Der Mann verarbeitet Metall, die Frau steht zu Hause am Herd. Wer die Kommunalprofile des Statistischen Landesbetriebs mit einem Augenzwinkern liest, findet witzige Fakten im trockenen Datensatz.

Fröndenberg

, 18.08.2019, 14:49 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wie lebt und arbeitet der durchschnittliche Fröndenberger – was sind die Vorzüge, was vielleicht negative Aspekte seiner kleinen Heimatstadt am Rande des Ruhrgebiets? Antworten gibt das Statistische Landesamt IT.NRW. Selbstverständlich ist der typische Fröndenberger eine Kunstfigur – in seinen Eigenschaften werden sich dennoch viele wiederfinden.

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Die interessanten Fakten rund um alle Gemeinden und Städte in NRW, die das Landesamt in seinen Kommunalprofilen wiedergibt, beschreiben das Leben vor Ort nämlich schon ziemlich treffend. Der Statistische Landesbetrieb hat seine Kommunalprofile jüngst mit neuen Daten gefüttert und aktualisiert.

Mehr Straßen und Häuser, weniger Menschen

Obwohl der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsflächen in den vergangenen Jahren zugenommen hat, Häusle- und Straßenbauer waren also fleißig am Werk, ist die Einwohnerzahl Fröndenbergs zurückgegangen: In den 1990er-Jahren war Fröndenberg offenbar beliebter: Ob viele Menschen zuzogen – oder Nachwuchs in die Welt setzten – wird aus dem Kommunalprofil nicht ganz deutlich.

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Fakt ist: Die 23.201 Einwohner aus dem Jahr 2002 konnte Fröndenberg über die Jahre nicht halten. Ende 2017 waren es nur noch 20.843. Daran konnte auch der Zuzug vieler Kriegsflüchtlinge im Jahr 2015 nichts ändern. In diesem Jahr kamen 608 Bürger nichtdeutscher Herkunft. Viele der neuen Bürger sind allerdings nicht geblieben. Zum Teil haben sie in anderen Kommunen ihr Glück gefunden. Einige mussten Deutschland aber auch wieder verlassen oder sind freiwillig in ihre Heimat zurückgekehrt.

Die Chancen, in Fröndenberg einen Partner zu finden, stehen gut

Mit 50,9 Prozent Frauenanteil herrscht in Fröndenberg relative Geschlechtergleichheit. Die Chancen für die Partnersuche stehen also gut. Ein leicht höherer Frauen- als Männeranteil liegt im Landesschnitt. Lediglich im Kreis Unna ist die Anzahl der Frauen etwas größer. Die Frauenquote liegt bei 51,3 Prozent. Das dürfte nicht zuletzt an Holzwickede liegen, wo sich das weibliche Geschlecht offenbar besonders wohlfühlt.

Dass es im gesamten Bundesland mehr Frauen als Männer gibt, mag vielleicht auch daraus resultieren, dass Frauen ihren Mann meist überleben. Laut Statistischem Bundesamt beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung für Menschen mit einem Y-Geschlechtschromosom im Jahr 2020 nur 79,1 Jahre, wer zwei X hat, wird 84,1.

Der typische Fröndenberger kommt zum Familie gründen an die Ruhr

Der demografische Wandel macht auch vor Fröndenberg nicht halt. Mit dem Schmallenbach-Haus gibt es eine große Einrichtung für Senioren in der Stadt. © picture alliance/dpa

Viele Fröndenberger haben das Arbeitsleben bereits hinter sich

Mehr als die Hälfte der Ruhrstädter, genau 12.584 gehören der Altersgruppe der 18- bis 65-Jährigen an. Der größte Teil, 4.960 Menschen, sind 65 und älter. Die Verteilung sähe in einer Universitätsstadt wahrscheinlich anders aus. Doch in Fröndenberg gibt es weder FH noch Uni – dafür mehrere gute Senioreneinrichtungen.

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Die Jungen zieht es raus aus in die Welt. Diese Entwicklung wird mit Blick auf die Gruppen der 18- bis unter 25-Jährigen sowie der 25- bis unter 30-Jährigen besonders deutlich. Mit 7,1 beziehungsweise nur 4,6 Prozent Anteil an der Gesamtbevölkerung liegen die jungen Erwachsenen deutlich unter dem Kreis- und Landesschnitt.

Attraktivität für Junge – eine Herausforderung für die Zukunft

Die Stadt muss daran arbeiten, für junge Menschen attraktiv zu bleiben. Denn: Der demografische Wandel macht vor Fröndenberg nicht halt. Kurz gesagt: Die Zahl der Jüngeren nimmt weiter ab. Die Zahl der Älteren nimmt zu. IT.NRW blickt mit seiner Vorhersage bis ins Jahr 2040 voraus. Einwohner gibt es dann nur noch 18.639, darunter sind 6.277, also ein gutes Drittel, 65 und älter.

Doch es besteht Hoffnung für Fröndenbergs Altersstruktur. Prognosen sind und bleiben Prognosen. Wurde noch einige Jahre zuvor vorausberechnet, dass die Stadt an der Ruhr viel schneller und gravierender älter und kleiner wird, haben sich die Fröndenberger nicht Lumpen lassen und wieder mehr Kinder gezeugt. Der Klapperstorch beehrte Fröndenberg 2018 zwar etwas seltener als im Vorjahr – seit 2011 ist die Zahl der Neugeborenen von 124 auf bis zuletzt 152 allerdings gestiegen.

Der typische Fröndenberger kommt zum Familie gründen an die Ruhr

Ein Hoch auf die Kinder der Stadt. Noch bescheren die Bürger einigen Nachwuchs. Problematischer für die Bevölkerungsentwicklung ist der Fortzug junger Bürger. © picture alliance / Julian Strate

Ab 30 ziehen Menschen nach Fröndenberg – aber ohne große Sprünge

Da Fröndenberg den meisten Zuzug in der Gruppe der 30 bis 50-Jährigen verzeichnet, liegt es nahe, dass Zuzügler zum Nestbauen – und eben erfreulicherweise auch Kindermachen – nach Fröndenberg kommen. Wagemutige Wanderer sind eher selten darunter. Meist entscheiden sich Bürger aus Unna, Dortmund oder Menden, sprich aus der nahen Umgebung, für ein Leben in Fröndenberg.

Doch wohin zieht es eigentlich all diejenigen, die die beschauliche Ruhrstadt verlassen? Auch hierauf gibt das Statistische Landesamt Antworten: Es sind ebenfalls die größeren Nachbarstädte, für die sich vor allem junge Menschen entscheiden. Die meisten, die wegziehen, sind zwischen 18 und 50 Jahre alt. Nicht eine einzige Stadt außerhalb von NRW wurde laut Kommunalprofil von Ex-Fröndenbergern als neuer Wohnort gewählt.

Ob in oder außerhalb der Ruhrstadt – an die Schüppe muss der Mann

Wer in der Ruhrstadt bleibt, der muss vor Ort arbeiten oder pendeln. Und wer in Fröndenberg arbeitet, ist vor allem ein Mann. Im Jahr 2017 waren 4265 Menschen in der Ruhrstadt beschäftigt, darunter 2326 Männer und 1930 Frauen. 2741 darunter wohnen in anderen Orten – 1651 Männer und 1090 Frauen.

Die Zahl der Fröndenberger Arbeitnehmer ist wesentlich höher. Es sind 7655 Berufstätige. Ein Großteil (6142) muss die Ruhrstadt verlassen, um seiner Arbeit nachzukommen. Um andernorts zu arbeiten, verlassen 3542 Männer und 2600 Frauen täglich die Stadt.

Bauern gibt’s mehr als im Kreis, dennoch ist der Wirtschaftszweig klein

Wer einen Job direkt in Fröndenberg ergattert hat, arbeitet wahrscheinlich im produzierenden Gewerbe, im Handel oder bietet eine Dienstleistung an. Land- und Forstwirtschaft sind zwar häufiger vertreten als in Kreis und NRW insgesamt. Landwirte gibt es gemessen am gesamten Spektrum der Jobpalette aber wenige. Sie machen 1,2 Prozent der Wirtschaftszweige aus.

Der typische Fröndenberger kommt zum Familie gründen an die Ruhr

Dennis Köchling war der beste Azubi in seinem Ausbildungsbereich in Fröndenberg. Er arbeitet bei Schmöle. Die Metallverarbeitung gehört zu den großen Wirtschaftszweigen der Stadt. © UDO HENNES

Besonders viele Ruhrstädter arbeiten in der Metallerzeugung und -verarbeitung. Unter anderem mit Harnischmacher, Honsel oder auch Schmöle gibt es mehrere größere Industrieunternehmen, die zusammen fast 500 Mitarbeiter beschäftigen. In der Metallverarbeitung arbeiten nicht nur viele Fröndenberger und Einpendler – es ist auch die umsatzstärkste Branche der Stadt.

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Egal, was der Fröndenberger anpackt. Geld verdient er damit relativ gut. Mit 27.000 Euro Primäreinkommen wird die Arbeit der Menschen aus der kleinen Stadt an der Ruhr wesentlich besser entlohnt als die anderer Arbeitnehmer im Kreis oder Land. Im gesamten Kreis Unna verdienen die Menschen durchschnittlich 5.000 Euro weniger.

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