„Man möchte sie in den Arm nehmen“: Fröndenbergerin in England vermisst Eltern daheim

dzQuarantäne

Sie lebt seit vielen Jahren in England, wo sie als Krankenschwester arbeitet. Ihre betagten Eltern in Fröndenberg kann Birgit Fälker derzeit praktisch nicht besuchen. Schuld sind Coronavirus und Quarantäne-Regeln.

Fröndenberg

, 08.04.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die neueste Nachricht erfuhr Birgit Fälker am Montag am Telefon von ihrem Vater Friedhelm: Bei jeder Einreise nach Deutschland soll künftig eine zweiwöchige Quarantäne zur Pflicht werden.

Besuche in Fröndenberg sind für die seit vielen Jahren in England lebende Fröndenbergerin dann fürs Erste praktisch unmöglich.

In den vergangenen Tagen hatte Birgit Fälker Urlaub und konnte ein paar Tage lang die schöne Natur in Cornwall genießen und sich von ihrem fordernden Job erholen. Doch ihre Gedanken sind zurzeit immer bei ihren Eltern.

„Man möchte sie besuchen und in den Arm nehmen.“
Birgit Fälker

Die 58-Jährige arbeit als Intensiv-Krankenschwester im Dorset County Hospital in der gleichnamigen Grafschaft im Südwesten Englands. Mit ihrem Mann lebt sie seit 29 Jahren auf der Insel, zuerst in London, mittlerweile in Dorchester.

Wenig Infektionen im dünn besiedelten Südwesten

Über das, was sie auf ihrer Station im Krankenhaus erlebt, möchte Birgit Fälker nicht gern sprechen. Da fühlt sie sich an ihre Schweigepflicht gebunden. Sie erlebt in Großbritannien insgesamt allerdings eine womöglich mit Deutschland ganz gut vergleichbare Situation.

Birgit Fälker aus Fröndenberg lebt und arbeitet seit 29 Jahren in England. Sie liebt die Küste im Südwesten, hier der Ringstead Beach an der Jurassic Coast.

Birgit Fälker aus Fröndenberg lebt und arbeitet seit 29 Jahren in England. Sie liebt die Küste im Südwesten, hier der Ringstead Beach an der Jurassic Coast. © privat

Im dünner besiedelten Südwesten, in Dorset, Devon, Cornwall, sind die Infektionszahlen nicht so hoch wie im Moment in den Metropolen London, Manchester und Birmingham.

Das hänge zum Teil auch mit den Familienstrukturen zusammen: große Familien auf kleinem Raum, sprich Wohnungen oder kleine Häuser, in denen mehrere Generationen unter einem Dach zusammen leben. Birgit Fälker: „Wenig Platz und zwei Meter Abstand zwischen den Familienangehörigen sind da schon ein großes Problem.“

„Es ist schwierig, darüber nachzudenken, dass wir noch nicht einmal im Notfall nach Hause fliegen können.“
Birgit Fälker

Unterdessen treibt sie persönlich eine ganz private Sorge um: Besuche bei ihren betagten Eltern auf dem Mühlenberg. Es sei für sie wie vermutlich viele andere Berufstätige auf der Insel „schwierig, darüber nachzudenken, dass wir noch nicht einmal im Notfall nach Hause fliegen können, sollte etwas mit der Familie sein“, schreibt Birgit Fälker per E-Mail an diese Redaktion.

Zwei Wochen Quarantäne bei Einreise

Tatsächlich soll nach einem Vorschlag der Bundesregierung, ab dem 10. April nicht nur ein triftiger Grund für eine Einreise nach Deutschland vorliegen müssen, sondern auch deutsche Staatsbürger müssen sich demnach künftig zunächst in eine zweiwöchige Quarantäne begeben.

Birgit Fälkers Vater wird im Mai 87, ihre Mutter ist 83 Jahre alt. In diesen Tagen telefoniert sie regelmäßig mit ihnen, „aber es ist natürlich nicht dasselbe. Man möchte sie besuchen und in den Arm nehmen.“

„Wir haben Glück ein Haus mit einem Garten zu haben,wo wir dann doch wenigstens ein wenig entspannen können.“
Birgit Fälker

Ihre Schwester Daniela übernimmt jetzt das Umsorgen der Eltern noch stärker als sonst. „Sie ist die größte Hilfe und ich bin ihr unendlich dankbar, dass sie immer für unsere Eltern da ist“, freut sich Birgit Fälker aus der Ferne.

Im Dorset County Hospital erfährt sie von ganz ähnlichen Gefühlen ihrer vielen Kolleginnen und Kollegen, die aus anderen Ländern stammen, ob von den Philippinen, aus Indien, Bulgarien oder Italien. „Ich denke, alle Menschen, egal in welchem Land sie leben oder wo ihre Familien sich befinden, leben im Moment in Angst, dass sie sich nicht wiedersehen werden.“

Relationen wahren: „Uns geht es noch recht gut“

Birgit Fälker findet aber auch, dass man die Relationen wahren muss. Im Vergleich zur erbärmlichen Situation syrischer oder der Rohingya-Flüchtlinge und der Bewohner des Gaza-Streifens „geht es uns noch recht gut und das sollten wir auch nicht vergessen“.

Und so freut sie sich über das Glück, ein Haus mit einem Garten zu besitzen, wo sie und ihr Mann dann doch wenigstens ein wenig entspannen oder, wie schon der Vater, Gemüse anbauen können.

Dort lernt man dann wieder, sich an den kleinen schönen Dingen des Lebens zu erfreuen: „Bäume voller Vögel, die einem die Ohren vom Kopf futtern, einen Teich mit Lurchen und Fröschen und die Igel sind auch aus dem Winterschlaf aufgewacht und sausen abends über die Wiese . . .“.

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