Luxus: Der Nachfolger von Dellwigs Jugendreferent Mario Lerch wird ein halbes Jahr mit Lerch zusammenarbeiten. Und: Lerch kann bei der Jobsuche aus dem Vollen des Arbeitsmarktes schöpfen.

von Martin Krehl

Fröndenberg

, 22.12.2019, 09:20 Uhr / Lesedauer: 3 min

Gute Seelen kommen, gute Seelen gehen - in Dellwig will der amtierende Jugendreferent der evangelischen Kirchengemeinde keine Lücke hinterlassen, wenn er sich demnächst etwas anderes sucht: Mario Lerch möchte sich nach sieben tollen Jahren beruflich deutlich verändern.

Und auch räumlich: "Ich habe in Dortmund studiert, ich möchte gern wieder in Dortmund arbeiten. Oder einer anderen größeren Stadt". Allerdings erst ab Oktober, denn dann erst endet Lerchs Vertrag mit der Kirchengemeinde.

Es wird also in Dellwig keiner dem anderen die Klinke in die Hand geben, keine bloße Schlüsselübergabe. „Wir wollten alle, dass meine Nachfolgerin oder mein Nachfolger eine lange Weile mit mir zusammenarbeitet und erst dann übernimmt“, erklärt der gebürtige Ostbürener Lerch.

Jetzt lesen

Pastor Jochen Müller hat die neue Stelle schon zum 1. April ausschreiben dürfen, bis Oktober bleibt dann also noch genug Zeit, damit sich jemand gründlich einarbeiten kann. Neue Besen kehren gut, ja, aber ein alter kennt eben die Ecken - so könnte man diese Strategie umschreiben.

Pastor Müller ist jedenfalls voll des Lobes für seinen Jugendreferenten. Der habe ein grundsolides Netzwerk in der Region in und um Fröndenberg aufgebaut und unterhalten, damit kann die Gemeinde weiter arbeiten. Vor allem aber habe Lerch bei seiner Arbeit mit den vielen Hundert Jugendlichen immer den Einzelnen gesehen und seine persönliche Entwicklung „unendlich liebevoll gewürdigt“. So wird es nicht in Mario Lerchs Arbeitsvertrag stehen - warum hat er dann so deutlich über die Grundpflichten hinaus gewirkt?

„Ich habe hier den besten Pastor, den man als Jugendreferent haben kann, und das beste Presbyterium.“
Mario Lerch

„Ich habe hier den besten Pastor, den man als Jugendreferent haben kann, und das beste Presbyterium“, sagt Lerch breit lachend. Man habe ihn machen lassen, man habe ihm aber auch Pflöcke gesetzt, die er respektieren musste. Das „supergute regionale Netzwerk gemeindlicher und sozialer Jugendarbeit“, das er jetzt hinterlassen werde, habe ihm unendlich bei der Arbeit geholfen. Das Rad musste er nur manchmal neu erfinden, vieles hatten andere schon erlebt, so manche Erfahrung haben andere beigesteuert.

Schwerpunkt der Arbeit war die Leitung der Offenen Tür in Ardey

Schwerpunkt der Arbeit in der Gemeinde war eigentlich die Leitung der Offenen Tür in Ardey, dazu kam eine rege Reisetätigkeit - Ponyhofaufenthalte, Ferienlager, Teamerfreizeit, Kinderfreizeiten, die Kirchentage, Konfirmandenausflüge, Teamerschulungen. Es gehört eine gewaltige Menge an Flexibilität und Ausdauer zu diesem Job.

„Wenn es nicht so viele Ehrenamtliche hier in der Gemeinde gäbe, die immer bereit sind anzupacken, so viele junge Menschen, die sich haben einspannen lassen, dann wäre ich vielleicht gar nicht so lange geblieben“, sagt Lerch. Denn eigentlich war er 2012 nur die Vertretung für die Vertretung der Referentin. Ute von der Becks Vertrag lief aus, den übernahm Lerch, bis Britta Feller wieder in den Dienst zurückkam - was die aber dann doch nicht ganz tat. Mario Lerch blieb.

Die Evangelische Kirchengemeinde Dellwig sucht einen neuen Jugendreferenten

Bei Veranstaltungen wie der Nacht der Jugendkultur kooperieren die Kirchengemeinden mit dem Keisjugendamt. © Land

Lerch lässt auf die zu allen Zeiten immer gerne schlecht gemachte „Jugend von heute“ nichts kommen. „Nein, da sind so viele bereit Verantwortung zu übernehmen“, sagt Lerch. Aber Jugendliche wollen nicht (und wollten vermutlich auch früher nicht) dirigiert werden: „Wenn man ihnen etwas zutraut, dann klappt das auch. Man muss sie immer ernstnehmen.“

An Respekt und Akzeptanz hat es in Dellwig nie gemangelt

Dass eine Generation die nachfolgende verstanden hat, dieselbe Sprache sprach - das hat es ja so noch nie gegeben, meint Lerch. Unterschiedliche Auffassungen und Wahrnehmungen müssen aber nicht zwangsweise zu Konflikten führen. Kompromisse, Zugeständnisse, Respekt und Akzeptanz - daran habe es in Dellwig nicht gemangelt.

Nein, eine neue Stelle habe er tatsächlich noch gar nicht in Aussicht, sagt Mario Lerch. „Der Arbeitsmarkt für Sozialpädagogen ist so günstig wie noch nie“, meint der nach erfolgreichen, erlebnisreichen und anstrengenden sieben Jahren in Dellwig scheidende Jugendreferent. Tatsächlich werde er sich erst im April umschauen, wenn der Nachfolger oder die Nachfolgerin da sei. Bis Oktober werde er schon etwas finden - von der Arbeit mit alten Menschen bis hin zur Arbeit mit psychisch Erkrankten, für alles sei er offen. Lerch hat bereits Erfahrungen mit der Arbeit in Wohngruppen.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Wohnraum-Schutzsatzung
Freie Wähler wollen Wohnraum in Fröndenberg mit einer Satzung schützen
Hellweger Anzeiger Westfalenbus
„Wie ein Acker“: So fährt es sich über Holperstrecken im Kleinbus zum Mühlenberg
Hellweger Anzeiger Sonderzüge zum BVB
Zum BVB-Spiel gegen Köln fahren noch keine Sonderzüge über Fröndenberg
Hellweger Anzeiger Finanzausschuss
Mehr als 800.000 Euro: Schulen stehen weit oben auf der Investitionsliste der Stadt
Meistgelesen