröndenbergerin.

Inzwischen wird sie zu zahlreichen Talkrunden eingeladen, um über das deutsche Geschichtsbewusstsein zu sprechen. Sie wolle vor allem der Frage nachgehen, wie man Zivilcourage in einem relativ preußischen Frontalunterricht vermitteln kann.

Auch zeitgeschichtliche Ereignisse werden gezeigt

Ihre Doku behandelt nicht nur den Unterricht heute, sondern zeigt auch historisches Material. Daneben werden zeitgeschichtliche Ereignisse, wie die Wahl des Rechtsextremen Siegfried Borchardt in den Dortmunder Stadtrat 2014 oder der Mord an Walter Lübcke mit aufgenommen.

Auch der BVB und die Unterwanderung der Fan-Szene von Neonazis sind Themen, die die Gesamtschüler in den vergangenen Jahren beschäftigten. Wie sich ihr Geschichtsbild verändert, die eigene Zivilcourage gefestigt wird, ist im Herbst auch in Deutschland zu sehen.

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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Dagmar Hornung

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