Kurios: Wegen Coronavirus mehr wilde Müllkippen im Kreis Unna

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Corona-Krise und tolles Wetter treiben viele Menschen in diesen Tagen in ihren Garten. Doch sollten sich Hobbygärtner zuvor überlegen, wie sie Gartenabfälle entsorgen. Die Wertstoffhöfe nehmen keinen Grünschnitt mehr an.

Fröndenberg

, 25.03.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wilde Müllkippen, mit Grünschnitt oder auch mit Bauschutt, sind in den Wäldern im Kreis Unna ohnehin keine Seltenheit. Doch in diesen Tagen, in denen das Wetter besonders gut ist, die Menschen viel im Garten arbeiten – das ist ja noch erlaubt – sprießen sie wie Pilze aus dem Boden. Denn der Grünschnitt kann an den Wertstoffhöfen nicht mehr abgegeben werden. Die Annahmestellen sind wegen der Corona-Krise geschlossen.

Das ärgert Revierförster Matthias Müller von Wald und Holz NRW, der für den Forstbezirk Unna zuständig ist. In Fröndenberg, aber auch andernorts sind ihm an den vergangenen Tagen gleich mehrere unschöne Anhäufungen mit Gartenabfällen ins Auge gefallen. Mal Strauchschnitt wie hinterm Golfplatz Gut Neuenhof, mal Gras wie am Haarweg. Fest stünde: „Müll zieht Müll an“. Entdecken Leute ein kleines Häufchen, wird daraus schnell ein großer Haufen. Das Problem kenne man von überfüllten Containern in der Stadt. Im Wald sei es nicht anders.

„Das ist asozial.“
Revierförster Matthias Müller

Gemeldet wird der unsachgemäß entsorgte Grünschnitt ans Ordnungsamt der Kommunen, an die Untere Landschaftsbehörde des Kreises oder das Forstamt. In der Regel muss die Kommune die Beseitigung des Unrats in Auftrag geben. Und das kostet Geld, das im Endeffekt die Allgemeinheit trägt. Deswegen findet der Revierförster sehr klare Worte für das Verhalten einiger Mitbürger, das er an den „Hotspots“ jetzt vermehrt beobachtet: „Das ist asozial.“ Was die meisten auch vergessen würden: „Der Wald gehört jemandem: Das ist wie Müll beim Nachbarn in den Garten kippen.“

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Matthias Müller vermutet, dass die wilden Müllkippen in den nähsten sechs bis acht Wochen wachsen, und appelliert an die Vernunft der Menschen: „Jeder, der jetzt in den Garten geht, sollte sich vorher überlegen, was er mit seinem Grünschnitt macht.“ Gleiches gelte auch für Abfälle bei der Badrenovierung et cetera. „Da muss der Verstand gegen den deutschen Ordnungssinn siegen“, sagt Müller mit Blick auf den Wunsch nach aufgeräumten Gärten. Beim Nachbarn nebenan werde es nicht anders aussehen. Es sei denn, er hat seinen Grünschnitt illegal entsorgt. Im Netz gebe es nützliche Tipps, wie Gartenabfälle kompostiert werden können.

Das bisschen Rasen stört in der Natur doch nicht? Doch, es stört sehr wohl. Gerade Abfälle vom Rasenmähen stören die Vegetation, den Boden und Kleintiere beim "Gasaustausch".

Das bisschen Rasen stört in der Natur doch nicht? Doch, es stört sehr wohl. Gerade Abfälle aus Rasenmähern stören die Vegetation, den Boden und Kleintiere beim "Gasaustausch". © Hornung

Wild in den Wald gekippt sei der Gartenabfall nicht nur hässlich anzusehen und verursache Entsorgungskosten, er schade auch dem Ökosystem. Vor allem feiner Abfall wie Gras dämme den sogenannten „Gasaustausch“, die Atmung von Tieren, Pflanzen und Boden. Reste von Zierpflanzen können zudem immer noch Samen tragen. Die Folge: Pflanzen, die dort wachsen, wo sie nicht hingehören. Jüngst habe Matthias Müller Schilf entdeckt – „am Bach mitten im Wald“, sagt er empört.

Gefahr für heimische Pflanzen und Tiere

Zwar sei es manchmal hübsch anzusehen, wenn untypische Blümchen im Wald sprießen – es gebe aber auch Pflanzen wie etwa das Drüsige Springkraut, oft an Flussufern zu sehen, die im großen Stil heimische Arten verdrängen. Und somit auch Insekten den Lebensraum nehmen.

Normalerweise hält Matthias Müller nichts davon, wenn Bürger ihre Nachbarn und Mitmenschen denunzieren. Aber in diesem Fall ruft der Förster sogar dazu auf, verdächtige Beobachtungen zu melden. Wichtig, um eine Straftat nachzuweisen, seien Zeugen. Es reiche nicht aus, anonyme Hinweise zu geben.

Wenn es aber Zeugen gibt, die einen Umweltsünder beobachtet haben, dann stünden die Chancen gut, dass dieser für sein Vergehen auch eine entsprechend hohe Strafe bekäme.

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