Fröndenberg schreibt den Schulentwicklungsplan fort. Zur Zukunft der Gesamtschule gibt es unterschiedliche Standpunkte. Schulen der Region sollen auf Abstimmung statt Wettbewerb setzen.

Fröndenberg

, 10.12.2018, 15:31 Uhr / Lesedauer: 3 min

Wie sich die Schullandschaft einer Stadt entwickelt, muss von den Kommunen auf lange Sicht – auch mit Blick auf Nachbarstädte – geplant werden. Denn in einer Region genug Bildungsmöglichkeiten vorzuhalten, gehört zur Daseinsvorsorge. Fröndenberg rechnet für die kommenden fünf Jahre mit relativ gleichbleibenden Schülerzahlen an den Grundschulen sowie einem leichten Rückgang der Schülerzahlen an der Gesamtschule (GSF). Wenn die GSF ihre aktuelle Sechszügigkeit erhalten möchte, sollte sie nicht nur Schüler aus Nachbarkommunen abwerben, sondern auch mit den anderen Schulträgern in Dialog treten, lautet das Fazit des Schulentwicklungsplans, den das Unternehmen Biregio aus Bonn für die Stadt Fröndenberg erstellt hat. Denn die Bindungsquote von aktuell 72 Prozent der Grundschüler aus dem Ort sei in den kommenden Jahren kaum zu übertreffen, prognostiziert die Projektgruppe Bildung und Region des beauftragten Unternehmens. Empfohlen wird, dass sich die Kommunen im Kreis und in der Region in Bildungsfragen eng vernetzen. Haben doch alle mit ähnlichen Problemen zu kämpfen.

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Jetzt hatten die Schulkonferenzen der Grundschulen sowie der GSF und die Nachbarkommunen Gelegenheit, zum Entwurf Stellung zu nehmen. Dieser beinhaltet konkrete Prognosen für die kommenden fünf Jahren sowie einen Ausblick bis 2032.

Demografie hat großen Einfluss auf die Schullandschaft

Einfluss auf die Entwicklung der Fröndenberger Schulen nehmen wesentlich zwei Faktoren: zum einen die Entwicklung der Schullandschaft in Nachbarstädten, zum anderen demografische Veränderungen. In Fröndenberg ist die Wohnbevölkerung zwischen 1995 und 2000 jährlich um 0,8 Prozent gestiegen. Damit lag die Stadt weit über dem Landesdurchschnitt. Seitdem sinkt die Einwohnerzahl allerdings wieder. 6,8 Prozent der Wohnbevölkerung beziehungsweise 1570 Einwohner hat Fröndenberg seit dem Jahr 2000 verloren – während das Land NRW kaum Einwohner verloren hat, der Kreis Unna insgesamt sogar 8,8 Prozent. Das wirkt sich auch auf die Schülerzahlen auf.

Zahl der Geburten weist eine stabile Tendenz auf

Während die Anzahl der Grundschüler in den kommenden Jahren lediglich leicht sinken wird, soll die Zahl der älteren Schülerinnen und Schüler, vor allem die der 16 bis 19-jährigen, abnehmen. Das relativ gleichbleibende Niveau der Grundschüler lässt sich aus Sicht der Projektgruppe relativ sicher prognostizieren. Denn zum einen werden die aktuell noch nicht eingeschulten in Fröndenberg lebenden Kinder berücksichtigt. Zum anderen weise die Zahl der Geburten eine stabile Tendenz auf. Und Neubaugebiete mit entsprechendem Zuzug seien in diese Berechnung noch gar nicht mit einbezogen.

Für das kommende Schuljahr plant die Stadt mit 624 Grundschülern. Im Schuljahr 2030/2031 könnte die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Primarbereich bei voraussichtlich 615 liegen, berechnet die Projektgruppe. Das bedeutet, dass die einzelnen Schulen erhalten bleiben können. Auf Verschiebungen der Schülerzahlen an den Grundschulen müsste die Stadt gegebenenfalls reagieren. Etwa mit Begrenzung der Zügigkeit.

Gesamtschule schwächelt trotz guter Übergangsquote

Beim Übergang an eine weiterführende Schule entscheiden sich wie berichtet viele Schülerinnen und Schüler für die Gesamtschule in Fröndenberg. Die Gymnasien in Unna und Menden bieten für einige eine Alternative. Im Gegenzug kommen Schüler aus Menden, Wickede und Arnsberg, die eine Gesamtschule besuchen möchten. Auswärtige Schüler werden zu einem kleinen Teil aufgenommen.

Die Gesamtschule Fröndenberg hat vor kurzer Zeit ihren Webauftritt erneuert. Interessierte können sich im Internet unter www.gesamtschulefroendenberg.de über die Schule informieren. Unter „Neuigkeiten sind auch alle Informationen zur Neuanmeldung zu finden, die ab Februar beginnt und bis zum 22. März läuft. Kontakt: Gesamtschule Fröndenberg Wiesengrund 7 58730 Fröndenberg Telefon: +49 2373 68111-10 Fax: +49 2373 68111-29 E-Mail: verwaltung@gesamtschulefroendenberg.de Öffnungszeiten Montag – Donnerstag: 7.30 Uhr – 16.00 Uhr Freitag: 7.30 Uhr – 14.00 Uhr In den Ferienzeiten gelten besondere Öffnungszeiten!

Die Übergänge aus den Grundschulen in die fünften Klassen werden in den kommenden Jahren relativ stabil bleiben. Dennoch haben in den vergangenen Jahren immer weniger Grundschüler die Gesamtschule als weiterführende Form gewählt. Das liegt zum einen an der demografischen Entwicklung, zum anderen aber auch an der Gründung weiterer Sekundar- und Gesamtschulen der Region.

Weiterführende Schulen stehen im Wettbewerb zueinander

Die demografische Situation mit weniger Geburten als vor 20 Jahren und kleiner werdenden Übergangszahlen beschränkt sich nicht auf die Stadt Fröndenberg, sondern beschäftigt beinahe den gesamten Kreis, so die Projektgruppe Bildung und Region des Unternehmens Biregio. Der Wettbewerb der Schulen bereitet etwa der Nachbarstadt Wickede Sorgen, die zuletzt viel in ihre Sekundarschule investiert hat: „Die Situation, dass Wickeder Schüler zur Gesamtschule Fröndenberg auspendeln, bereitet uns daher eher Sorge, als wir dies begrüßen könnten“, so Wickedes Bürgermeister Dr. Martin Michalzik. Nach wie vor bestünde aber großes Interesse an einer intensiven Kooperation.

Gesamtschule blickt optimistisch in die Zukunft

Die Schulkonferenz der Gesamtschule nimmt etwa den Bau der Gesamtschule in Menden gar nicht als Konkurrenz wahr. Im Gegenteil: „Nach der Gründung der Gesamtschule in Menden ist sichergestellt, dass alle Fröndenberger Kinder (an der GSF) angenommen werden können.“ In den vergangenen Jahren war die GSF durchaus an die Grenzen ihrer Kapazität gestoßen. Zudem widerspreche die Prognose, dass die Gesamtschule zukünftig ab der Klasse Acht von Klassenzusammenlegungen betroffen sein könnte nicht den „Erfahrungen und absehbaren Entwicklungen“. Zurzeit müsse die GSF Anträge auf Schulwechsel insbesondere von Gymnasien im zweistelligen Bereich ablehnen. Angesichts der Wegfalls von Haupt- und Realschulen würden solche Anfragen in den kommenden Jahren noch häufiger auftreten. Mit der aktuellen Investition der Stadt in die Entwicklung der GSF sei die Schule bereits auf einem guten Weg, ihre Attraktivität für die Zukunft zu sichern.

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Umbau der Gesamtschule Fröndenberg

Der erste Jahrgangsbereich der Gesamtschule ist fast fertig. Die ersten Ergebnisse können sich schon sehen lassen. Am 2. November wird der Abschnitt offiziell Vertretern aus der Politik, den Schulen und der Schulaufsicht präsentiert.
24.10.2018
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Der Besprechungsraum ist mit einer Küchenzeile ausgestattet. © UDO HENNES
In jedem Jahrgangscluster wird ein eigenes Lehrerzimmer errichtet. Jeder Lehrkraft steht ein geräumiger Arbeitsplatz zur Verfügung. © UDO HENNES
Das Foyer mit Glaskuppel wird der „Eyecatcher“ des ersten Jahrgangsclusters in der Gesamtschule. Der Bereich wird am 2. November offiziell vorgestellt.  © UDO HENNES
Der Multifunktionsraum verbindet zwei Klassenräume miteinander. Er wird durch Möbel separiert, sodass beide Klassen einige Schüler in den Verbindungsraum schicken und dort individuell fördern können. © UDO HENNES
Der letzte Feinschliff: Im Flurbereich wird noch an der Lüftungsanlage getüftelt. Der Großteil der Arbeiten ist bereits abgeschlossen.© UDO HENNES
Die Bunten Gitter vor den Fenstern sind fest installiert. So können die Räume auch nachts gelüftet werden. Zudem gibt es elektronische Jalousien. © UDO HENNES
Die Türschlösser sind elektronisch gesichert und können mit einem kleinen Sender geöffnet und geschlossen werden. © UDO HENNES
Zusätzlich zu multimedialen Tafeln sind die Klassenräume mit abnehmbaren Tafeln und einer Magnetwand ausgestattet © UDO HENNES
Moderne Fünfeck-Tische wurden auf Wunsch der Schule angeschafft. Sie können individuell angeordnet werden. © UDO HENNES

Beide Schulkonferenzen fordern:

  • Abgestimmte Bildungskonzepte aller Fröndenberger Bildungskonzepte aller Fröndenberger Bildungseinrichtungen.
  • Die Einrichtung einer Fröndenberger Bildungskonferenz und die Einrichtung eines Bildungsbüros zu Koordination
  • Ein Imagekonzept für den besonderen Übergang von den Grundschulen zur GSF.

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