Der Fahrrad-Boom in der Corona-Krise beschert Martin Wittwer einen guten Saisonstart

dzHandel in Corona-Zeiten

Kaum eine Branche profitiert von den Einschränkungen während des Lockdowns – ausgenommen der Handel mit Fahrrädern. Bei Radsport Wittwer in Fröndenberg werden Radtouristen und Rennrad-Enthusiasten gleichzeitig glücklich.

Fröndenberg

, 30.05.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem Lockdown kämpfen Handel und Gastronomie mit starken Einbußen. Die Geschäfte laufen nur eingeschränkt an, Saisonware muss unter Wert verkauft werden, die größten Verlierer der Krise müssen gar Insolvenz anmelden. Doch eine Branche hat von der Pandemie profitiert. Das Fahrradfahren und somit auch alle Produkte rund um das umweltfreundliche Fortbewegungsmittel mit geringem Ansteckungsrisiko sind in diesen Tagen gefragt wie nie.

Das kann auch Martin Wittwer bestätigen, der seit 1997 ein kleines Fachgeschäft mit Werkstatt an der Westicker Straße betreibt. Als der Bergkamener Radsport Wittwer vor 23 Jahren eröffnete, boomte die Branche ebenfalls. Damals hatte Jan Ullrich die Tour de France gewonnen und die Deutschen eiferten ihrem Idol auf zwei Rädern offenbar nach.

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Zu Beginn der Corona-Krise war auch der Laden von Martin Wittwer geschlossen. Nach drei Wochen gehörten Radsportgeschäfte zu den ersten, für die es Lockerungen gab. Nun hat der Händler wieder vollständig auf und alle Hände voll zu tun. Die Werkstatt ist ausgebucht und die Lieferungen kommen kaum nach. Zwar gebe es keine Engpässe, bei der großen Auswahl und den detaillierten Vorstellungen der Kunden müssten diese aber auch schon mal auf ihr neues Bike in Wunsch-Farbe warten.

Boom und Saisonbeginn fallen zusammen

Das genau jetzt so viel zu tun ist, sei ein Stück weit auch dem alljährlichen Beginn der Saison geschuldet, räumt der Händler ein. An der vollen Werkstatt werde das gestiegene Interesse der Kunden deutlich; wie sich der Corona-Boom in den Verkaufszahlen niederschlägt, muss Martin Wittwer erst errechnen und dann mit den Frühjahrsmonaten des Vorjahres vergleichen.

Konkurrenz in Fröndenberg hat Martin Wittwer keine – und durch die Lage am Ruhrtalradweg gute Kundschaft. Dabei kommt ihm vor allem das Geschäft mit den Radtouristen zugute: „Ich spüre jetzt schon, dass die Hotels wieder für Ausflugsgäste geöffnet sind.“ Wer den Ruhrtalradweg in drei Etappen fahre, in Arnsberg starte, der mache häufig in Fröndenberg das erste Mal Halt zum Übernachten.

Radtouristen rüsten sich bei Martin Wittwer für die Weiterfahrt

Wenn dann Zubehör rund ums Rad benötigt wird, Handschuhe, Trinkflasche, eine Hose zum wechseln, kommen die Radtouristen in den Laden zu Martin Wittwer, wären regelrecht aufgeschmissen, wenn es das Geschäft nicht gäbe.

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Viele dieser Kunden können sich die langen Touren nicht zuletzt gut erlauben, weil sie ein E-Bike besitzen, das die Muskelkraft unterstützt. Im Bereich der Freizeiträder – und das ist auch der Bereich, der von der Corona-Krise wohl hauptsächlich profitiert – würden inzwischen mehr E-Bikes als Fahrräder ohne Motor verkauft, beobachtet der Fachmann.

Und zwar in jeder Altersklasse: „Ich habe vor kurzer Zeit einem 18-Jährigen ein E-Bike verkauft – und einem 80-Jährigen ein Rennrad“, so Wittwer. Das Fahrrad mit Motor habe sich längst vom Senioren-Image emanzipiert. Auch Mountainbikes und Rennräder gibt es inzwischen in der Elektroversion. Da würden Martin Wittwers sportlich orientierte Kunden dann doch lieber zur klassisches Version greifen.

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Und überhaupt: „Vom Geschäft mit den Fröndenbergern allein leben wir nicht.“ Rennräder sind das Fachgebiet des Fröndenberger Fahrradhändlers. Er verkauft seltener Exemplare gefragter Hersteller, die nur in wenigen ausgewählten Läden angeboten werden – und Kunden aus ganz Deutschland anziehen. „Diese Kunden geben dann auch 10.000 Euro für ein Rennrad aus.“

Sein Fachgebiet kommt aus eigenem Interesse: Martin Wittwer ist früher selbst Rennen gefahren. Insofern passen er und das Geschäft an der Westicker Straße bestens in eine Stadt wie Fröndenberg, die sich mit ihrer Radsportgeschichte rühmt.

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