Das Coronavirus betrübt ein ganzes Dorf

dzAnsteckungsrisiko

Das Coronavirus stellt Menschen gefühlt und tatsächlich unter Quarantäne. Soziale Kontakte leiden, weil die Ansteckungsgefahr minimiert werden soll. Die Pandemie betrübt nun ein ganzes Dorf.

Bentrop

, 16.03.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Soziale Kontakte auch im privaten Bereich möglichst reduzieren – das rät neuerdings selbst die Bundeskanzlerin. Unter den rigorosen Schutzmaßnahmen gegen das Coronavirus leidet nun auch eine ganze Dorfgemeinschaft.

Theresa Frens

Theresa Frens © Udo Hennes

»Das schmerzt besonders.«
Theresa Frens vom Trommlerkorps Bentrop

Monatelang hatten sie sich vorbereitet, die Freude war riesig, nur alle fünf Jahre wird das große Fest gefeiert – doch jetzt fällt das Freundschaftstreffen des Trommlerkorps Bentrop ins Wasser. Und das im Jahr des 100-jährigen Bestehens.

Zwischen 500 und 600 Gäste hatten die Bentroper in ihrer Schützenhalle erwartet. Das war auch den Ordnungsbehörden bekannt, und die sagten den traditionsreichen Musikreigen am Donnerstag ab – das Trommlerkorps stimmte schweren Herzens zu.

25 Gastvereine müssen wieder ausgeladen werden

„Kann man das verantworten?“, sagt Vorstandsmitglied Theresa Frens, sei die entscheidende Frage gewesen vor der Entscheidung. Zig befreundete Schützenvereine, dazu Gäste aus Politik und Verwaltung beim abendlichen Festakt, sollten eigentlich am 3. und 4. April das Jubiläum des Trommlerkorps feiern.

Am zweiten Festtag hätten 25 geladene Gastvereine aus Ruhrgebiet und Sauerland ihre Stücke zu Ehren der Bentroper gespielt. Die Straßen im Dorf stehen dann voll mit Reisebussen.

„Das war der Plan“, erzählt Theresa Frens hörbar niedergeschlagen. Aber das Ansteckungsrisiko in der Halle mit Hunderten Menschen dicht an dicht wäre eben nicht zu verantworten gewesen.

Anfang März war noch kein Gedanke daran, dass das Trommlerkorps Bentrop seine Feiern zum 100-jährigen Bestehen würde absagen müssen.

Anfang März war noch kein Gedanke daran, dass das Trommlerkorps Bentrop seine Feiern zum 100-jährigen Bestehen würde absagen müssen. © privat

Essen, Getränke, Musik für die Jubiläumsparty – alles war natürlich längst organisiert und bestellt. Von den Vorarbeiten in der Halle ganz zu schweigen. Das sei schon ein herber wirtschaftlicher Verlust. Schließlich fließt von dem, was am Ende übrig bleibt, Geld in neue Instrumente.

Der viel größere Kummer bereitet aber die Tatsache, dass das einmalige 100-Jährige nicht pünktlich begangen werden kann. „Das schmerzt besonders“, sagt Theresa Frens.

Mächtig voll wird es alle fünf Jahre bei den Freundschaftsreffen des Trommlerkorps Bentrop wie hier 2015.

Mächtig voll wird es alle fünf Jahre bei den Freundschaftsreffen des Trommlerkorps Bentrop wie hier 2015. © privat

Das schmerzt sämtliche Bentroper, denn natürlich hätten die Schützen ebenso wie die Freiwillige Feuerwehr und die anderen Vereine, im Grunde das ganze Dorf mitgefeiert – so oft gibt es in dem 300-Seelen-Ort kein großes Fest.

Sicher ist jedoch: Das Ganze soll nur aufgeschoben, nicht aufgehoben sein. Für das nächste Jahr will das Trommlerkorps einen Ersatztermin finden. Das dürfte gar nicht so einfach werden, weil auch Jubiläen bei anderen Spielmannszügen in diesem Jahr abgesagt und verschoben werden müssen.

Doch Theresa Frens gibt sich zuversichtlich: „Wir werden feiern!“.

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