Dienstältester Lehrer der Gesamtschule Fröndenberg geht für immer in die Sommerferien

dzGesamtschule Fröndenberg

Ein Urgestein der Gesamtschule Fröndenberg wird nach den Sommerferien nicht zurückkehren: Lehrer Reinhold Korinth erzählt von einem Spießrutenlauf und warum er im Ruhestand Psychothriller lesen wird.

Fröndenberg

, 18.07.2019, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Der dienstälteste Lehrer der Gesamtschule Fröndenberg verabschiedet sich für immer in die Sommerferien: Reinhold Korinth hat sage und schreibe 38 Jahre lang an der GSF unterrichtet.

Für Generationen von Schülern aus und um Fröndenberg war er der beliebte und liebenswürdige Lehrer für Englisch und Gesellschaftslehre. Er war so lange an der Schule, dass ihm einige seiner früheren Schüler später sogar in neuer Rolle an der GSF begegneten: Sie wurden dort selbst Lehrer.

Lehrer wollte eigentlich Psychologie studieren

Dabei hatte der 65-Jährige eigentlich Psychologie studieren wollen. „Das war mein Traum“, verrät Reinhold Korinth und gibt ganz offen zu: Den hohen Numerus Clausus in diesem Fach hat er schlicht nicht geschafft. Obgleich er auf dem Pestalozzi-Gymnasium Unna, der „Knochenmühle“, wie er sagt, sein Abi baute. Aber das ist ja auch aller Ehren wert.

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In seinem Lehramtsstudium sollte er sich später mit Schulpsychologie doch noch befassen. Schließlich gehört es für Lehrer dazu, auffälliges Verhalten ihrer Schüler zu erkennen und eventuell mit dem Elternhaus Kontakt aufzunehmen.

„Seine“ Schule hat sich der Holzwickeder, der längst in Fröndenberg heimisch geworden ist, nach dem Referendariat mehr oder weniger ausgesucht – mit etwas familiärer Hilfe. Als Reinhold Korinth zum Schuljahr 1981/82 an den Wiesengrund wechselte, war dem ein Gespräch seines Schwiegervaters mit der damaligen Leiterin der GSF, Hanneliese Rottenbacher, vorausgegangen. Heinz Beckmann war nämlich zur selben Zeit Leiter des Hellweg-Berufskollegs in Unna.

»Schüler lassen heute schon mal merken, dass sie zuhause Prinz oder Prinzesschen sind.«
Reinhold Korinth

Auf dem kurzen Dienstweg ließ sich damals so etwas regeln. Damit landete Reinhold Korinth wie von ihm gewollt in der Nähe seiner Heimat und an dem Schultyp, von dem er bis heute überzeugt ist.

Da war es gar nicht anders denkbar, dass auch die drei Kinder der Korinths auf die Gesamtschule Fröndenberg gingen. „Wenn ich nicht bis heute an die Ideale der Gesamtschule glauben würde, hätte ich sie dort nicht hingeschickt“, sagt Reinhold Korinth.

Gesamtschule kennt kein Schubladendenken

Kein Schubladendenken, keine Scheuklappen. Jeder Schüler werde nach seinen Talenten gefördert, es sind Aufstiege möglich, aber auch Abstiege. Das wirke sich auf das Schulklima aus. Solidarität und Hilfsbereitschaft an der GSF seien immer sehr ausgeprägt gewesen. Reinhold Korinth, da gibt es an der Gesamtschule keinen Zweifel, hat sein Scherflein dazu beigetragen.

Bei dem Nachnamen „Korinth“ bekam seine Tochter an der GSF zu hören: „Ist das dein Papa? Das ist doch die gute Seele der Schule.“ Es entspricht nicht dem bescheidenen Naturell von Reinhold Korinth, sich in den Vordergrund zu drängen. Dieses Lob hat ihm aber gefallen: „Denn so habe ich mich immer gefühlt.“

Ein Lehrer, dem das Zwischenmenschliche wichtig war

Da waren nicht nur seine offiziellen Funktionen in der Schulkonferenz, als Jahrgangssprecher oder als Organisator des Tages der offenen Tür. Nein, das Zwischenmenschliche war Reinhold Korinth besonders wichtig, neuen Kollegen etwa den Start zu erleichtern. Die bedankten sich auf ihre Weise. „Ich war froh, dass ich so viele nette junge Kollegen hatte, die mir bei Digitalisierung und Inklusion geholfen haben“, schmunzelt Reinhold Korinth und spricht zugleich den steten Wandel an einer Schule an.

»Wenn ich künftig Urlaub mache, dann außerhalb der Ferienzeiten – jetzt laufen ja überall die Lehrer herum.«
Reinhold Korinth

Apropos, Wandel. An acht oder neun Züge mit bis zu 270 Schülern pro Jahrgang erinnert sich Reinhold Korinth. Heute sind es noch sechs. Auch die Persönlichkeiten der Schüler sind andere als noch in den 1980er-Jahren. Selbstbewusster seien schon die ganz Jungen, die von der Grundschule kommen.

„Die lassen auch schon mal merken, dass sie zuhause Prinz oder Prinzesschen sind“, erzählt der erfahrene Pädagoge. Um sofort zu ergänzen: „Sehr viele Schüler sind aber auch ganz toll und sozial sehr engagiert.“ Da müsse man nur an das Projekt „Schule ohne Rassimus – Schule mit Courage“ denken.

Dienstältester Lehrer der Gesamtschule Fröndenberg geht für immer in die Sommerferien

Das Ergebnis von Sanierung und Umbau der Gesamtschule Fröndenberg wird Reinhold Korinth als Lehrer nicht mehr erleben – der Zeitplan sieht bisher 2027 als Jahr der Fertigstellung vor. © Klein + Neubürger Architekten

In 38 Jahren hat Reinhold Korinth vier Schulleiter erlebt, Hanneliese Rottenbacher, Matthias Weißert und Volkmar Bielefeld bis Klaus de Vries. Als die Bezirksregierung anbot, seinen Ruhestand hinauszuschieben und ihn noch einige Stunden im Mangelfach Englisch unterrichten zu lassen, lehnte Reinhold Korinth dankend ab. Seinen Beruf habe er bis zum letzten Tag gern gemacht, aber in den letzten zwei, drei Jahren sei es doch anstrengend geworden. Nicht physisch. „Man merkt, dass die psychische Kraft nachlässt.“

„Das waren schon manchmal Spießrutenläufe an der Schule ...“
Reinhold Korinth, Fan von Schalke 04

Dafür kann er sich jetzt seinem Hobby Schalke 04 („Das waren schon manchmal Spießrutenläufe an der Schule ...“, denkt der Blauweiße lachend zurück) widmen. Und er kann beim Lesen von Psychothrillern und historischen Romanen entspannen.

Und nach starren Ferienzeiten muss Reinhold Korinth sich künftig auch nicht mehr richten, wenn er in den Urlaub fahren will. Da hat der Pensionär auch schon eine Strategie entwickelt. „Wenn ich künftig Urlaub mache, dann außerhalb der Ferienzeiten – jetzt laufen ja überall die Lehrer herum.“

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