Eine kleine Gruppe von ehrenamtlichen Enthusiasten kämpft gegen mannigfaches Tierelend an. Die gemeinnützige Katzen-Streunerhilfe Fröndenberg braucht Geld und tatkräftige Hilfe.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 15.06.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Sisyphos ist nichts gegen die Damen von der Katzenstreunerhilfe Fröndenberg: Eigentlich arbeiten sie daran sich überflüssig zu machen, aber sie wissen leider nur zu gut, dass es ihnen nicht gelingen kann: „Solange Tiere nicht als schützenswerte Lebewesen, sondern als Sachen, als Gegenstände, empfunden werden, die man gebrauchen oder wegtun kann, wie man möchte!" Birgit Arendt klingt sehr hart, wenn sie das so formuliert, aber aus der Sicht der Ersten Vorsitzenden der Streunerhilfe ist der Satz vollauf berechtigt.

Drei gute Seelen für den Katzenschutz

Rosi Eickenscheidt, die Zweite Vorsitzende, und Helferin Brigitta Seul nicken. Die drei guten Seelen im Fröndenberger Katzenschutz sind immer noch mit Elan bei der Sache, obwohl ihre Arbeit nicht enden wird.

Wo immer eine Katze oder ein Kater ohne erkennbaren Bezug zu einem Zuhause auftaucht, wo immer also eine Samtpfote durch die Gegend streunt, da kommt (hoffentlich) auch jemand von der Katzenstreunerhilfe vorbei, um das Tier einzufangen. „Im Kreis Unna herrscht Kastrations- und Registrierungspflicht für alle Katzen", belehrt Birgit Arendt. Von Rechts wegen dürfte es also Streuner gar nicht geben. Und doch: Zu Hunderten vegetieren die Katzen unter teils erbärmlichen Umständen auf Mülldeponien, in Wäldchen, aufgelassenen Scheunen, Ruinen, Gartenanlagen und in Industriegebieten. „Lässt man sie gewähren, vermehren sie sich ungehemmt , es gibt Inzucht und tödliche Krankheiten, alt werden die Tiere nicht; und ihr Leben ist grausam."

Diese Damen ackern wie Sisyphos für Samtpfoten und gegen menschliche Unvernunft

Birgit Arendt päppelt auch die fünf Babys einer Widkatze auf, die sonst nicht überlebt hätten. © Martin Krehl

Oft ist ganz akut medizinische Hilfe nötig

Wenn das Team um Eickenscheidt, Seul und Arendt und einige wenige weitere Aktivisten ausrückt um Streuner zu betreuen, ist ganz oft akute medizinische Hilfe nötig. Die Station der Streunerhilfe im Jägertal gleicht eher einer Arztpraxis denn einem Vereinsheim.

Alles, was noch aufgepäppelt werden kann, soll in gute Hände weiter gegeben werden. Das sind glücklicherweise noch ganz viele der aufgegriffenen Tiere. Ganz oft lassen sich Streuner aber nicht fangen und müssen dann in verschiedenen Außenstellen gefüttert und beobachtet werden.

„Wir leisten eine 24 Stunden-Rufbereitschaft", erklärt Birgit Arendt, die von Beruf Tierarzthelferin ist. Im Job ist die Idee zu dem gemeinnützigen Verein auch gereift, denn die Veterinäre waren die einzige Anlaufstelle für Fröndenberger, denen umherirrende und jämmerlich leidende Katze aufgefallen waren. „Die Ärzte können da aber wenig helfen, also gibt es jetzt uns." Selbst die Stadt ruft die Streunerhilfe zu Hilfe. Dann müssen auch schon mal Kadaver weggeräumt, der Chip ausgelesen und die Besitzer verständigt werden, auch das macht die Streunerhilfe.

Diese Damen ackern wie Sisyphos für Samtpfoten und gegen menschliche Unvernunft

Wenn so süßer Katzen-Nachwuchs in Not gerät, dann sind die Helfer der Katzenstreunerhilfe zur Stelle - rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. © Archiv

100 Tiere aufgepäppelt, mehr als 500 weitervermittelt

Wenn sich herausstellt, dass ein aufgegriffenes Kätzchen nicht gechipt oder tätowiert ist, wird das auf Vereinskosten ebenso nachgeholt wie die Kastration. Die kostet im Schnitt zwischen 80 Euro beim Kater und 150 Euro bei der Katze - das und der Unterhalt der großen Auffang- und Pflegestation am Neuen Friedhof im ehemaligen Blumenhaus Wagner zwingen die Vereinsmitglieder dazu, ebenso unaufhörlich wie kreativ Spendengelder zu akquirieren. Auf allen möglichen Märkten steht der Stand der Streunerhilfe. Die Mitgliedschaft im Verein kostet übrigens schlappe 2 Euro im Monat. Etwa 120 Mitglieder sehen die Notwendigkeit des Vereins. Seit Bestehen 2008 sind etwa 1000 Kater und Katzen gechipt, tätowiert, kastriert und aufgepäppelt worden. Weit über 500 Tiere wurden in geprüft gute Hände weitervermittelt.

Diese Damen ackern wie Sisyphos für Samtpfoten und gegen menschliche Unvernunft

Im Vereinsheim der Katzenstreunerhilfe hat schon so manche Samtpfote Hilfe bekommen. Ziel der Helfer ist immer, die Katzen in gute Hände zu vermitteln. © Archiv

Schönling Roy und die Miezen haben keine Versicherung

Im Vereinsheim schnurrt es in allen Käfigen und Körben. Ein dunkelgetigerter Schönling, der bis vor wenigen Wochen keinen Menschen in seiner Nähe duldete, erholt sich zusehends, Roy genießt die Zuwendung der Pflegerinnen. Nebenan tollen fünf Katzenbabys um ihre dunkelgraue Mama herum.

„Über jedes Tier wird genau Buch geführt", sagt Brigitte Seul. Genau wie bei Krankenhauspatienten, bloß diese Kranken haben keine Versicherung...

Warum machen die Damen das? Bei Rosi Eickenscheidt gab es immer Katzen im Haus, schon in ihrer Jugend. Tiere haben es nicht verdient zu leiden, diese Haltung eint sie mit Brigitte Seul: „Mir sind immer Katzen zugelaufen", sagt die Mendenerin. Anfangs habe sie immer alles selbst bezahlt. „Dann ging das aber nicht mehr“, sagt Seul. Seit sie in Rente ist, arbeitet sie bei der Streunerhilfe mit.

Wer ist für Sie
eine gute Seele?

• Im Rampenlicht stehen oder besonders gelobt werden, das will sie nicht - aber sie ist in jedem Verein, jedem Klub und jedem Kränzchen unverzichtbar. Die "gute Seele" vom Ganzen hält sich eher im Hintergrund, steht aber uneigennützig sofort parat, wenn sie gebraucht wird. • Der Hellweger Anzeiger möchte in loser Folge an dieser Stelle über die berühmten "guten Seelen" berichten. Welche Motivation treibt sie an? Warum opfern sie ihre Freizeit, Kraft und Nervenstärke? • Sie setzen Maßstäbe für selten gewordene Tugenden wie Solidarität, Nächstenliebe, Mitmenschlichkeit. Sie geben oft genug ein Beispiel dafür, wie erfüllend solch ein Dienst sein kann. Wie viel positive Resonanz bekommen Sie zurück? • Wer ist Ihre „gute Seele"? Rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns: Tel. (02303) 20 21 31 oder froendenberg@hellweger-anzeiger.de.

Arbeit der Katzenhelfer macht an den Stadtgrenzen keinen Halt

Deren Arbeit macht nicht vor den Stadtgrenzen Halt, die Tiere ja auch nicht. Bis nach Wickede und Hemer rückt der Streunerhilfe-Wagen aus. Rund um die Uhr an 365 Tagen im Jahr.

„Es ist schwer zu akzeptieren, dass wir nicht alle retten können", sagt Birgit Arend. „Getan werden muss diese Arbeit, die Tiere können ja gar nichts für ihr Schicksal." Die Unvernunft der Menschheit, die sich süße Kätzchen bei eBay kauft und sie später in der Pampa aussetzt, wenn sie krank sind oder teuer werden, werde wohl auch niemals aufhören.

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