Der Angeklagte wurde von Gesine Ickert und Bernd Kachur verteidigt. © Martin von Braunschweig
Messerattacke im Himmelmannpark

Das Urteil: Richter glauben Messerstecher „James-Bond-Geschichte“ nicht

Nach einer Messerattacke im Himmelmannpark hat das Dortmunder Schwurgericht einen 31-jährigen Fröndenberger zu einer hohen Haftstrafe verurteilt. An Notwehr glaubten die Richter nicht.

Der Angeklagte trat auch am letzten Tag des Prozesses auf wie an allen anderen zuvor. Hektisch wanderte sein Blick zwischen dem Dolmetscher für die arabische Sprache und seinen beiden Verteidigern Gesine Ickert und Bernd Kachur hin und her. Mit der Entscheidung der Richter wirkte der 31-Jährige sichtlich unzufrieden.

Bis zuletzt hatte er gehofft, dass ihm die Kammer seine Notwehr-Version abnimmt. Die und noch vieles mehr. Doch die Vorsitzende Richterin Britta Graja zog ihm diesen Zahn in der mündlichen Urteilsbegründung sofort. „Sie haben lange und ausschweifende Angaben in diesem Prozess gemacht“, sagte sie zum Angeklagten. „Doch das, was sie erzählt haben, glauben wir Ihnen nicht.“

Das Urteil: siebeneinhalb Jahre Haft.

Tatort war der Ruhrbalkon

Tatsache ist, dass der 31-Jährige im Oktober 2019 im Bereich des Ruhrbalkons auf einen 25-jährigen Mann aus Menden eingestochen und diesen schwer verletzt hat. Beide Männer waren 2015 aus Syrien nach Deutschland gekommen und kannten sich seit langem.

Als sicher gilt, dass es bei der Messerattacke um ein Mädchen ging, das mit dem Mann aus Menden zusammen war. Der Vater der damals 17-Jährigen soll den Angeklagten beauftragt haben, dem Mendener zu sagen, dass dieser die Finger von der Jugendlichen lassen soll.

Der Angeklagte behauptet dagegen etwas ganz anderes. Er will in Syrien von den Schergen Assads und vom Islamischen Staat gejagt worden sein. Dreimal sei er in seiner Heimat zum Tode verurteilt worden. Nur deshalb habe er flüchten müssen, hatte er zuletzt noch erzählt.

„Nur eine James-Bond-Geschichte“

In dem 25-jährigen Mendener erkannte er einen Anhänger der Assad-Truppen, der nach Deutschland geschickt worden sei, um ihn hier zu bestrafen. Richterin Graja hat dazu jedoch zusammen mit ihren Kammerkollegen eine deutliche Meinung. „Das alles hörte sich für uns so an wie eine James-Bond-Geschichte“, sagte die Vorsitzende am Donnerstag. Die Richter glaubten diesen Hintergrund nicht.

Die Kammer geht vielmehr davon aus, dass der Angeklagte den Auftrag des Vaters des Mädchens überaus ernst genommen hat. „Er wirkt sehr in den moralischen Traditionen seines Heimatlandes verhaftet“, hieß es in der Urteilsbegründung. Danach hat eine junge Frau kein Recht dazu, ohne Erlaubnis ihres Vaters eine Beziehung zu einem Mann einzugehen.

Bei einer Aussprache habe der Angeklagte deshalb ein Messer gezückt und zugestochen, hieß es am Donnerstag. Das Urteil lautet auf Mordversuch.

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