Peinliche Partys mit der WhatsApp-Gruppe: Die ersten Zehn feiern mit, der Elfte ist raus

dzMit Video: Party in Corona-Zeiten?

Feiern mit dem Coronavirus? Junge Leute werden erfinderisch, um trotz strenger Vorschriften etwas Spaß zu haben. Was man immer wieder hört: Die WhatsApp-Gruppe ist die Eintrittskarte – wenn man schnell genug reagiert.

Fröndenberg

, 23.10.2020, 17:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

Alte Freunde treffen, Bekanntschaften machen – in der Corona-Pandemie nicht so leicht. Teenager suchen nach Wegen, wie trotz Ansteckungsgefahr zusammen gefeiert werden kann. „Peinlich“ kann das sein, sagt ein 15-Jähriger.

»Man wollte Partys machen – gerade in den Ferien.«
Laurin Schuldt (15)

#krass zu vermissen – eine junge Frau zog in dieser Woche einen Shitstorm auf sich, weil sie vor einer TV-Kamera zugab, Partys „krass zu vermissen“ und nun endlich wieder Party machen will – trotz Corona.

#krass zu vermissen: Junge Frau löst Shitstorm aus

Die vielleicht 17-Jährige hat zumindest eines wohl mehr als treffend ausgedrückt: die Stimmungslage einer ganzen Generation. „Man wollte Partys machen – gerade in den Ferien“, erzählt Laurin Schuldt. Aber wie, wenn maximal 50, 25 oder 10 Leute zusammenkommen dürfen – so genau weiß das eh keiner mehr, weil sich die Regeln ständig ändern.

Jetzt lesen
Video
Garagenpartys mit der WhatsApp-Gruppe
»Der Elfte ist raus.«
Simon Sommer (19)

„Das ist schon nervig“, sagt der 15-jährige Schüler aus Frömern. Die Jugendfreizeit, bei der er immer mitfährt, fiel auch aus. Neue Leute will er immer kennen lernen. In diesem Sommer konnte er das fast völlig vergessen.

Maximal zehn aus der WhatsApp-Gruppe feiern mit

Zumindest mit seinen guten Kumpels wollte Simon Sommer trotz aller Corona-Hürden feiern, was trinken, einfach zusammen chillen. Zu zehnt ging das zuletzt noch.

Jetzt lesen
»Beim Kollegen in der Garage – zu zehnt.«
Thomas Stroff (19)

Also hat er in die WhatsApp-Gruppe geschrieben, dass er mit maximal zehn Leuten feiern wolle. „Der Elfte ist raus“, sagt der 19-Jährige, der gerade ein Freiwilliges Soziales Jahr in der Evangelischen Kirchengemeinde Frömern ableistet.

Wer kommt, wer darf nicht dabei sein?

Die Verantwortung spüren sie offenbar. „Man kommt sich schon schlecht vor, wenn man die Regeln nicht einhält“, gibt die 17-jährige Judith Lippert zu. Man muss aussieben: Wer kommt, wer darf nicht dabei sein?

Kommen plötzlich doch mehr als die erlaubte Gruppe zusammen – wie reagiert man da? „Man kann schon sagen: Stopp! Ich will das nicht“, sagt Laurin Schuldt, „aber das ist schon komisch. Das ist peinlich.“

Jetzt lesen
Keine Partys,, keine Abi-VoFi-Feten und kein Umarmen: Jugendliche aus Fröndenberg erzählen von ihren Belastungen in der Corona-Zeit, v.l. hinten Lauri Schuldt (15), Tom Zeppan (20), Simon Sommer (19) und Thomas Stroff (19); vorn v. l. Judith Lippert (17) und Ruth Lippert (16).

Keine Partys,, keine Abi-VoFi-Feten und kein Umarmen: Jugendliche aus Fröndenberg erzählen von ihren Belastungen in der Corona-Zeit, v.l. hinten Lauri Schuldt (15), Tom Zeppan (20), Simon Sommer (19) und Thomas Stroff (19); vorn v. l. Judith Lippert (17) und Ruth Lippert (16). © Marcus Land

»Man schützt nicht nur sich, sondern die anderen. Eltern und Großeltern.«
Simon Sommer (19)

Im Sommer war es ja noch halbwegs leicht. Man traf sich im Garten zuhause, im Freibad, manchmal auch an der Ruhr. „Aber jetzt wird es Winter . . .“, mag Judith Lippert gar nicht an die dunkle kalte Jahreszeit denken.

Eltern haben Angst: Nicht zu viele Kontakte!

Mal eben ausweichen? Gar nicht so einfach. Immer wieder andere Freunde einladen – war da nicht was mit Kontaktverfolgung? „Manche Eltern haben Angst – da sitzen dann in der Gartenhütte immer dieselben“, weiß Simon Sommer.

In ihrer Not wurden sie erfinderisch. Thomas Stroff erzählt, wie sie endlich mal wieder zusammen ein oder zwei Kästen Bier leer machen wollten. „Beim Kollegen in der Garage – zu zehnt“, wie der 19-Jährige betont.

Fröndenberg ist ihnen fürs Feiern auch eigentlich groß genug, auch wenn Tom Zeppan (20) die Fahrten in die Clubs nach Dortmund schon vermisst. Was alle eint: Keiner meckert so richtig über die mittelprächtige Situation.

Simon Sommer hört keinen Widerspruch: „Man muss es akzeptieren. Man schützt nicht nur sich, sondern die anderen. Eltern und Großeltern.“

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Weihnachten in Fröndenberg
Weihnachtsbeleuchtung in Fröndenberg: Trotz Corona gehen die Lichter an
Hellweger Anzeiger Deutsche Knochenmarkspenderdatei
Stammzellen-Spende: Wie der Fröndenberger Torben Böcker einer Frau in den USA half
Hellweger Anzeiger Beißattacke auf „Steini“
Beißhund in Dellwig: Fröndenberger Ordnungsamt prüft Maulkorb- und Leinenpflicht
Hellweger Anzeiger Kriminalität
Enkeltrick: Opfer aus Fröndenberg könnte Tatverdächtige in U-Haft identifizieren