Nicht mehr vorbeugend, sondern nur noch bei konkretem Verdacht sollen in Wasserschutzgebieten die Kanäle auf Dichtheit überprüft werden. Vom umstrittenen Kanal-TÜV waren auch etliche Haushalte in Fröndenberg betroffen.

Fröndenberg

, 17.12.2019, 15:56 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nur noch bei Neubauten, Änderungen und in begründeten Verdachtsfällen soll die Dichtheitsprüfung zukünftig Pflicht sein. Das sieht ein Antrag der Regierungsfraktionen von CDU und FDP vor, über den der Landtag berät. Nach aktuellem Recht hätten die Abwasserkanäle von nach dem 1. Januar 1965 gebauten Häusern bis Ende kommenden Jahres überprüft werden müssen.

Die erste Welle von Dichtheitsprüfungen hat in Fröndenberg bis 2015 erfolgen müssen – und für viel Ärger gesorgt. Damals mussten Eigentümer, deren Häuser bis 1965 errichtet wurden, ihre Kanäle prüfen lassen und zum Teil teure Reparaturen vornehmen.

Jetzt lesen

Wie Fröndenberger bis heute berichten, richtete sich der Ärger nicht nur gegen das angeordnete Prüfverfahren an sich: Kaputte Kanäle würden ohnehin Symptome zeigen, was die Überprüfung überflüssig mache. Sondern auch gegen die ausführenden Firmen, die „fast immer vermeintlich erhebliche Mängel fanden, die dann sehr gerne auch von der prüfenden Firma gleich mit behoben wurden“, schreibt unserer Redaktion ein Fröndenberger, der namentlich nicht genannt werden möchte.

Der Vorstoß der Regierungsfraktionen soll schnell umgesetzt werden

Wie die Deutsche Presseagentur berichtet, kündigt die NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser (CDU) eine schnelle Umsetzung des Vorstoßes an. Schon zu Beginn des Jahres 2020 soll es praktikable Regelungen geben. Das dürfte zumindest die Fröndenberger freuen, die mit der Prüfung der bis Ende 2020 anfallenden Kanäle bis zuletzt gewartet haben.

Dichtheitsprüfung keine Pflicht mehr – Aufatmen und Ärger für Fröndenberger

Riesenandrang bei einem Info-Termin in der Aula: Die Dichtheitsprüfungen brannte den Fröndenbergern auf den Nägeln. © Udo Hennes/Archiv

Etliche Fröndenberger Haushalte hatten die Frist für die erforderliche Dichtheitsprüfung auch 2015 versäumt. Die Stadt versuchte die Umsetzung der Vorgaben damals mit einem Bußgeld von 300 Euro für säumige Haushalte durchzusetzen. Um zu ermitteln, welche Häuser von den Fristen betroffen waren, hatte die Stadtverwaltung seit Anfang 2014 rund 6000 Bauakten von Häusern in den verschiedenen Wasserschutzzonen Fröndenbergs gewälzt.

Verwaltung kann zu den aktuellen Zahlen keine Angaben machen

Ob alle, die bis 2015 an der Reihe waren, die Prüfung inzwischen haben durchführen lassen, konnte die Verwaltung unserer Redaktion am Dienstag nicht verlässlich mitteilen. Einem der zuständigen Mitarbeiter der Stadtverwaltung sind allerdings keine Fälle mehr bekannt.

Etwa 3000 Hausbesitzer bekamen im Jahr 2015 Post mit der Info, dass sie bis zum Jahresende ihre Kanäle überprüfen lassen müssen. Als die Dichtheitsprüfung damals Thema wurde, lagen 5200 bebaute Grundstücke im Wasserschutzgebiet. Das bedeutet, dass etwa 2200 Haushalte in der zweiten Prüfwelle mit dabei sein sollten.

Bei Häusern, die neu gebaut werden, müssten Besitzer ihre Kanäle sowieso direkt prüfen. Das sei aber auch für die Eigentümer eine wichtige Qualitätskontrolle, wie Markus Törnig von der Stadtverwaltung erklärt.

Jetzt lesen

Für die Rechte der Bürger und gegen zu streng gesetzte Fristen hatte sich damals der Vorsitzende der Siedlergemeinschaft Springstraße, Gerhard Weigel, eingesetzt. Dem Chef der Siedlergemeinschaft waren nach eigenen Angaben vier Fälle bekannt, in denen Hauseigentümer ihre vier Wände aufgeben mussten – „weil sie sich die Kanalsanierung und die Grundbesitzabgaben nicht mehr leisten können.“ Schon Jahre bevor sich die erste Frist 2015 dem Ende näherte, organisierte die Siedlergemeinschaft Informationsveranstaltungen, die hunderte Fröndenberger besuchten.

Diee Stadt musste ihre Vorgaben umsetzen

Die Stadt stand den Bürgern ebenfalls beratend zur Seite. Noch heute informiert sie auf ihrer Homepage über die Regeln für die Dichtheitsprüfung. Sie musste ihre Vorgaben allerdings auch erfüllen.

Dichtheitsprüfung keine Pflicht mehr – Aufatmen und Ärger für Fröndenberger

Zahlreiche Fröndenberger nutzten im Juni 2011 die erste Sprechstunde von Bürgermeister Friedrich-Wilhelm Rebbe auf dem Wochenmarkt. Dabei kamen sie auch mit Fragen zur Dichtheitsprüfung auf den Bürgermeister zu. © Roman Grzelak/Archiv

Der Kanal-Tüv, eingeführt von der früheren rot-grünen Landesregierung, war ein Streitthema im gesamten Bundesland. In Zukunft sollen Grundstückseigentümer in Wasserschutzgebieten nur noch dann zur Kanalprüfung verpflichtet werden, wenn sie ein Haus neu bauen, oder in begründeten Verdachtsfällen.

Für Schäden gibt es laut CDU und FDP deutliche Anzeichen

„Beschädigungen der Kanäle zeigen sich insbesondere dadurch, dass Material der Rohrleitungen abgelöst und ausgeschwemmt wird. Hierbei kann es sich um Sande, Erden, Scherben oder andere Fremdstoffe handeln. Ist dies der Fall, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Abwasserleitung undicht ist“, heißt es im Antrag von CDU und FDP.

Ferner könnten Geländeveränderungen wie etwa Absackungen im Bereich des Grundstücks oder Bürgersteigs auf beschädigte Kanäle hinweisen. Auch wenn der Kanal in kurzer Zeit mehrmals verstopfe, deute das auf beschädigte Abwasserleitungen hin.

Jetzt lesen

Ganz unabhängig von den Fristen hätten Hausbesitzer dafür Sorge zu tragen, dass ihr Wasserabfluss intakt ist. Auch wenn die Verpflichtung zur regelmäßigen Kontrolle, die bei den Kommunen anzugeben ist, wegfällt, entbinde das nicht von der Verantwortung fürs eigene Abwasser, mahnt Markus Törnig. Das werde er, auf das Thema angesprochen, auch weiterhin raten.

Nun gelte es erst einmal abzuwarten, wie die Politik auf Landesebene entscheidet.

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Westfalenbus
„Wie ein Acker“: So fährt es sich über Holperstrecken im Kleinbus zum Mühlenberg
Hellweger Anzeiger Sonderzüge zum BVB
Zum BVB-Spiel gegen Köln fahren noch keine Sonderzüge über Fröndenberg
Hellweger Anzeiger Finanzausschuss
Mehr als 800.000 Euro: Schulen stehen weit oben auf der Investitionsliste der Stadt
Meistgelesen