Demnig: Hakenkreuze und Farbe auf Stolpersteinen – aber keine beschädigten Häuser

dzVerdeckte Stolpersteine

Zu den verdeckten Stolpersteinen in Fröndenberg-Dellwig meldet sich jetzt Katja Demnig zu Wort. Die Frau des Erfinders der kleinen Mahnmale aus Messing ist nicht bestürzt über den Vorfall, sondern macht einen Vorschlag.

Fröndenberg

, 11.11.2019, 11:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Katja Demnig äußert sich jetzt zu den verdeckten Stolpersteinen in Dellwig. Ihr Mann Gunter ist der Erfinder der Messingtafeln, die an die zwischen 1933 und 1945 ermordeten Juden erinnern.

Stolpersteine in Dellwig mit Blumenkübeln verdeckt

Ihr sei der Fall aus Dellwig bislang nicht bekannt gewesen, sagt Katja Demnig im Gespräch mit unserer Redaktion. Dort hatte der heutige Eigentümer eines Hauses, in denen früher die jüdische Familie Cohen lebte, drei vor zehn Jahren vor seinem Haus verlegte Stolpersteine mit Blumenkübeln verdeckt.

»Es hat noch keinen einzigen Vorfall gegeben, dass Steine durch eine Schaufensterscheibe geworfen sind.«
Katja Demnig

Ein Einzelfall sei das zwar nicht. „Das gibt es selten, aber es gibt es“, sagt Katja Demnig. Die Motive der Hauseigentümer seien ihr im Einzelfall nicht bekannt.

Antisemitisch oder rechtsextremistisch motivierte Sachbeschädigung an den Häusern, vor denen die Stolpersteine verlegt werden, sei ihr allerdings nicht bekannt. Mehr als 74.000 Steine seien mittlerweile verlegt worden. „Es hat noch keinen einzigen Vorfall gegeben, dass Steine durch eine Schaufensterscheibe geworfen sind“, sagt Katja Demnig.

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Demnig: Hakenkreuze und Farbe auf Stolpersteinen – aber keine beschädigten Häuser

Weitere Stolpersteine finden sich in Fröndenberg auf dem Kirchplatz. © Udo Hennes

Es gebe den einen Fall im Raum Darmstadt, als Stolpersteine durch ein Rathausfenster geworfen wurden, nachdem dort eine Ausstellung gegen Rechtsextremismus eröffnet worden war.

In Greifswald seien vor Jahren in einer Nacht vom 9. auf den 10. November Stolpersteine aus der Pflasterung gerissen worden. „Es ist auch schon Farbe drüber gekippt oder es sind Hakenkreuze darauf geschmiert worden“, weiß Katja Demnig. „Aber Häuser – nie!“

Zur Sache

Beschluss des Stadtrates zu Stolpersteinen

  • Gunter Demnig, Erfinder der Stolpersteine, verfolgte ursprünglich das Konzept, die Mahnmale für drei Personengruppen zu verlegen: für Juden, die in Konzentrationslagern oder Schutzhaft ermordet worden sind, im KZ Theresienstadt verhungerten oder auf der Flucht vor den Nazis den Tod fanden.
  • Mittlerweile werden auch Stolpersteine zum Beispiel für Opfer der Euthanasie verlegt.
  • Ein Beschluss des Fröndenberger Rates bezieht sich laut Stadtarchivar Jochen von Nathusius noch auf den ursprünglichen Ansatz Demnigs.
  • Eine kleine Summe aus den Spendengeldern für die Stolpersteine ist in Fröndenberg noch vorhanden. Sie soll für eventuell nötige Reinigungen oder Reparaturen verwendet werden.

Sie und ihr Mann, die beide Steine verlegen, zählen rund 1200 Beschädigungen von Stolpersteinen, die nicht immer böswillig entstanden sind, darunter fielen zum Beispiel auch Kratzer durch darüber fahrende Schneepflüge.

Den Eigentümer eines Privatgrundstücks, so wie in Dellwig, könne man natürlich nicht dazu zwingen, die Stolpersteine öffentlich zugänglich zu machen. Katja Demnig macht daher zwei Vorschläge zur Güte.

Verdeckte Stolpersteine werden ins Rathaus geholt

In einigen Städten werden Markierungen in den Boden eingelassen mit dem Hinweis „Hier fehlen Stolpersteine“. Eine charmantere Lösung spricht eigentlich gegen das Konzept, die Steine vor den früheren Wohnhäusern der Ermordeten zu verlegen: Es gibt bundesweit Vorbilder dafür, dass die Kommunen solche verdeckten Steine stattdessen vor ihr Rathaus verlegen oder in einer Vitrine im Rathaus ausstellen.

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