Arzt: „Pfleger arbeiten unter Einsatz ihres Lebens“ – Wertschätzung soll „Klatschen“ überdauern

Gastbeitrag

Dr. Thomas Huth ist Hausarzt in Fröndenberg – und als solcher täglich zur Visite im Schmallenbach-Haus, wo viele Menschen am Coronavirus gestorben sind. Ein Gastbeitrag über den Einsatz der Pflegekräfte; verbunden mit einem eindringlichen Appell an die Gesellschaft.

Fröndenberg

von Dr. Thomas Huth

, 28.04.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min
Dr. Thomas Huth ist niedergelassener Arzt in Fröndenberg und derzeit täglich im Schmallenbach-Haus auf Visite.

Dr. Thomas Huth ist niedergelassener Arzt in Fröndenberg und derzeit täglich im Schmallenbach-Haus auf Visite. © Borys Sarad

Bei meinen täglichen Visiten im Schmallenbach-Haus in der so schwierigen Zeit der Corona-Pandemie habe ich bewundernswert feststellen dürfen, mit welchem Engagement die Pflegekräfte ihre Arbeit leisten und die an Covid-19 erkrankten Bewohner pflegerisch versorgen.

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Die Patienten müssen gewaschen, angezogen werden, die Betten gemacht, das Frühstück gerichtet, die Medikamente nach Plan korrekt gegeben werden und alles, was die Pflegekräfte tun, muss detailliert dokumentiert werden.

Zuwendung von besonderer Bedeutung für Patienten

Trotz der eingeschränkten Zeit, finden sie tröstende, aber auch aufmunternde Worte für ihre Patienten. Gerade die Zuwendung und das tröstende Wort ist derzeitig von besonderer Bedeutung, zumal nahezu alle Pflegeheimpatienten infolge der Quarantäne alleine auf ihren Zimmern bleiben müssen und nicht verstehen, warum die Angehörigen, Kinder und Enkelkinder sie nicht besuchen dürfen.

Diese Isolation führt zu einer Traurigkeit, depressiven Stimmung, Angstzuständen und Vereinsamung und zu einer erheblichen Verschlimmerung ihrer Krankheiten und Verschlechterung ihrer Lebensqualität.

Gerade in dieser Zeit sind Zuwendungen, Empathie und Trost besonders wichtig.

„Sie arbeiten nahezu ohne Pause bis zur Erschöpfung. Sie arbeiten am Limit und das noch unter dem Einsatz ihres Lebens.“
Dr. Thomas Huth

In dieser so schwierigen Situation machen die Pfleger und Pflegerinnen einen hervorragenden „Job“. Sie arbeiten ununterbrochen von morgens in der Früh, wenn die meisten Menschen noch schlafen, teilweise bis in die Abendstunden, teilweise Doppelschichten, bis die Nachtwache kommt und den Nachtdienst übernimmt. Sie arbeiten nahezu ohne Pause bis zur Erschöpfung. Sie arbeiten am Limit und das noch unter dem Einsatz ihres Lebens, denn zahlreiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen innen sind an dem Coronavirus selbst erkrankt und befinden sich in Quarantäne.

Nicht nur Pflegepatienten sind an der Virusinfektion gestorben, sondern wie bekannt auch Pflegepersonal. Ihr Einsatz in der Pflege ist bewundernswert und verdient Respekt, Anerkennung und entsprechende Wertschätzung.

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„Wenn nach der Corona-Krise das „Klatschen vom Balkon“ und all die lobenden Worte verhallen, so hoffe ich, dass die Pflege [...] die Wertschätzung erfährt, wie sie es verdient.“
Dr. Thomas Huth

All die pflegerischen Arbeiten, sowohl in der stationären als auch in der ambulanten Pflege, werden im Stillen und jenseits des hektischen Lebens tagtäglich geleistet, aber von unserer Gesellschaft nicht angemessen gewürdigt. Auch wenn nach der Corona-Krise das „Klatschen vom Balkon“ und all die lobenden Worte verhallen, so hoffe ich, dass die Pflege in den Heimen, Krankenhäusern und im ambulanten Bereich den Stellenwert und die Wertschätzung erfährt, wie sie es verdient. Dazu gehört vor allem auch eine angemessene Honorierung.

Es kann nicht angehen, dass Pflegekräfte aus dem Schmallenbach-Haus auf Grund ihres Einsatzes, dem Dienst am kranken Pflegepatienten im privaten Umfeld, wie zum Beispiel beim Einkaufen oder Tanken, beschimpft und verunglimpft werden.

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Ich hoffe, dass diese Corona-Krise einen Bewusstseinswandel in der Bevölkerung bewirkt und die Gesellschaft erkennt, dass ein Pflegeberuf ein systemrelevanter Beruf ist und die gebührende soziale Anerkennung erhält.

Diese Krise fordert von uns ein anderes Denken, sie zwingt uns, uns Gedanken über unsere Zukunft zu machen, wie wir gemeinsam leben wollen und was für uns Menschen Priorität besitzt. Sind es die materiellen Dinge oder ist es das wertschätzende Miteinander?

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