Der Rat hat grünes Licht für das Standortkonzept gegeben: Auf dieser Basis wird der neue Brandschutzbedarfsplan weiter entwickelt. Was bedeutet der Beschluss für die Feuerwehr und den Brandschutz in der Stadt?

Fröndenberg

, 06.07.2018, 18:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Nachdem Politik und Verwaltung zunächst überwiegend in nichtöffentlichen Sitzungen des Feuerwehrbeirates die Standortanalyse der Firma Orgakom erörtert hatten, war es vor allem wegen des öffentlichen Protestes der Löschgruppe Ardey noch einmal zu einer kurzen Debatte über den Brandschutz in der Stadt gekommen. Mit dem Ratsbeschluss von Mittwoch steht nun fest: Die vorgeschlagenen fünf Standorte der Analysten sollen es werden – doch das Thema wird Fröndenberg noch viele Jahre begleiten.

Warum wird überhaupt ein neuer Brandschutzbedarfsplan erstellt?

Der gültige Brandschutzbedarfsplan für die Stadt Fröndenberg stammt aus dem Jahr 2007. Eine routinemäßige Fortschreibung war bisher nicht geregelt. Seit Ende 2015 gibt es eine gesetzliche Verpflichtung der Kommunen, den Plan alle fünf Jahre weiterzuentwickeln, erläutert Christoph Börger. „Dabei haben wir festgestellt, dass wir nennenswerte Investitionen – vor allem an der richtigen Stelle – tätigen müssen“, ergänzt der Leiter des Ordnungsamtes. Für die Erstellung bedient sich die Stadt externen Sachverstandes und hat damit ein spezialisiertes Unternehmen beauftragt.

Was besagt die erste Analyse der Firma Orgakom, die diesen Auftrag erhalten hat?

Die Analyse befasst sich im Wesentlichen mit den Standorten der Freiwilligen Feuerwehr. Bislang gibt es im Stadtgebiet zwölf Gerätehäuser. Der Gutachter kommt zu dem Schluss, dass der Brandschutz künftig von fünf teilweise neuen Standorten gewährleistet werden kann. Damit werden in vielen Stadtteilen keine Löschgruppen mehr stationiert sein.

An welchen Standorten werden künftig Feuerwehrgerätehäuser angesiedelt?

Nach der Analyse soll es in der Stadtmitte sowie in Frömern und Ostbüren weiterhin Feuerwachen geben. Das östliche Stadtgebiet soll von einer neuen Wache Ost am heutigen „Haus der Mitte“ in Stentrop versorgt werden, die westlichen Teile von einer neuen Wache West am neuen Standort am Schürenfeld.

Bleiben die drei Standorte in Mitte, Frömern und Ostbüren unverändert erhalten?

Schon heute ist klar, dass die Feuerwache am Harthaer Platz modernisiert werden muss. Dass der jetzige Standort erhalten bleibt, sei „nicht zwingend“, so Christoph Börger. Bei laufendem Betrieb sei eine Kernsanierung jedoch sicherlich nicht möglich. Börger weiter: „Wir müssten also eine Übergangslösung finden.“ Die „optimale Lösung“ werde jetzt erst noch gesucht. An den Gerätehäusern in Frömern und Ostbüren werde es „bauliche und technische Anpassungen“ geben.

Welche Schritte fehlen für den endgültigen Brandschutzbedarfsplan noch?

Nächster Schritt wird die Aufstellung eines Fahrzeugkonzeptes sein. Auch die technische Ausstattung der Standorte muss jeweils festgelegt werden. Es werde hierzu „enge Abstimmungsgespräche“ zwischen Gutachter und Wehrführung geben. Einzelne Standorte verfügen über „besondere Fähigkeiten“, zum Beispiel ist die Löschgruppe Ostbüren für Chemieunfälle ausgerüstet. Ein Drehleiterfahrzeug wird nach dem Schutzziel stationiert; dafür ist die Wache Mitte Standort, um vor allem Hochhäuser am Mühlenberg und in Westick schnell erreichen zu können.

Was geschieht bis zur Schließung der nicht mehr benötigten Standorte?

Die Löschgruppen versehen ihren Dienst bis dahin weiterhin an ihren angestammten Standorten, also auch die Wehrleute in Altendorf, Dellwig, Langschede, Strickherdicke, Warmen, Bausenhagen, Bentrop und auf der Hohenheide, deren Standorte aufgegeben werden. Noch bevor der neue Brandschutzbedarfsplan verabschiedet wird, muss dort der Arbeits- und Unfallschutz verbessert werden. Das betrifft besonders neue Abgasabsauganlagen oder schwarz-gelbe Warnmarkierungen bei einengenden Gebäudeteilen.

Wo versieht die Löschgruppe Ardey ihren Dienst, deren Gerätehaus schon jetzt geschlossen werden muss?

Eine Möglichkeit des Weiterbetriebs bestehe auch nach erneuter Prüfung von Arbeits- und Unfallsicherheit in dem Gerätehaus nicht, sagt die Stadt. Der Schutz der Einsatzkräfte sei für die Stadt „prioritär“. Zur Aufnahme der Wehrleute der Löschgruppe Ardey werde derzeit das Feuerwehrgerätehaus in Langschede baulich und organisatorisch vorbereitet.

Wie stellt sich die Stadt zu dem Vorwurf der Löschgruppe Ardey, die Brandsicherheit im Ortsteil sei dann nicht mehr gewährleistet?

Die Stadt sagt wörtlich: „Der feuerwehrtaktische Grundschutz für den Ortsteil Ardey kann flächendeckend durch die Löschgruppen Langschede und Frömern innerhalb der vorgegebenen Hilfsfristen erbracht werden.“ Allgemein führe die Bündelung von Löschgruppen an neuen Standorten „zum schnellen Ausrücken einer leistungsfähigen Feuerwehreinheit und somit auch zur Optimierung des Brandschutzes in Ardey.“

Wo werden die heutigen Löschgruppen, die derzeit in drei Löschzügen organisiert sind, künftig eingesetzt?

Grundsätzlich werden die Wehrleute nach dem Wohnortprinzip auf die einzelnen Löschgruppen verteilt. Die Kameraden in den östlichen Stadtteilen beispielsweise also künftig in einer neuen Wache Ost. Im Fall der Löschgruppe Mitte habe der Gutachter signalisiert, dass auch eine Zuordnung zur Wache Mitte möglich sei.

Gibt es einen belastbaren Kostenrahmen für Neubauten und neue Fahrzeuge?

Noch nicht. Je nach Fahrzeugkonzept gibt es andere Anforderungen auch an erforderliche Neubauten, weil die Zahl der Stellplätze variieren kann. Praktisch: Eine Fahrzeughalle für sechs Einsatzwagen ist größer und damit teurer als eine für vier Wagen. Die Stadt spricht bislang nur von einem „zweistelligen Millionenbereich“.

Wann wird die Umstrukturierung abgeschlossen sein?

Es wird damit gerechnet, dass nach den Sommerferien die ersten Gespräche zu Fahrzeugkonzept und Ausstattung geführt werden, sodass der Rat noch Ende des Jahres den Brandschutzbedarfsplan als Ganzes verabschieden kann. Es müssten für die ersten Maßnahmen dann auch Mittel in den Haushalt 2019 eingestellt werden. Akut notwendige Neuanschaffungen etwa von Fahrzeugen würden bereits nach dem neuen Konzept erfolgen. Weil auch Planungsrecht zu schaffen ist wegen vorgesehener Neubauten, wird mit einem Zeitrahmen von mindestens fünf Jahren gerechnet.

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