Dem Donner trotzen: Zwei Musiker nehmen eine CD in der Marienkirche auf

dzSt. Marien

Es waren anstrengende Monate, in denen Jörg Segtrop und Johannes Krutmann die CD in der Marienkirche einspielten. Doch die Arbeit hat sich gelohnt. Krutmann erinnert sich gut an den Sommer.

Fröndenberg

, 21.12.2018, 14:27 Uhr / Lesedauer: 3 min

Das Musikstück war fast beendet, beinahe alle Töne im Kasten und die zwei Musiker schon müde und erschöpft. Dann brach ein lautes Donnergrollen durch das Dach der St. Marienkirche ins Innere der Gemäuer. Die mächtige Orgel konnte es zwar locker mit dem Donner draußen, zu dem sich alsbald Regenplätschern gesellte, aufnehmen. Aber die Mikrofone waren zu empfindlich und die Aufnahme im Eimer. Also warteten sie ab und fingen von vorne an.

An diesen Moment im Sommer dieses Jahres erinnert Johannes Krutmann sich noch zu gut. Er war gerade dabei, mit Jörg Segtrop eine CD in der Marienkirche einzuspielen, als ein Gewitter den beiden einen Strich durch die Rechnung machte. Es habe in den Monaten, in denen die beiden an der CD gearbeitet hatten, oft gewittert. Doch nicht nur Donner und Regen sorgten dafür, dass die beiden Männer oft bis spät abends oder gar bis in die Nacht hinein in der Kirche verbrachten. Die Mikrofone mussten richtig eingestellt sein, das Stück perfekt klingen. Und sobald die Temperatur schwankt, verändert sich auch die Tonhöhe der Orgel. Segtrop und Krutmann verbrachten also viel Zeit damit, nachzustimmen, Mikrofone auszurichten – und Eis zu essen. „In dieser Zeit habe ich die Eisdielen sehr zu schätzen gelernt“, erinnert sich Krutmann. Es war die perfekte Nervennahrung bei schwindender Konzentration.

Nicht nur die Orgel, sondern auch den Raum wahrnehmen

Das Ziel der beiden war nicht, die Orgeltöne so klar und deutlich wie möglich mit den Mikrofonen aufzufangen, sondern den Klang des Instrumentes im Raum der Kirche wiederzugeben. „Man hört nicht nur das Instrument, sondern die Weite des Raumes“. Und auch, wie sich die Teilchen bewegen, erklärt Krutmann. Keine Schallwellen solle man hören, sondern ein Klangerlebnis. Und, um das einzufangen, haben sich die Männer ins Zeug gelegt. Zwei Mikrofone wurden mit einem Stativ auf die Höhe der Orgel gebracht, um den bestmöglichen Klang einzufangen. Andere standen im Raum. Dann musste so gemischt werden, dass der Effekt auch rüberkommt – diese Aufgabe übernahm Segtrop. Krutmann spielte die Orgel. Es war viel Arbeit, aber „es lohnt sich. Entweder man tut das, was man macht gerne, oder man lässt es“, so Krutmann. Es sei Idealismus – genau so, wie es beispiellosem Idealismus zu verdanken sei, dass diese Orgel überhaupt in der Marienkirche steht.

Der Orgelbauverein hat keine Mühen gescheut, eine eigene Orgel für die Kirche anzuschaffen und so lange daran zu feilen, bis sie so klingt, wie sie heute klingt. Fertig ist der Orgelbauverein mit seiner Arbeit aber noch nicht. Im Jahr 2017 haben sie die Orgel angeschafft. Seitdem wurde sie erweitert. Mittlerweile hat die sogenannte Dinse-Orgel 31 Register – bei der Anschaffung waren es nur 15. Als nächstes sollen die Trompeten-Pfeifen ersetzt werden.

Dem Donner trotzen: Zwei Musiker nehmen eine CD in der Marienkirche auf

Kabelsalat und Mischpult: Es war nicht einfach, die Orgel und den Raum mit ein paar Mikrofonen einzufangen. © Segtrop

Ein Instrument voller Vielfalt

Beim Aufnehmen in der Kirche hat das Instrument gezeigt, dass es mehr kann, als der Orgelsachverständige, der mittlerweile in Hamm wohnt, zunächst annahm. Krutmann sei anfangs skeptisch gewesen, denn eigentlich werde eine Orgel speziell auf einen Raum zugeschnitten. In diesem Fall war das nicht möglich, weil das Instrument ein gebrauchtes ist. Dennoch konnte sie überzeugen. „Ich hatte den Eindruck, dass die Orgel wie für den Raum gemacht ist“, sagt Krutmann.

Dem Donner trotzen: Zwei Musiker nehmen eine CD in der Marienkirche auf

© pdp/rdp

„Wir machen es aus Verrücktheit.“
Johannes Krutmann,
Orgelsachverständiger

Sie sei zeitlich von der Romantik geprägt, doch erstaunlicherweise klingen auch Stücke aus Epochen wie Frühbarock und Moderne auf dem Instrument. Das ermöglichte den Musikern, ihre Stückliste spontan zu ergänzen und zu erweitern, um eine vielseitige CD zu erstellen. Das sei ihnen gelungen. Das Thema der CD ist der Choral „Nun Danket Alle Gott“. Das erste und das letzte Lied thematisieren diese Zeilen. Sie wird im Pfarrbüro und beim Orgelbauverein Fröndenberg (www.orgelbauverein-froendenberg.de) für 12 Euro angeboten. Die Einnahmen kommen der Orgel und Konzertveranstaltungen zugute. Krutmann denkt über so etwas aber nicht nach, auch wenn es ihn freuen würde, wenn sich die CD gut verkauft. „Wir machen es aus Verrücktheit“.

Die Faszination für Harmonien

Johannes Krutmann erinnert sich noch gut an den Moment, in dem die Liebe zur Orgel erwacht ist. Ihm sei aber erst später aufgefallen, wie präsent ihm dieser Moment noch ist. Er sei fünf oder sechs Jahre alt gewesen, habe das Instrument gehört und sich gedacht „das möchtest du mal machen“. Und das tat er dann auch. Mit acht Jahren nahm er Klavierunterricht und mit 15 Jahren begann er, Orgel zu spielen. Heute ist er Orgelsachverständiger. Hätte er diesen einschneidenden Moment nicht erlebt, hätte er einen handwerklichen Beruf erlernt. Der Beruf des Orgelbauers fasziniere ihn. „Ich bin froh, dass ich das Instrument spielen darf.“ Jörg Segtrop, Mitglied im Orgelbauverein Fröndenberg, lernte er kennen, als dieser 17 Jahre alt war. Segtrop hat bei Krutmann einen Orgel-Kurs belegt, später haben sie sich an der TU Dortmund, an der Krutmann einen Lehrauftrag hatte, wiedergetroffen. Seitdem musizieren die beiden Orgelliebhaber viel zusammen. Auch einige CDs sind dabei entstanden – das neuste Exemplar in der Fröndenberger Marienkirche.

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