Im Strickherdicker Bachtal soll das renaturierte Gewässer die Natur wieder aufblühen lassen - möglichst unberührt vom Menschen.

von Sebastian Pähler

Fröndenberg

, 13.11.2018, 14:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch sieht es ganz schön nach Baustelle aus, wenn man den Blick über das Strickherdicker Bachtal gleiten lässt, aber wenn man genauer hinschaut, erkennt man, dass bereits so kurz nach Abschluss der Bauarbeiten zur Renaturierung des Strickherdicker Baches die Vegetation wieder zurückkommt. Genauer hinschauen konnten jetzt Teilnehmer einer Führung, die die Stadt Fröndenberg zusammen mit der Biologischen Station Unna/Dortmund angeboten hat, um der Bevölkerung zu zeigen, was sich hier verändert hat.

Wechsel der Landesregierung wirkte sich auf Zeitplan aus

Aufgrund des Wechsels der Landesregierung und der damit verbundenen obligatorischen Haushaltssperre waren die Arbeiten im vergangenen Jahr auf Eis gelegt worden. Im Nachhinein erwies sich genau das als Glücksfall, wie Falko Prünte von der Biologischen Station erläuterte: „Wir sind im Nachhinein sehr froh darüber“, so Prünte, da der Herbst 2017 sehr nass gewesen war und die Arbeiten daher erheblich behindert worden wären. 2018 war es genau anders herum. Das trockene Jahr sorgte für einen festen Untergrund, wenig Wasser im Bach und dafür, dass relativ wenig Flurschaden während der Arbeiten verursacht wurde. „Besser konnte man nicht arbeiten“, stellte er fest.

Bach schnitt früher wie ein Brotmesser durch das Tal

Den interessierten Teilnehmern, vor allem Anwohnern, die die Arbeiten in dem westlichsten von Fröndenbergs fünf Naturschutzgebieten beobachten konnten, zeigten Prünte und Randolf Gill von der Unteren Wasserbehörde, was sich hier verändert hat. Auf alten Karten ist noch zu sehen, wie der Bach schnurgerade durch die Landschaft verläuft. Früher sind Bachläufe begradigt worden, um durch Stauung die umliegenden Felder zu fluten und so Nährstoffe einzubringen.

Die Renaturierung des Strickherdicker Bachs ist abgeschlossen

Der alte Bachlauf war gerade. © Pähler

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde diese „Flößen“ genannte Methode unüblich, da künstlicher Dünger üblich wurde und gleichzeitig die immer schwereren Fahrzeuge in der Landwirtschaft auf zu feuchtem Boden nicht gut fahren konnten. Die Folge war, dass die Flößwehre, die den Wasserlauf bremsten, verwitterten und schließlich verschwanden. „Mit den fehlenden Wehren hatte der Bach dann richtig Fahrt aufgenommen und schnitt wie ein Brotmesser durch das Strickherdicker Bachtal“, schilderte Falko Prünte die Lage. Bis zu vier Meter tief hatte sich das Wasser in den Boden gegraben.

Ausladende Windungen verringern nun die Fließgeschwindigkeit

Davon ist nun nichts mehr zu sehen. An einigen Stellen wurde Erde entfernt und an anderer eingebracht und teilweise zusätzliche Erde verwendet, die vom Aushub eines Teichbaus übrigblieb. Vor allem wurde der Lauf des Baches aber durch ausladende Windungen verlängert, um die Fließgeschwindigkeit zu verringern. Der einmal 500 Meter lange Bachabschnitt wurde um rund 200 Meter verlängert, wodurch er nun auch breiter geworden ist.

Die Renaturierung des Strickherdicker Bachs ist abgeschlossen

Der neue Bachlauf ist nicht mehr schnurgerade, sondern kurvig. Uferpflanzen und Tiere können sich nun ansiedeln. © Pähler

Prünte dankte den Anwohnern, die für die Umsetzung Teile ihrer Grundstücke zur Verfügung gestellt hatten.

Der Bachlauf sucht sich jetzt seinen eigenen Weg

An ein paar Stellen sind auch noch Steine zu sehen, die einerseits das teilweise starke Gefälle abbremsen, andererseits verhindern sollen, dass dort wo Schmutzwasserkanäle auf den Bach treffen, das Ufer ausgespült wird. „In zwei Jahren sieht man da nichts mehr von“, versprach Randolf Gill. Dann sei alles überwachsen. Aber auch der Bachlauf selbst werde sich noch verändern. „Es ist ihm überlassen, wo er hinlaufen soll“, erklärte Gill. Schließlich sei genau das die Idee der Renaturierung. Die Natur soll von dem neuen Bachlauf stark profitieren.

Die Renaturierung des Strickherdicker Bachs ist abgeschlossen

Steine sollen den Bachlauf bei Gefälle bremsen und dafür sorgen, dass das Ufer an Schmutzwasserzulaufstellen nicht ausgespült wird. Das Bachbett ist hier nicht aufgrund des trockenen Sommers leer: Momentan fließt das Wasser noch unterirdisch durch einen Kiesfilter. Erst nach und nach kommt es an die Oberfläche. © Pähler

Mädesüß, Binsen und Pestwurz sind in dem Gebiet zu finden, wo auf dem zu trockenen Boden vorher vor allem Brennnesseln gute Bedingungen fanden. Die Bachstelze ist schon gesichtet worden, genauso wie die Gebirgsstelze und mit einer Ansiedlung von Feuersalamandern wird gerechnet. Unter den Arbeiten gelitten hatte der Schilfröhricht, der hier eines der größten Verbreitungsgebiete im ganzen Kreis Unna hat. Ein notwendiges Übel, doch damit, dass der Bestand sich unter den neuen Bedingungen erholt, ist zu rechnen.

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Der Besuch des Bachtals war vonseiten der Biologischen Station mit einer Bitte versehen: Interessierte Bürger sollen nicht an den Bachlauf herantreten, um zu schauen, wie er sich entwickelt. „Naturschutz macht keinen Sinn, wenn man gleichzeitig ein Naherholungsgebiet daraus macht“, stellte Prünte fest. „Es muss einfach Bereiche geben, die störungsarm sind“, und genau darum sei das Strickherdicker Bachtal auch ein Naturschutzgebiet.
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