Rathaus Fröndenberg Außen © Marcel Drawe
Aus dem Live-Talk

Digital und trotzdem bürgernah: So stellen sich die Bürgermeisterkandidaten das Rathaus vor

Jüngste Beteiligungsformate erwecken in Fröndenberg den Eindruck, dass Bürger nicht mehr mitgestalten möchten. Stimmt das? Und wie könnte sich das Rathaus bürgernäher aufstellen?

Mit Zetteln im Himmelmannpark, also ganz manuell, konnten Bürger mit Blick auf die internationale Gartenausstellung 2027 ihre Ideen einbringen. Die Resonanz fiel bescheiden aus. Und auch als jüngst online nach Anregungen für die Fußgängerzone in der Innenstadt die Frage war, beteiligten sich lediglich zwei Fröndenberger an der Aktion. Die Bürgermeisterkandidaten der Ruhrstadt sind unterschiedlicher Auffassung woran das liegt. Alle möchten das Rathaus unter ihrer Führung allerdings bürgernäher, unkomplizierter und digitaler gestalten.

  • Frank Schröer (Grüne) könnte sich vorstellen, dass sich inzwischen eine leichte Müdigkeit bei der Bürgerbeteiligung eingeschlichen habe. Zur Zeit, in der er nach Fröndenberg gezogen ist, seien die Menschen sehr aktiv gewesen, hätten sich stark eingebracht. „Dann ist oft nicht daraus geworden“, versucht Schröer die aktuelle Situation zu erklären. In diesem Punkt gäbe es im Rathaus noch Luft nach oben. Das bedeute aber nicht, dass einzelne Mitarbeiter im Rathaus unfreundlich seien. Das Rathaus der Zukunft stellt sich Schröer nicht nur digitaler vor, sondern auch mobil vor. Es könnte in die Stadtteile fahren.
  • Matthias Büscher (FWG) habe als Politiker und Bürger immer Kontakt auf einer freundlichen Ebene mit der Stadtverwaltung gehabt. Auch von anderen sei das Thema „Bürgerunfreundlichkeit“ noch nie an ihn herangetragen worden. Zu einer bürgernahe Verwaltung gehörten aber nicht nur freundliche Mitarbeiter, sondern auch durchsichtige Strukturen. Es müsse Angebote geben, die Bürger digital abwickeln können. Die erschwerte Situation in der Corona-Krise habe die Verwaltung gut gemeistert, hat der FWG-Kandidat auch lobende Worte.
  • Heinz Günter Freck (CDU/FDP), der als Erster Beigeordneter Vertreter der Verwaltung ist, sieht mangelnde Bürgerbeteiligung nicht als Resultat auf Fehler im Rathaus. So seien die Ideen der Bürgerinnen und Bürger etwa aus den Stadtgesprächen durchaus in Entscheidungsprozesse mit einbezogen worden. Verwaltung und Politik würden die Belange der Bürger prüfen. „Nicht stur bei ihrer Ausgangslage bleiben.“
  • Sabina Müller (SPD) hingegen erlebt die Bürger als „sehr aktiv“ und verweist etwa auf den Leader-Prozess, der viele tolle Projekte in Fröndenberg hervorgebracht habe. Auch Senioren und Jugendliche wollen beteiligt werden, sagt die SPD-Kandidatin. So hätte die Jugend bei der Stadtentwicklung Wünsche, etwa zum Mobiliar, gehabt, von denen keine umgesetzt wurden. Wichtig sei es, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen, Rückmeldung zu geben – auch wenn sich die Dinge nicht so umsetzen lassen, wie es der Bürger gerne hätte.
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Bürgermeisterkandidaten im Live-Talk

Über die Autorin
Redaktion Fröndenberg
Jahrgang 1988, aufgewachsen in Dortmund-Sölde an der Grenze zum Kreis Unna. Hat schon in der Grundschule am liebsten geschrieben, später in Heidelberg und Bochum studiert. Ist gerne beim Sport und in der Natur.
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