Coronavirus trifft Kleinunternehmer mit voller Härte – unabsehbare Folgen für die Wirtschaft

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Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise sind unabsehbar, kleine Unternehmer bangen um ihre Existenz. So wie Antiquitätenhändler Martin Becker aus Fröndenberg.

Fröndenberg, Kreis Unna

, 23.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Gefahren, die das Coronavirus mit sich bringt, sind nicht allein gesundheitlicher Natur. Der Stillstand zur Eindämmung der Pandemie wird wirtschaftliche Folgen haben. In welchem Ausmaß, das wird sich erst noch zeigen. Betriebe leiden jedoch jetzt schon extrem unter dem Shutdown – und es ist zu befürchten, dass viele Selbstständige sich nicht mehr davon erholen.

Martin Becker plagen Existenzängste. Er betreibt einen kleinen Antiquitätenhandel im beschaulichen Bausenhagen – ein 500-Seelen-Stadtteil Fröndenbergs. Das kleine Lädchen hat schwere Zeiten hinter sich: Monatelang war der Verkaufsraum wegen einer Großbaustelle an der Ortsdurchfahrt nur sehr eingeschränkt erreichbar, die Kundenfrequenz fiel auf ein Rekordtief. Es ging gerade wieder bergauf, Becker ging optimistisch ins 35. Betriebsjahr. „Das Geschäft ist wieder gut angelaufen“, berichtet er der Redaktion. Jetzt trifft ihn eine neue Krise – und die umso härter.

Beste Gesundheit und ein hoffentlich frohes Wiedersehen – nach der Corona-Krise. Mit diesen Wünschen weisen die Beckers darauf hin, dass ihre Antik Deele bis auf Weiteres geschlossen bleibt.

Beste Gesundheit und ein hoffentlich frohes Wiedersehen – nach der Corona-Krise. Mit diesen Wünschen weisen die Beckers darauf hin, dass ihre Antik Deele bis auf Weiteres geschlossen bleibt. © Marcel Drawe

„Die Krise stellt uns vor eine Aufgabe, die wir nicht allein bewältigen können.“
Martin Becker

Diese Corona-Krise stelle ihn und seine Familie vor eine Aufgabe, „die wir nicht allein bewältigen können“, schreibt Martin Becker in einem Offenen Brief an die nordrhein-westfälische Landesregierung. „Wir wissen, dass diese Schließung notwendig ist und haben volles Verständnis für die aktuellen Maßnahmen und auch jene, die eventuell noch in der Zukunft auf uns alle zukommen.“ Doch für ihn geht es um seine Existenz.

Corona-Krise trifft Kleinunternehmen besonders hart

Die Corona-Krise trifft vor allem Kleinunternehmen wie die Antik Deele von Martin Becker. Während Großunternehmen und Wirtschaftsriesen bereits nach den zugesagten Staatshilfen greifen, stehen sie ratlos vor ihren Existenzen. Nach Angaben des Instituts der deutschen Wirtschaft gibt es in Deutschland vier Millionen Unternehmer und Selbstständige – mehr als die Hälfte von ihnen hat keine Angestellten und erzielt weniger als 24.000 Euro Umsatz im Jahr; die Kleinstunternehmen, die nebenberuflich selbstständig sind, eingerechnet. Sie können nicht auf prall gefüllte Reserven zurückgreifen, die finanziellen Polster sind oft äußerst dünn.

Martin Becker schreibt in seinem offenen Brief, im Moment noch keine Möglichkeit zu haben, an finanzielle Soforthilfen zu gelangen. Es gebe zwar Unterstützung: Steuern können gestundet und laufende Kredite für drei Monate ausgesetzt werden. „Diese Möglichkeiten und die bisher erlassenen Beschlüsse helfen“, schreibt Becker. Miete, Versicherungen und andere Kosten laufen dagegen weiter. Akute Probleme würden nur aufgeschoben und nicht gelöst.

„Wenn nicht bald für Klarheit und finanzielle Unterstützung gesorgt wird, dann war es das mit unserem Unternehmen.“
Martin Becker

„Wenn nicht bald für Klarheit und finanzielle Unterstützung gesorgt wird, dann war es das mit unserem Unternehmen und 35 Jahren Familienbetriebsgeschichte“, schreibt Martin Becker, der seine Ehefrau als Aushilfe beschäftigt und auf die Unterstützung seiner beiden Söhne bauen kann.

„Wir hoffen sehr, dass die Ankündigungen der Politik, dieses Mal allen und besonders den kleinen, Kleinst- und Solobetrieben helfen zu wollen, nicht nur heiße Luft sind.“ Becker fordert unter anderem Steuernachlässe statt Stundungen und Aufschüben sowie Zuschüsse statt Kredite, um Unternehmen wie seinem durch die Krise zu helfen. „Bitte denken Sie daran, dass es nicht zuletzt die tausenden von kleinen Betrieben in diesem Land sind, die die Wirtschaft maßgeblich mit am Laufen halten und für Vielfalt in diesem Land sorgen.“

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