Nicole Kasan und Dagmar Knappkötter-Esch bringen frisches Leben auf den Hof Sümmermann. Das dynamische Duo hat ein neues Atelier auf dem Hof und bietet Drahtkunst und Ananas-Handtaschen.

Fröndenberg

, 06.03.2020, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Atelier auf Hof Sümmermann teilt sich optisch in zwei Bereiche. An der einen Wand tummeln sich Worte, gebogen aus Draht, an der anderen reihen sich Handtaschen in allen Farben und Formen auf Tischen und Kleiderständern. Auf der Fensterbank stehen die drahtigen Umrisse einer Ananas, in der Mitte des Raumes eine Werkbank mit Nähmaschine und aufgerolltem Draht.

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Es ist noch gar nicht so lange her, da wurden in diesen Räumlichkeiten noch Kerzen hergestellt. Mittlerweile haben zwei Frauen aus Dortmund das Atelier für sich erobert. Ganz fertig ist es noch nicht, wie Nicole Kasan und Dagmar Knappkötter-Esch zugeben. „Eigentlich hat jeder von uns seinen eigenen Schreibtisch. Wir arbeiten nicht immer so kuschelig wie jetzt.“

Der Traum von einer Werkstatt im Grünen

Die beiden Frauen haben sich nicht gesucht, aber gefunden. Durch Zufall sind sie einander in Dortmund begegnet und in Kontakt geblieben. Kasan sehnte sich nach einem eigenen Studio. „Am liebsten einem Hof im Grünen“, sagt sie. Und das bitte nicht allein. Beide haben festgestellt, dass alleine vor sich hinzuarbeiten keinen Spaß macht.

Durch eine Fotoausstellung ist Kasan dann auf den Hof Sümmermann aufmerksam geworden und hat erfahren, dass die Kerzenmanufaktur bald schließt. Zu dem Zeitpunkt hatte das Duo eigentlich schon einen Laden in Dortmund in Aussicht. „Aber eigentlich haben wir nach etwas anderem gesucht“, sagt Kasan. Dem Hof Sümmermann.

Nicole Kasan konzentriert sich ganz aufs Wörter knicken. Sie drahtet Wörter, Tiere und Sprüche.

Nicole Kasan konzentriert sich ganz aufs Wörter knicken. Sie drahtet Wörter, Tiere und Sprüche. © Lisa Dröttboom

„Hier haben wir genau das Richtige. Man kennt den Hof schon, wir können hier als Kreative zusammenkommen und auch unsere Workshops anbieten“, schwärmt sie.

Vom Grafikdesign zum Wörterknicken

Die 39-Jährige hat ursprünglich Grafikdesign studiert, hat die Computer allerdings vor anderthalb Jahren hinter sich gelassen und widmet sich nun ganz ihrer kreativen Ader. Warum der Umschwung? „Nur weil man sich mit 20 Jahren für einen Beruf entscheidet, bedeutet das nicht, dass man ihn macht, bis man 60 oder 70 Jahre alt ist“, sagt sie und zuckt mit den Schultern. „Wir verändern uns. Das ist doch ganz normal.“

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Das Wörterknicken fasziniert sie besonders, weil es so viele Möglichkeiten zum Ausdrücken mit sich bringt. „Es gibt viele schöne Wörter, die die Leute mit einem positiven Gefühl verbinden und an die Wand hängen wollen“, sagt sie. „Aber es darf auch mal ein ‚Scheiß drauf‘ sein, wenn es einem nicht so gut geht.“ Mitunter deshalb hat sie auch ein ähnliches Schild in ihrem Angebot.

Mit Zange und Händen werden Wörter und Tiere in Draht verewigt.

Mit Zange und Händen werden Wörter und Tiere in Draht verewigt. © Lisa Dröttboom

Leben kann sie von ihrem kreativen Handwerk, das unter dem Namen ‚aiu‘ läuft, „noch nicht ganz“, allerdings glaubt sie fest daran, dass sich das bald ändert. Neben einem Sammelsurium an Wörtern in ihrem Angebot haben die Leute auch die Möglichkeit, Aufträge zu geben.

„Eigene Zitate, Wortspiele oder Namen sind möglich“, sagt sie. Ebenso wie Tiere oder Firmenlogos, auch wenn die dann etwas teurer werden. Die gedrahtete Ananas für ihre Arbeitskollegin Dagmar Knappkötter-Esch hat sie zum Beispiel auch selbst gemacht.

Taschen aus Ananasblätter-Fasern

Die beiden Frauen verstehen sich ausgezeichnet, in ihrem Atelier wird viel gelacht und gescherzt. Die Dame auf der anderen Seite des Tisches, vor der Nähmaschine, kommt aus Dortmund-Applerbeck. Im Volksmund wird ihr Stadtteil auch Applebeach genannt. Mitunter deswegen hat sie auch ihre Marke so genannt. „Auch wenn ich jetzt ja nicht mehr dort bin.“

Dagmar Knappkötter-Esch bietet unter anderem Bauchtaschen aus Ananas-Fasern an.

Dagmar Knappkötter-Esch bietet unter anderem Bauchtaschen aus Ananas-Fasern an. © Lisa Dröttboom

Nach der Familiengründung hat die gelernte Architektin das Nähen für sich entdeckt. „Aber ich konnte die bunten Stoffe irgendwann nicht mehr sehen.“ Auf ihrer Suche nach neuen Materialien stößt sie erst auf waschbares Papier, später dann auf das „vegane Leder“, wie es auch genannt wird.

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Pinatex ist der offizielle Name und bislang noch nicht weit verbreitet. Es ist eine natürliche, pflanzliche Alternative zu Leder aus Zellstofffasern. Das wird aus den Blättern von Ananas gewonnen, welche ein Abfallprodukt der Ananas-Ernte sind, erklärt sie. Das Ergebnis ist ein robuster, fester Stoff, der einiges hermacht und Knappkötter-Esch viele Möglichkeiten bietet.

Das Material hat aber auch seinen Preis. „Das lässt sich nicht vermeiden.“ Sie hofft, dass die Taschen trotzdem bei den Leuten ankommen. „Es ist nicht ganz billig, dafür aber absolut natürlich und umweltfreundlich.“

Die Taschen aus Ananas-Fasern gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Größen.

Die Taschen aus Ananas-Fasern gibt es in den unterschiedlichsten Formen und Größen. © Lisa Dröttboom

Offizielle Eröffnung am 14. März

Mit ihrem Atelier auf dem Hof Sümmermann haben sich beide Frauen einen Traum erfüllt. „Hier können wir echt alles machen, was wir wollen“, sagt Knappkötter-Esch glücklich. Mit ihren Nachbarn aus der Trauring-Manufaktur haben sie sich bereits angefreundet.

Beide sind „echt gespannt, was am Wochenende passiert, wenn die Leute hier reinkommen“. Sie freuen sich bereits auf die ersten Gäste. Die offizielle Eröffnung ihres Ateliers ist am 14. März von 14 bis 18 Uhr.

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Workshops bereits geplant

  • Auch einige Workshops hat Kasan schon geplant. „Auch für Kinder ab 8 Jahren“, betont sie.
  • Dabei soll es in ihren Workshops weniger ums Ziele erreichen, als ums Kreative austoben und Ausprobieren gehen.
  • „Farbmatschen, experimentieren, dreckig machen und gleichzeitig künstlerisch sein“, will sie anbieten. „Es geht um das Persönliche. Bei mir muss man nichts leisten.“

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