Nicht Berlin, nicht New York, nein, die Skyline der Hohenheide ziert Tasse und Frühstücksbrettchen. Ein „alter Hohenheider“ spricht von der Rivalität zu Fröndenberg. Und nun noch dieser Antrag, der, ja, abgrenzt.

Hohenheide

, 20.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Grüne Wälder, bunte Felder, auf der Höh‘ ein Dörflein fein, das ist uns‘re Hohenheide, das soll unsere Heimat sein.
(Hohenheider Lied, 1. Strophe)

Georg Klein dreht den Schlüssel im Portal der Herz-Jesu-Kirche herum. „Waren Sie schon einmal hier?“, fragt der Ortsheimatpfleger seinen Besucher. Nein, es sei das erste Mal, dass er diese heiligen Räume betrete, antwortet ihm sein Gast.

„Wenn der Schützenoberst das Du anbietet, bist Du in die Gemeinschaft aufgenommen.“
Ortsheimatpfleger Georg Klein

Jetzt ist Georg Klein in seinem Element. Der Heimatforscher setzt sich in die Kirchenbank und erzählt. Die Vorväter der Hohenheider hätten das Gotteshaus vor 95 Jahren mit ihren eigenen Händen errichtet. Mit Steinen, die sie zuvor oben auf der Heide geschlagen haben - eine Kirche, entstanden aus der Heimaterde.

Kirche auf der Kuppe ist ein Symbol

Vielleicht ist die katholische Kirche oben auf der Kuppe des Ortes das Symbol schlechthin für den Gemeinsinn der Hohenheider: Nach Fröndenberg zur Mutterkirche St. Marien wollten die Gläubigen eines Tages nicht mehr laufen - und das lag nicht nur an dem beschwerlichen Rückweg den steilen Hang hinauf.

Dabei künden die historischen Fotos von der noch dünnen Besiedelung in den 1920er-Jahren. Das Gebäude des heutigen Gasthofs Hölzer, gleich neben der Kirche, das gab es 1925 schon. Aber drumherum? Wenig.

Ortsheimatpfleger Georg Klein in der Kirche Herz-Jesu: Die Geschichte ihrer Errichtung hat er kürzlich noch zu Papier gebracht und als Aushang im Innenraum des Gotteshauses angebracht.

Ortsheimatpfleger Georg Klein in der Kirche Herz-Jesu: Die Geschichte ihrer Errichtung hat er kürzlich noch zu Papier gebracht und als Aushang im Innenraum des Gotteshauses angebracht. © Marcel Drawe

Uwe Lurz

Uwe Lurz © Marcel Drawe

„Ich fühle mich als Hohenheider.“
Uwe Lurz

„Heide bedeutet wohl, dass es eine eher wüste Gegend war“, vermutet Georg Klein. Ostbürener Heide, Westicker Heide und eben die Hohenheide. Aber nur „auf der Hohenheide“ eben hat sich dieses lebendige Eigenleben entwickelt.

Auf der Straße, sie heißt natürlich „Hohenheide“, kommt an diesem diesigen Morgen Walter Firnrohr den beiden Schnadegängern entgegen. Brötchentüte und Tageszeitung unterm Arm, die er gerade im Laden ums Eck geholt hat.

In dritter Generation Hohenheider - mindestens

Firnrohr schmunzelt bei der Frage - wie überhaupt alle auf der Heide diesen leicht verliebten Blick aufsetzen, wenn sie darauf angesprochen werden. „In dritter Generation“, sagt Walter Firnrohr, „Hohenheider!“. Mindestens.

Aber, das spürt man auch in zwei Meter Abstand noch, da bebt auch etwas in dem Poahlbürger. Da gebe es doch nun mal seit ewig und drei Tagen diese Rivalität. Diese Rivalität - ja, mit wem denn eigentlich und warum?

Im Ortsmittelpunkt sorgt das Hohenheider Lädchen für die Nahversorgung. Nadine Schäfer weiß von Kunden, wie stark man sich mit dem Sprengel identifiziert.

Im Ortsmittelpunkt sorgt das Hohenheider Lädchen für die Nahversorgung. Nadine Schäfer weiß von Kunden, wie stark man sich mit dem Sprengel identifiziert. © Marcel Drawe

„Wir waren immer die Heikötter und die Fröndenberger haben sich für etwas Besseres gehalten.“
Walter Firnrohr

Firnrohr meint nicht nur die einstige Rivalität der beiden Fußballclubs SC Hohenheide 1920 und FC Fröndenberg 09 - „wie Schalke und Borussia Dortmund“ - zumal die längst fusioniert sind.

„Wir waren immer die Heikötter und die Fröndenberger haben sich für etwas Besseres gehalten“, entfährt es Walter Firnrohr. Jetzt ist es raus. Heikötter, also. Und da trifft er wohl ins Schwarze.

Tatsächlich gab es lange Zeit bloß kleine Höfe auf der Hohenheide, jeder hatte ein kleines Stück Land, verdingte sich mit etwas Ackerbau und Kleinvieh. Irgendwann begannen die kleinen Kötter an ihren Heim-Schmieden, sich etwas Lohn hinzu zu verdienen.

Soll weg: Das grüne Weiler-Schild, hier aus Richtung Ostbüren kommend, stuft die Hohenheide als bloßen Wohnplatz ein.

Soll weg: Das grüne Weiler-Schild, hier aus Richtung Ostbüren kommend, stuft die Hohenheide als bloßen Wohnplatz ein. © Marcel Drawe

„Man fährt nach ,Fröndenberg‘ runter.“
Nadine Schäfer

Tja, und in dieser Zeit brummte unten in „Fröndenberg-Firma“, wie sie im Stift den gefühlten Stadtteil um Union herum nannten, längst die Industrie. Und ein Direktor Himmelmann von der Papierfabrik an der Ruhr hat mutmaßlich nie einen Fuß über die Schwelle zur Hohenheide gesetzt.

Apropos Schwelle, gibt es überhaupt eine Grenze zu Fröndenberg? Georg Klein lacht sofort kurz auf. Ja, das mit der Grenzziehung ist in der Tat etwas problematisch. Vor wenigen Wochen hat er einen Antrag gestellt - unten im Rathaus in Fröndenberg: Die Hohenheide soll vollwertiger Stadtteil werden, so wie Stentrop, Bentrop, Bausenhagen immer schon.

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Die feierliche Grundsteinlegung am 20. September 1925: Die katholische Herz-Jesu-Kirche auf der Hohenheide errichteten die Gläubigen selbst

Die feierliche Grundsteinlegung am 20. September 1925: Die katholische Herz-Jesu-Kirche auf der Hohenheide errichteten die Gläubigen selbst © privat

Die Verwaltung hat den Hohenheidern bislang den Rang einer Ortslage mit den grünen Weiler-Schildern am Straßenrand zugestanden. Ein Wohnplatz. Kein Stadtteil. Historisch betrachtet gehören die einzelnen Flurstücke tatsächlich zu den Gemarkungen Stentrop, Neimen, Bausenhagen - und eben Fröndenberg. Das ist so im Urkataster verzeichnet - dafür gibt es Brief und Siegel. Für die Hohenheide dagegen ein Gefühl.

Dinge des täglichen Bedarfs

Nadine Schäfer - auch mit diesem leicht verliebten Zug um ihre Lippen - empfindet die tiefe Zuneigung zur Hohenheide schon als erst vor zwei Jahren Zugezogene und hört es hinterm dem Tresen des „Hohenheider Lädchens“ auch ganz oft. Kunde Uwe Lurz nickt. „Ich fühle mich als Hohenheider“, sagt er und schaut in die Auslagen.

„Man fährt nach Fröndenberg runter“, weiß sie, dass die Hohenheider durchaus „in die Stadt“ müssen, wenn es mal um mehr als Brot, Butter, Wurst und Käse oder all die sonstigen Dinge des täglichen Bedarfs geht, die Inhaber Matthias Woldt in seinem Tante-Emma-Laden liebevoll auslegt.

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Fan-Artikel dürfte es in kaum einem anderen Stadtteil Fröndenbergs geben - das Ortsschild „Hohenheide“ findet sich bislang nur auf einem Kaffeepott wieder, soll aber bald auch am Straßenrand stehen.

Fan-Artikel dürfte es in kaum einem anderen Stadtteil Fröndenbergs geben - das Ortsschild „Hohenheide“ findet sich bislang nur auf einem Kaffeepott wieder, soll aber bald auch am Straßenrand stehen. © Marcel Drawe

Tante-Emma-Laden? Mehr als das - Fanshop! Hohenheide auf Brettchen, Hohenheide auf Kaffeepott, auf Schlüsselanhängern und Geschirrtüchern - gibt es so etwas in Neimen und Stentrop? Eher nicht.

Und nicht nur das nicht. Da ist die ebenfalls selbst errichtete Schützenhalle von Adler Hohenheide - mit dem ersten lesbischen Königspaar, das es bundesweit in die Schlagzeilen schaffte-, der Löschzug der Feuerwehr, der Vikarieausschuss, der im Franz-Stock-Haus Geselliges und Erbauendes organisiert - braucht es sonst noch was, um ein Gepräge als Stadtteil vorzuweisen?

Bislang nur eine Fotomontage: Ortsheimatpfleger Georg Klein posiert vor einem gelben Ortseingangsschild für die Hohenheide. Nicht wenige eingefleischte Hohenheider dürften davon träumen ...

Bislang nur eine Fotomontage: Ortsheimatpfleger Georg Klein posiert vor einem gelben Ortseingangsschild für die Hohenheide. Nicht wenige eingefleischte Hohenheider dürften davon träumen ... © Montag Leonie Sauerland

„An sich gar nichts“, gibt Georg Klein zu - doch der Satz ist doppeldeutig. Die Erhebung zum Stadtteil mit glänzend gelben Schildern am Ortsteilrand brächte der Hohenheide weder eine Stimme mehr im Stadtrat noch könnten sie damit einen Fördertopf im städtischen Haushalt anzapfen.

Der Ortsheimatpfleger, der sich nach seinem Zuzug 1977 schnell mit dem Hohenheide-Virus infizierte, ist mit seinem Antrag zwar vorgeprescht, weiß die Hohenheider aber hinter sich.

Kreis Unna verweist auf Stadt Fröndenberg

So wie Frank Fälker, der schon vor Jahren direkt beim Kreis Unna einfach mal die Stadtteilschilder beantragt hatte. Aus dem Kreishaus bekam er postwendend einen Bescheid: Zuständig ist die Stadt Fröndenberg. So, so.

Walter Firnrohrs Okay hat Georg Klein auch. Es spreche nun wirklich alles dafür, dass die Hohenheide vollwertiger Stadtteil werde. „Und zwar schon lange.“

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