Fröndenberg wird älter. In der Stadt werden 2040 viel weniger Kinder und dafür viel mehr Senioren leben. Akteure in Schulen, Unternehmen, Wohnungsbau und Pflege reagieren bereits.

Fröndenberg

, 17.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Brigitte Henschen kann sich über mangelnde Nachfrage nicht beklagen. „In der vergangenen Woche ist ein Bewohner verstorben, die Wohnung ist schon wieder belegt“, sagt die Fröndenbergerin, die in der Stadt 70 seniorengerechte Wohnungen anbietet. Wohnungen, die ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden ermöglichen, sind gefragter denn je: Bis 2040 soll die Zahl der Senioren älter als 65 um rund 27 Prozent steigen. Und Senioren-Wohngemeinschaften bieten Geselligkeit im Alter und 24-Stunden-Betreuung.

Demografischer Wandel in Fröndenberg: Bis 2040 nimmt die Zahl der Senioren dramatisch zu

Brigitte Henschen (l.) vermietet in Fröndenberg 70 seniorengerechte Wohnungen, einzeln oder als Senioren-WG. © Marcel Drawe

Ihre Mieter können Hauswirtschaft und Pflegedienst dazu buchen.

Brigitte Henschen, die unter anderem die Villa Mauritius betreibt, räumt ein: „Das muss preislich zu stemmen sein.“ Angesichts kleiner werdender Renten könne sich eine Senioren-WG nicht jeder leisten. Sie befürchtet sogar, dass bezahlbare Wohnungen in Fröndenberg künftig fehlen werden.

  • UKBS prüft Bauvorhaben für seniorengerechte Wohnungen

Die UKBS kennt als Wohnungsbauunternehmen natürlich die Bevölkerungstrends in Fröndenberg und bestätigt den Bedarf. „Gefragt sind kleine bezahlbare Wohnungen zwischen 50 und 65 Quadratmetern“, sagt Geschäftsführer Matthias Fischer. Die fehlten tatsächlich. Er kennt eine weitere Statistik: Rund 45 Prozent aller Seniorenhaushalte haben so wenig Einkommen, dass sie Anspruch auf öffentlich geförderte Wohnungen haben, die landläufig Sozialwohnungen heißen.

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Staatlich geförderte Wohnungen, das bedeutet in Fröndenberg einen Mietpreis von 5,30 Euro. Davon sollen mehr her in der Stadt. Die Verwaltung habe der UKBS Grundstücke genannt, wo man sich Neubauten vorstellen kann. Die UKBS prüft derzeit, was sich realisieren lässt.

Demografischer Wandel in Fröndenberg: Bis 2040 nimmt die Zahl der Senioren dramatisch zu

Hohe Nachfrage nach bezahlbaren, kleinen Wohnungen: Matthias Fischer, Geschäftsführer der UKBS (M.), prüft in Fröndenberg von der Stadt vorgeschlagene Grundstücke für künftigen Wohnungsbau. © Borys Sarad

Ähnlich wie bei einer privaten Senioren-WG versuche die UKBS älteren Menschen beim Wohnen behilflich zu sein. Reinigung, Einkäufe oder Wäsche waschen – die UKBS gibt einen Zuschuss zum Stundenlohn der Dienstleister.

  • Schulstandorte sichern mit Hilfe der Nachbarstädte

Die Zahl der Älteren in der Stadt nimmt zu, die Kinder werden weniger. Rund 17 Prozent weniger Menschen unter 19 Jahren werden 2020 in Fröndenberg leben. Das wirkt sich auf die Schulen aus. Bereits in den kommenden Jahren rechnet man damit, dass es über alle Jahrgänge an der Gemeinschaftsgrundschule zwei und an der Overbergschule eine Klasse weniger geben wird.

Dagegen wird es an der Sonnenbergschule zwei Klassen mehr geben, weil in ihrem Einzugsbereich mehr kleine Kinder leben. Die Gesamtschülerzahl sinkt bis 2030/31 bereits leicht, aber nicht dramatisch. Folgenreicher könnte der Schülerrückgang für die Gesamtschule werden. Die Wechsel der Viertklässler aus Fröndenberg an die GSF ist ohnehin schon zurückgegangen. Neue Sekundar- und Gesamtschulen in Nachbarstädten setzen der GSF ebenfalls zu, der Wettbewerb um Schüler hat also längst begonnen. Ein Gutachten empfiehlt der Stadt, mit den Nachbarkommunen Gespräche zu führen. „Alternativen wie zum Beispiel regional abgestimmte Zügigkeitsbeschränkungen oder die Errichtung von Doppelstandorten zur langfristigen Sicherung der Schulangebote sollten ergebnisoffen besprochen werden“, heißt es im Schulentwicklungsplan.

  • Wie Unternehmen sich auf weniger Bewerber einstellen

In Zukunft verlassen also weniger Schüler die Gesamtschule. „Wir fokussieren uns auf die, die noch da sind“, sagt Udo Klee, Prokurist bei Schmöle. Bei der Suche nach Auszubildenden stehe man mit vielen potenten Unternehmen in der Region im Wettbewerb. Und um unter den weniger werdenden Schulabgängern geeignete Kandidaten zu finden, müsse man als Ausbildungsbetrieb daher heute schon sehr aktiv werden.

Demografischer Wandel in Fröndenberg: Bis 2040 nimmt die Zahl der Senioren dramatisch zu

Weniger Jugendliche in Zukunft: Prokurist Udo Klee weiß, dass ein Unternehmen wie Schmöle künftig noch attraktiver für Auszubildende sein muss. © privat

Der Spezialist für Wärmetauscher wird im Herbst erstmals an der Ausbildungsbörse „Back stage – live“ an der Gesamtschule Fröndenberg teilnehmen, hängt auch Stellenanzeigen in den Berufsschulen in Unna aus. Auf sehr ausgefallene Methoden verzichtet man bei Schmöle aber. Speed Datings, bei denen in wenige Minuten dauernden Gesprächen der Ausbildungsvertrag perfekt gemacht wird, oder peinliche Rapper-Videos von Arbeitgebern auf Facebook lehnt Udo Klee ab. „Wir gehen auch noch nicht so weit, dass wir Prämien ausloben.“ Dennoch ist ihm vor zu wenigen Bewerbern nicht bange. Der klassische Weg, dass Oma ihren Enkel auf eine Stellenannonce in der Zeitung aufmerksam macht oder Mitarbeiter den Aushang am Infobrett in der Nachbarschaft bekanntmachen, führe noch sehr oft zum Erfolg.

  • Strategie gegen den Fachkräftemangel in der Pflege

Im Schmallenbach-Haus kommen zwei Herausforderungen zusammen. Der Bedarf an Pflegeplätzen wird ebenso höher wie die Nachfrage in dem Seniorenheim nach gut ausgebildeten Pflegefachkräften. Auf Anwerbeabkommen wie mit dem Kosovo könne man nicht warten. „Der Bedarf ist jetzt da“, sagt Pflegedienstleister Herbert Bruckelt.

Demografischer Wandel in Fröndenberg: Bis 2040 nimmt die Zahl der Senioren dramatisch zu

Gewappnet für den Fachkräftemangel in der Pflege: Herbert Bruckelt (l.), Pflegedienstleiter im Schmallenbach-Haus, setzt auf eine Ausbildungsmentorin, die dabei hilft, Azubis an das Haus zu binden. © art

Am Hirschberg hat man längst vorgesorgt: Eine eigene Ausbildungsmentorin betreut derzeit 34 Azubis. „Wir peilen 40 an“, bekräftigt Bruckelt. Schon heute bewerben sich viele junge Leute aus dem Dortmunder Raum. Und man setzt auf eine frühzeitige enge Bindung ans Haus, bietet schon nach dem zweiten Ausbildungsjahr einen Vertrag an. „So wollen wir dem Fachkräftemangel entgegenwirken“, so Bruckelt.

Bei allen Herausforderungen, die eine älter werdende Stadt mit sich bringt, will Brigitte Henschen auch das Positive daran nicht vergessen. „Es ist doch schon, dass die Leute älter werden“, sagt die rüstige 75-Jährige.

Statistik

Einwohnerzahl sinkt 2018 nur leicht

  • Die Einwohnerzahl von Fröndenberg ist laut Information und Technik NRW 2018 leicht gesunken.
  • Die Gesamtzahl der Einwohner lag im vergangenen Jahr bei 20.766, darunter 10.585 Frauen.
  • Im Jahr 2017 lag die Einwohnerzahl bei 20.834 (10.618 Frauen) und im Jahr 2011 bei 20.806 (10.628 Frauen).

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