„Reise vor dem Sterben - sonst reisen deine Erben“, sagt der Tod in Fröndenberg

dzComedy in der Kulturschmiede

Kann der Tod auch lustig? Hat er Humor? Im wahren Leben sicher nicht. Aber der Sensenmann, der in der Fröndenberger Kulturschmiede auf der Bühne stand, zeigte ein ganzes anderes Image.

von Peter Benedickt

Fröndenberg

, 26.01.2020, 08:49 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es kommt ja nicht häufig vor, dass rund 190 Besucher auf den Tod warten, aber an diesem Abend war die Vorfreude buchstäblich mit den Händen zu greifen. Wie begehrt das Treffen mit dem „Lebensende war, zeigte das Schild: „Ausverkauft“.

Der Start mit Eintagsfliege Lotta, die später zur Praktikantin „Exitussy“ mutierte, zeigte den Anwesenden schon mal, in welche Richtung die kommenden zwei Stunden gehen würden: „Wenn die Presse morgen schlecht über mich schreibt, krieg ich es nicht mehr mit, der Tod hat mich eh schon im Auge.“

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Der Sensenmann will sich auf Augenhöhe unterhalten

Ein Countdown kündigte Großes an: „5 - IV - drei - Null - der Tod kommt schneller, als du denkst.“ Da stand er nun in einer weiten Kutte im Scheinwerferlicht, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen. Bewaffnet mit seiner Sense: „Gestatten, Tod. Mit Vornamen ‚Der‘.“ „Sind Kollegen da - Totengräber, Bestatter?“, war die erste Frage, weil er sich doch gern auf Augenhöhe unterhält.

Sein Werkzeug ist mit Blattgold überzogen. „Das nimmt den Menschen Hemmungen, manche wollen gleich ein Selfie.“ Das mache ihm die Arbeit leichter.

Das Weltgeschehen wecke im Moment richtig Freude: „Es brennt an allen Ecken und Kanten. Ich komme kaum mit dem Kaltmachen nach.“

Pointen kommen im Sekundentakt

Schon nach einer Viertelstunde tränten im Publikum die ersten Augen vor Lachen, einige Gäste (die meisten im gesetzten Alter, denn bei der Frage nach den „Friday for Future“-Demonstranten blieben alle Hände unten) rutschten von einem Heiterkeitsanfall in den nächsten. Die Pointen saßen nicht nur auf dem Punkt, sie kamen zudem fast im Sekundentakt.

Sogar als Ratgeber trat der „Schnitter“ auf: „Reise vor dem Sterben, sonst reisen deine Erben.“ Spontaner Beifall zeigte: „Das macht Sinn.“

Couchnachbar beim Fernsehabend ist Satan, er nenne ihn Donald. Das Lieblingsland? Deutschland, ein schönes, tolles, sterbendes Land. Hier werden sogar Friedhöfe bei Bombenentschärfung evakuiert. Die Verantwortlichen wollen verhindern, dass bei einer Explosion Opas Rippchen auf dem Grill in der Kleingartenkolonie landen.

Ist hier Abo-Publikum? Alle haben Angst vor dem Tod. Aber wenn er im Abo ist? Dann nehmen wir ihn mit. Bezahlt ist bezahlt. Am Ende hatten alle Gäste ihre „Nah-TOD-Erfahrung“ und die einhellige Meinung: „Na, so schlimm ist er auch wieder nicht.“

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