Das Einkaufsverhalten der Menschen hat sich geändert – und damit auch das Gesicht typischer Einkaufsstraßen wie der Alleestraße in Fröndenberg. Heute stehen dort einige Geschäfte leer.

Fröndenberg

, 10.07.2019, 18:06 Uhr / Lesedauer: 3 min

„Die Alleestraße war schon immer Durchgangsstraße“, sagt Stadtarchivar Jochen von Nathusius – eine Verbindung vom alten Fröndenberg, dem Stiftsviertel, nach Westick. Vor ihm auf dem Tisch liegen Bilder, die die Alleestraße um die Jahre 1912/13 und später, etwa in den 60er-Jahren, zeigen. Im Norden zum Berg hin Wohnbebauung, im Süden Geschäftshäuser, die etwa ab 1910 entstanden sind. „Und bis in die 80er Jahre hinein war sie die Haupteinkaufsstraße von Fröndenberg“, erklärt der Stadtarchivar weiter. „Mit dem Durchgangsverkehr hat sich das früher nicht gebissen.“

Kurz nach 1900 war die Alleestraße ein Postkartenmotiv. Auf der rechten Seite in Richtung Süden standen Wohnhäuser, die im Krieg zum Teil zerstört wurden.

Kurz nach 1900 war die Alleestraße ein Postkartenmotiv. Auf der rechten Seite in Richtung Süden standen Wohnhäuser, die im Krieg zum Teil zerstört wurden. © Stadtarchiv Fröndenberg

Warum die Alleestraße Alleestraße heißt, war kurz vor dem Ausbau noch offensichtlich. Im Herbst 1962 gab es rechts und links Bäume und die wenigen Autos holperten übers Kopfsteinpflaster.

Warum die Alleestraße Alleestraße heißt, war kurz vor dem Ausbau noch offensichtlich. Im Herbst 1962 gab es rechts und links Bäume und die wenigen Autos holperten übers Kopfsteinpflaster. © Stadtarchiv Fröndenberg

Die Entwicklung der Alleestraße

  • Die Alleestraße war zwischen Eulenstraße und Sümbergstraße ab 1850 eine Wohn- und Geschäftsstraße, zu Teilen mit Fachwerkhäusern, die heute nicht mehr stehen.
  • Früher hieß die Straße durchgängig Westicker Straße, 1933 wurde sie bis zum Bahnübergang in Hermann-Göring-Straße umbenannt.
  • Später wurde das Teilstück dann nicht mehr in Westicker Straße zurückbenannt, sondern erhielt den Titel Alleestraße. Bilder aus den 60er-Jahren zeigen auch deutlich, dass der Name Allee damals durchaus passte.
  • Einige Häuser, die früher das Bild der Straße prägten, wie etwa die Villa Lange-Stalinski, sind im Krieg zerstört worden.
  • Die Alleestraße liegt zwei bis drei Meter höher als der Karl-Wildschütz-Parkplatz – und etwas 20 Meter höher als die Ruhr. Südlich der Alleestraße in Richtung Ruhr gab früher nur Feld und Gärten.

Doch inzwischen schrumpft der Einzelhandel – in Fröndenberg wie in vielen kleinen Kommunen – und gerade an der Alleestraße ist diese Entwicklung besonders deutlich ausgeprägt. Hier gibt es einige Leerstände.

Die Ruhrstädter haben ihre Alleestraße nach dem Rückgang des Einzelhandels liebevoll „Fressmeile“ genannt, weil sich zunehmend kleine Restaurants und Imbis-Betriebe angesiedelt hatten. Doch auch die können sich nicht dauerhaft halten.

Planungsbüro erarbeitet Studie zur Gestaltung und Nutzung von Leerständen

„Der Rückgang des Einzelhandels zeigt sich in der Schließung kleinflächiger Betriebe und der Drogeriemärkte Rossmann und Schlecker. Dienstleistungsbetriebe, insbesondere auch Gastronomiebetriebe haben sich stattdessen angesiedelt“, beschreibt die Planungsgruppe Stadtbüro aus Dortmund die Entwicklung. Sie hat im Auftrag der Verwaltung eine Studie zur Gestaltung und Nutzung leer stehender Ladenlokale durchgeführt.

Jetzt lesen

Demgegenüber sei in den vergangenen Jahren lediglich der Bereich Harthaer-Straße als Einzelhandelsschwerpunkt durch Aldi und Rossmann gestärkt worden. Mit dem beschriebenen Rückzug des Einzelhandels in anderen Teilbereichen

der Innenstadt habe sich der Schwerpunkt des Einzelhandels in den vergangenen zehn Jahren an die Harthaer Straße verlagert.

Bau des Sanierungsgebiets Union hat zur Entwicklung der Alleestraße beigetragen

Maßgeblich dazu beigetragen habe auch der Bau des Sanierungsgebiets Union, erklärt Stadtarchivar Jochen von Nathusius. „Ziel war es, eine neue Innenstadt zu etablieren“, erklärt er. Inzwischen hat dieser Bereich wieder an Attraktivität für die Bürgerinnen und Bürger verloren. Im Rahmen der geförderten Innenstadtentwicklung sollen wesentliche Teile des Gebiets neu gestaltet werden.

Auf der anderen Seite hat sich nicht nur das Einkaufsverhalten innerhalb Fröndenbergs verändert: Die Menschen haben auch „mit den Füßen abgestimmt“ – in Richtung großer Einkaufsstädte. Die Mobilität stieg – und der Einzelhandel im Ort war nicht mehr attraktiv genug, um mit Unna, Menden, Dortmund oder gar Münster mitzuhalten, sagt Jochen von Nathusius.

Seit der Verlängerung der Unionstraße in den 90er-Jahren ist die Alleestraße zudem Durchfahrtsstraße; die Parksituation trägt ihr übriges dazu bei, dass Geschäfte nicht so gut besucht sind.

2019 stehen wieder Bäume an der Alleestraße. Einige Ladenlokale stehen allerdings leer. Einzelhandel gibt es weniger, dafür haben sich einige Restaurants, zum Beispiel Italiener, angesiedelt.

2019 stehen wieder Bäume an der Alleestraße. Einige Ladenlokale stehen allerdings leer. Einzelhandel gibt es weniger, dafür haben sich einige Restaurants, zum Beispiel Italiener, angesiedelt. © Land

An der Alleestraße gibt es mehr Leerstände als in der restlichen Innenstadt

Zur Zeit der Leerstandsanalyse wurden für den Bereich Alleestraße sieben Leerstände gezählt – mehr als im gesamten restlichen Innenstadtbereich. Die aktuellen Zahlen liegen Wirtschaftsförderer Tim Pieper nicht vor. Zwar kümmert sich die Stadt etwa auf Anfrage der Immobilienbesitzer aktiv mit um die Vermarktung leer stehender Gewerbeflächen.

Sie verlinkt zum Beispiel zur kommunalen Immobilienplattform, auf der zumindest zwei Gewerbeflächen an der Alleestraße eingetragen sind. Aber nicht immer, wenn ein Geschäft oder Restaurant schließt, ist das direkt Thema im Rathaus. So zeigte man sich dort auch überrascht, dass der Allee-Grill derzeit geschlossen ist.

In den nächsten Tagen möchte das Grillrestaurant Mykebab Byram mit neuem Namen und neuem Betreiber dort eröffnen. So wirbt das Unternehmen zumindest im Internet.

Es gibt keinen Masterplan für die Entwicklung der Straße

Die Analyse der Experten hatte zum Ergebnis, dass es eine Alleestraße mit florierendem Einzelhandel – wie vor vielen Jahren – in Fröndenberg nicht mehr geben wird. Gehalten haben sich alt eingesessene Betriebe wie die Stiftsapotheke, Kohlschein oder Wiek. Hinzugekommen sind Restaurants und Dienstleister.

„Einen Masterplan Aleestraße gibt es nicht.“
Tim Pieper, Wirtschaftsförderung

Die Nutzung abseits des Handels werden als Frequenzbringer für Innenstädte immer wichtiger, wird im Fazit der Leerstandsanalyse geraten. Auch Kultur, Wohnen und Begegnung könnten im noch höherem Maß zur Attraktivität der Innenstadt beitragen.

Vor allem in der Alleestraße müsse der Einzelhandel durch andere Funktionen ergänzt werden. Würde der Verkehrsfluss verlangsamt, könnten auch Restaurants und Geschäfte wieder vermehrt wahrgenommen werden. „Einen Masterplan Alleestraße gibt es nicht“, sagt Wirtschaftsförderer Tim Pieper.

Für die Alleestraße greifen die gleichen Maßnahmen, mit denen die Stadt auch den Rest der Innenstadt aufwerten möchte. Sie bezuschusst die Fassadensanierung und die Mietkosten für Neumieter in zuvor leer stehenden Ladenlokalen.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Landesstraße 673
Widerstand der Anlieger gegen Erschließungskosten wirkt: Gehweg an Landstraße kommt nicht
Hellweger Anzeiger Konjunkturprogramm
Corona-Paket: Der „große Wurf“ bringt Millionen-Entlastung für Kreis Unna
Hellweger Anzeiger Schwimmen in Fröndenberg
Freibad Dellwig: Vorzeitige Vertragsverlängerung fast in trockenen Tüchern
Meistgelesen