Die Bezeichnung für die Wilhemstraße in Fröndenberg-Ostbüren hat einen kuriosen Hintergrund. Der Kaiser jedenfalls stand nicht Pate für den Straßennamen. © Marcel Drawe
Straßennamen in Fröndenberg

Der Kaiser ritt nie durch Fröndenberg: Straße nach drei bürgerlichen Wilhelms benannt

Die Wilhelmstraße gehört zu 44 Straßen in Fröndenberg, die männliche Namensgeber haben. Die Herkunft des Straßennamens hat nicht, wie oft vermutet, mit dem Hohenzollern-Kaiser zu tun.

Eine Wilhelmstraße fehlt in kaum einer deutschen Stadt. Anders als in den wohl meisten Fällen, geht die Bezeichnung in Fröndenberg-Ostbüren allerdings nicht auf eine Majestät zurück. Die Herkunft ist mehr als kurios.

Klaus Thorwarth – hier mit Dieter Napierala (r.) und Gerd Höneise (l.) – liebt Unna. Mit Empfehlungen für Spaziergänge durch die Stadt will er an die Historie erinnern. Mit dem SGV macht er sich aber auch für andere Wege (hier an der Pastorenbrücke nach Ostbüren) stark. © Udo Hennes © Udo Hennes

»Sie waren in unserer Gegend sehr bekannt und hatten entsprechenden Einfluss.«

Gerd Höneise über die drei Namensgeber der Wilhelmstraße

44 männliche und gerade vier weibliche Namenspatrone gibt es für Straßennamen in Fröndenberg. Das hatte unsere Redaktion kürzlich mit Bezug auf die aktuell geführten Debatten über mehr Gleichberechtigung berichtet.

Als Namensgeber für die Wilhelmstraße in Ostbüren waren dabei die beiden Hohenzollern-Kaiser unterstellt worden, wie es landläufig meist vermutet wird. Besser weiß es Ostbürens Heimatpfleger Gerd Höneise.

Ostbüren hatte bis 1971 keine Straßennamen

„Dass die Wilhelmstraße keinen ,kaiserlichen Hintergrund‘ hat, können Sie als Legende aus meinem Artikel entnehmen“, meldet sich Höneise zu Wort. Der Heimatkundige hat sich auch der Geschichte der Straßennamen des nördlichen Ortsteils schon einmal angenommen.

„Ist Kaiser Wilhelm II. wirklich durch Ostbüren geritten?“ lautet der Titel seines Artikels, in dem er mit einer hartnäckigen Legende aufräumt. Denn der tatsächliche Hintergrund der Straßenbezeichnung „Wilhelmstraße“ rührt aus dem Jahr 1970, weiß Höneise.

Ostbüren bekam nämlich erstmals nach der kommunalen Neuordnung 1968 Straßennamen, die zum 1. Januar 1971 wirksam wurden. Bis dahin waren in der kleinen Bauernschaft alle Häuser schlicht mit Hausnummern versehen.

Der Name Wilhelmstraße ging dabei auf „drei bedeutende Ostbürener“, wie Gerd Höneise sagt, mit dem Vornamen Wilhelm zurück, die dort um 1970 wohnten und teils im letzten Ostbürener Gemeinderat vertreten waren.

Dreimal Wilhelm: Klopries, Köllerwirth und Winkelkötter

Höneise: „Sie waren in unserer Gegend sehr bekannt und hatten entsprechenden Einfluss.“ Einer der Männer war Wilhelm Klopries. Er betätigte sich als Entertainer und Humorist, war Redner auf sehr vielen Schützenfesten und sonstigen geselligen Veranstaltungen.

Wilhelm Köllerwirth war Landwirt und um Wilhelm Winkelkötter, ebenfalls früher wohnhaft in der heutigen Wilhelmstraße, war ebenfalls Entertainer und Humorist, der seine Auftritte auf großen Familienfeiern hatte.

„Leider ist das Protokoll der Stadt Fröndenberg aus dem Jahr 1970 nicht auffindbar, aus dem man entnehmen könnte, wer die Straßennamen für Ostbüren vorgeschlagen hat“, bedauert Gerd Höneise.

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Redaktion Fröndenberg
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Marcus Land
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