Starke Meinungen von Fröndenberger Schülern zu Brexit und Klimawandel

dzEuropaschule für Fröndenberg

Fröndenberg hat jetzt eine Europaschule: Ende November wird das Zertifikat im Landtag in Düsseldorf übergeben. Schon jetzt sagen Schüler ihre Meinung: zu Brexit, Flüchtlingen und Klimawandel.

Fröndenberg

, 02.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Ministerium für Schule und Bildung wird auch eine Schule aus Fröndenberg als Europaschule auszeichnen. Die Europaarbeit dort wird als herausragend bewertet. Schülerinnen und Schüler haben uns erzählt, was sie über den Brexit, über Flüchtlinge und über den Klimawandel denken.

Silke Lakrabi ist stolz: Die Schulleiterin wird am 25. November im Plenarsaal des Düsseldorfer Landtags eine Urkunde und die Europafahne entgegennehmen.

Stolz ist die Schulleiterin der Gemeinschaftsgrundschule Fröndenberg vor allem auf ihre Schülerinnen und Schüler, die das Thema Europa mit all seinen Facetten im Unterricht und mit freiwilligem Engagement leben.

Starke Meinungen von Fröndenberger Schülern zu Brexit und Klimawandel

Morsal, Schülerin an der Gemeinschaftsgrundschule Fröndenberg © Marcel Drawe

»Wir wollen alle noch die Welt retten.«
Morsal (9)

„Mit euerem Beispiel zeigt ihr, wie wichtig dieses Thema ist“, sagt Silke Lakrabi mit Blick auf Constantin, Morsal, Nina und Leni, die stellvertretend für alle anderen Schüler ihre Ansichten zu Europa äußern – und die haben es in sich.

Die Schule sieht das Thema Europa als Querschnittsaufgabe in allen Fächern und Jahrgängen, im regulären Unterricht wie in Arbeitsgemeinschaften. Und es dreht sich längst nicht bloß um Sprache, Landeskunde oder das Europaparlament.

Constantin und Morsal kommen sofort auf die AG Umweltschutz zu sprechen: Denn das sei ja auch eine Aufgabe, die Europa gemeinsam lösen müsse. Auf dem Lehrplan stand diese AG nicht, die Idee dazu hatten Morsal und Nina.

Starke Meinungen von Fröndenberger Schülern zu Brexit und Klimawandel

Constantin, Schüler an der Gemeinschaftsgrundschule Fröndenberg © Marcel Drawe

»Mein schsjähriger Bruder versteht das alles noch nicht.«
Constantin (9)

„Im Fernsehen habe ich gesehen, wie viele Tiere in den Meeren an dem Plastik sterben – das finde ich richtig traurig“, erzählt Morsal (9). Die Grundschüler lassen sich regelrecht von der Fridays-for-Future-Bewegung inspirieren, hat Silke Lakrabi beobachtet und lobt: „Das war eine richtig mutige Idee von euch.“

Was regelrecht verblüfft an dem Engagement der Acht- und Neunjährigen: Sie wollen ihre Meinungen und Ideen zum Umweltschutz auch nach außen tragen.

„Wir wollen Plakate malen und damit auf den Markt gehen“, kündigt Nina an. Constantin fällt noch ein: „Man könnte auch Rezepte für vegane Gerichte vorstellen . . .“. Zum richtigen Umgang mit Essen hat der Neunjährige überhaupt eine starke Meinung: Es dürfe nicht verboten sein, sich an überschüssigen Lebensmitteln in den Müllcontainern der Supermärkte zu bedienen. „Das ist total die Lebensmittelverschwendung“, findet Constantin.

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Starke Meinungen von Fröndenberger Schülern zu Brexit und Klimawandel

Frauke Schnücker (l.) ist neben Carolin Volkert eine der beiden Europaexpertinnen im Lehrerkollegium an der Gemeinschaftsgrundschule Fröndenberg. Schulleiterin Silke Lakrabi freut sich, wie auch die Schüler das Thema Europa schon verinnerlicht haben: „Das wird ganz deutlich, wenn man mit uns den Alltag erlebt.“ © Marcel Drawe

Nicht nur das Fremdsprachenangebot an der Gemeinschaftsgrundschule ist ein besonderer Schwerpunkt, hier kann man neben Englisch ab Klasse 1 sogar Französisch ab Klasse 3 erlernen.

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Leni, Schülerin an der Gemeinschaftsgrundschule Fröndenberg © Marcel Drawe

»Je größer die EU, umso besser, dass es uns gut geht.«
Leni (9)

Das Schulprogramm und viele Einzelprojekte haben zusätzlich einen europäischen Bezug. So setzen die Schüler etwa die Europäische Menschenrechtskonvention oder die Unicef-Kinderrechte in die praktische Tat um: etwa beim Weihnachtspäckchenkonvoi.

Für den sammeln die Grundschüler fleißig ausrangiertes Spielzeug, gebrauchte, aber auch neue Kleidungsstücke. Ein großer Lkw bringe die Sachen nach Osteuropa zu Menschen, die sich so etwas nicht leisten können, weiß Leni. „Damit sie dort eine Zeit lang oder auch für immer gut leben können.“

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Nina, Schülerin an der Gemeinschaftsgrundschule Fröndenberg © Marcel Drawe

»Mein Vater hat mir erklärt, wer Greta Thunberg ist.«
Nina (9)

Auch mit Partnerschulen in anderen Ländern, zum Beispiel, in Portugal tauscht sich die Gemeinschaftsgrundschule aus, gestaltet in jedem Jahr einen EU-Projekttag. Apropos, Europäische Union. Zum Brexit hat sich das Quartett schon eine feste Meinung gebildet.

„Das ist doch eine Zusammenarbeit, die Europa zusammenhält“, meint Leni, „das ist doof wenn die aussteigen.“ Für die Firmen sei das ja auch nicht so gut und fürs Verreisen oder eine Arbeitsstelle in England bestimmt auch nicht, glaubt Nina.

Die Kinder sprechen nicht bloß über vielleicht Zuhause Gehörtes. Dass sie an der Schule auch gebildet werden, den europäischen Gedanken von Solidarität ganz praktisch zu leben, zeigt sich an ihrem syrischen Mitschüler Mohammed.

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Die Gemeinschaftsgrundschule Fröndenberg hat bereits Sticker gebastelt, die nach der offiziellen Zertifizierung als Europaschule an alle Schüler und Lehrer verteilt werden. © Marcel Drawe

Erst konnten sich die Kinder nur auf Englisch mit dem dadurch noch isolierten Flüchtlingsjungen verständigen. Später klappte es immer besser auf Deutsch, weil sich alle in der Klasse kümmerten.

Als Mohammend endlich auch wieder befreit lachen konnte, waren sie alle sehr glücklich. „Wir sind zu einer Gemeinschaft zusammengewachsen“, sagt Leni. Und Morsal stellt tiefsinnig etwas fest, über das sich nachzudenken lohnt: „Das ist nichts Schlimmes, wenn man ein Kind glücklich macht.“

Zur Sache

Europaprofil der Gemeinschaftsgrundschule

  • Die Kenntnisse und andere Länder und Kulturen, das Erlernen von Fremdsprachen und das Wissen um politische Zusammenhänge haben das Ziel, die Schülerinnen und Schüler auf eine erfolgreiche Zukunft in Europa vorzubereiten.
  • Ein weiterer Schwerpunkt ist es, den europäischen Gedanken ergahrbar zu machen. Respekt und Interesse an der Vielfalt der Sprachen und Kulturen sollen dabei geweckt und vertieft werden.
  • Neben dem Thema Europa/Europäische Union im Regelunterricht werden viele Aktionen und Projekte angeboten, in denen der europäische Gedanke gelebt und so erfahrbar wird.

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