Zur Ausbesserung der größten Schlaglöcher behelfen sich auch die Streckenwärter vom Kreisbauhof des Kreises Unna mit Kaltasphalt. © Archiv/Udo Hennes
Schlaglöcher im Kreis Unna

„Das ist unbezahlbar“: Warum Kreisstraßen oft zum Flickenteppich werden

Reparaturzeit für Schlaglöcher: Nach dem harten Frost sind die Straßenwärter im Kreis Unna besonders gefordert. Auch wenn viele Schäden ausgebessert werden –meist bleibt ein unebener Flickenteppich zurück.

Der Fröndenberger Martin Schröder beobachtet es schon eine Weile: „Das Schlagloch wächst.“ Der Wintereinbruch kürzlich habe die Risse noch einmal vergrößert. Mit einem weiteren Flicken aus Kaltasphalt darf der Anwohner demnächst rechnen, nicht jedoch mit einer ebenerdigen Sanierung.

»Das Schlagloch wächst.«

Martin Schröder, Anwohner an der K24

Auf der Ostbürener Straße, der Kreisstraße 24, ist viel landwirtschaftlicher Verkehr unterwegs, die Fahrbahn muss viel aushalten. Stellen, die ohnehin schon mürbe sind, werden bei Eis, Schnee und Nässe noch größer. Warum wird aber nicht nachhaltig ausgebessert?

Jürgen Busch hört die Klagen über Flickenteppiche auf den Straßen seit vielen Jahren. Der Leiter der Straßenbauabteilung beim Kreis Unna kann allerdings nur das Geld ausgeben, das er für notdürftige Sanierungen zur Verfügung hat.

Dieses Schlagloch wächst: Martin Schröder ärgert sich über die unebene Fahrbahn auf der Ostbürener Straße. Gut zu erkennen ist, dass auf die schadhaften Stellen immer wieder Flicken aufgesetzt worden sind. © privat © privat
Entwurf für Kreishaushalt sieht 616.000 Euro vor
  • Für die Straßenunterhaltung und den Kreisbauhof ist im Kreishaushalt für 2021 ein Gesamtbetrag in Höhe von 616.000 Euro (Vorjahr 611.000 Euro) veranschlagt, der sich u.a. wie folgt zusammensetzt:
  • 140.000 Euro für Haltung von Fahrzeugen, Betriebsstoffe; 75.000 Euro für Straßenunterhaltung; 75.000 Euro für Signalanlagen; 75.000 Euro für Bankette; 60.000 Euro für Winterdienst; 60.000 Euro für Entsorgung; 45.000 Euro für Fahrbahnmarkierung und 40.000 Euro für Leiteinrichtungen, Verkehrszeichen.
  • Weitere kleinere Posten sind: 35.000 Euro für Straßenentwässerung; 30.000 Euro für Erneuerung Schutzplanken; 30.000 Euro für Schädlingsbekämpfung; 30.000 Euro für Grünpflege Straßenreinigung sowie 10.000 Euro für Straßenbäume.

Und daher wird meistens zunächst Kaltasphalt in die Löcher verfüllt, später gießen die Straßenwärter wo nötig auch beständigeren Heißasphalt in Mulden und Risse. Es gäbe eine Alternative, die viel länger halten würde.

Einmal pro Woche Kontrolle auf jeder der 44 Kreisstraßen

„Wenn man die Stellen ausschneidet und die Schicht ebenerdig wieder einbaut, ist das aber unbezahlbar““, weiß Busch. Nur bei Kreisstraßen, die in einem noch sehr guten Gesamtzustand sind, werde so verfahren.

Die Winterzeit ist zwar die Hochphase solcher Reparaturen. Die 17 Straßenwärter des Kreisbauhofes müssen aber von Gesetzes wegen das gesamte Jahr jede der 44 Kreisstraßen ohnehin mindestens einmal wöchentlich befahren und auf ihre Verkehrssicherheit überprüfen.

Der Streckenwagen, der immer mit zwei Mitarbeitern besetzt ist, hat immer Material und Werkzeug an Bord. Neben den Asphaltschäden müssen sich die Straßenwärter auch um verdreckte Verkehrsschilder, den Rückschnitt am Straßenbegleitgrün oder die Ausbesserung der Bankette kümmern.

»Wasser hat eine Pumpwirkung beim Überfahren.«

Jürgen Busch, Leiter Straßenbauabteilung Kreis Unna

Sind Schlaglöcher derart groß und tief, dass Gefahr für Verkehrsteilnehmer droht, kommt sofort Kaltasphalt hinein; drängt es nicht so sehr oder wird mehr Material benötigt, wird später eine Baukolonne an die Schadstelle geschickt.

Im Frühjahr warten auf Straßenwärter neue Aufgaben

Die Ausbesserung von Schlaglöchern können tatsächlich zu einer Sisyphusarbeit werden, weiß Jürgen Busch. Denn was kaputten Straßen noch viel mehr zusetze als Frost und Eis sei Regen. „Wasser hat eine Pumpwirkung beim Überfahren“, so Busch. Immer mehr Schotter aus dem Untergrund wird dann herausgespült.

Man hoffe, bis zum Frühjahrsbeginn die schlimmsten Schäden beseitigt zu haben. Dann beginnt die nächste Hochzeit: das Mähen der Bankette und das Kappen ausschlagender Baumtriebe.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land
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