Corona-Zwangspause traf Wirtin Tanja Vogt im Landgasthof Hölzer mitten im Umbruch

dzGastronomie in Fröndenberg

In mehr als 150 Jahren hat der Landgasthof Hölzer Kriege, Krisen und kalte Küche erlebt – aber acht Wochen am Stück schließen, das gab es noch nie. Wirtin Tanja Vogt traf die Pandemie mitten im Umbruch.

Fröndenberg, Hohenheide

, 19.05.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein Tisch auf der kleinen Terrasse ist an diesem Sonntagabend von einem Ehepaar besetzt, im Wirtsraum zwei weitere Tische – offenbar ebenfalls von einem Ehepaar und einer vierköpfigen Familie.

»Ich glaube, die Leute bestellen auch, um uns zu helfen.«
Tanja Vogt

Tresengespräche und Gelächter an Stammtischen? Fehlanzeige. Es ist ein ruhiger Auftakt im Landgasthof Hölzer in der ersten Woche nach dem Neustart. Am Samstag hatte die Küche schon wieder das ein oder andere Essen mehr zubereitet.

Einige Gäste hatten auch erneut etwas von der Karte zum Abholen bestellt. Gerade das rührte Tanja Vogt in den vergangenen Wochen sehr.

„Die Leute könnten sich sicherlich auch selbst etwas kochen – aber ich glaube, Sie bestellen auch, um uns zu helfen“, erzählt die Inhaberin des Gasthofs, die an diesem Abend selbst serviert.

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Tanja Vogt, Inhaberin des Landgasthofs Hölzer, hatte den Betrieb erst im August 2019 nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters übernommen. Schon wenige Monate später muss sie sich mit der Corona-Pandemie auseinandersetzen.

Tanja Vogt, Inhaberin des Landgasthofs Hölzer, hatte den Betrieb erst im August 2019 nach dem plötzlichen Tod ihres Vaters übernommen. Schon wenige Monate später muss sie sich mit der Corona-Pandemie auseinandersetzen. © Marcus Land

Tanja Vogt ist die Tochter von Gerd Hölzer, der das traditionsreiche Lokal über Jahrzehnte führte. Der gelernte Koch hatte neben Wirtschaft und Speiselokal vor Jahren noch den Hotelbetrieb aus der Taufe gehoben – mit Erfolg.

Überraschender Tod von Vater Gerd Hölzer

Überraschend starb das Urgestein von der Hohenheide im vergangenen Juni. Tanja Vogt stand vor einer schicksalhaften Frage: Einen tollen Job bei der Dorint-Hotelkette hatte die Hotelfachfrau und studierte Betriebswirtin damals. Und dann war da dieses Erbe, das stets mit Herzblut geführte gastliche Haus mit seinen Angestellten – im August 2019 entschied sich Tanja Vogt für den Landgasthof. Auch Birgit Schmitz, die Lebensgefährtin ihres Vaters, blieb als helfende Hand dabei.

Vorbildliche Desinfektionsstation am Eingang: Vorgeschriebene Schutzmaßnahmen wie die Spender mit Desifektionsmittel müssen die Restaurants und Kneipen, wie hier beim Landgasthof Hölzer auf der Hohenheide, aus der eigenen Tasche bezahlen.

Vorbildliche Desinfektionsstation am Eingang: Vorgeschriebene Schutzmaßnahmen wie die Spender mit Desinfektionsmittel müssen die Restaurants und Kneipen, wie hier beim Landgasthof Hölzer auf der Hohenheide, aus der eigenen Tasche bezahlen. © Marcus Land

Info

Auch Donnerstag kein Ruhetag

  • Die Gastronomie hat traditionell mindestens einmal wöchentlich einen Ruhetag. Im Landgasthof Hölzer war das seit Ewigkeiten der Donnerstag. In der Corona-Krise wurde die Tradition bereits einmal hinfällig: Die Öffnung mit Grillstand am Tag der Arbeit zog viele Gäste an.
  • Auch Christi Himmelfahrt, also der traditionelle Vater- und Wandertag, wird Hölzer nun von 12 bis 20 Uhr seine Tore öffnen.

Was es bedeutet, von einer sicheren Angestelltenposition in die Selbstständigkeit zu wechseln, bemerkte die 42-jährige Familienmutter schon lange vor Corona: Die Vorräte für die Küche wollen stets aufgefüllt werden, die Hotelgäste so begrüßt, dass sie wiederkommen, neue Gäste müssen über Hotelportale und Soziale Medien geworben werden, sie ist nun Arbeitgeberin für Kellner, Küchen- und Hotelkräfte – und dann gibt es noch so viel Bürokratie zu erledigen.

Die acht Wochen waren nun besonders hart, auch Tanja Vogt musste für zwei Mitarbeiter Kurzarbeit anmelden. Zum Glück ernährt neben ihr auch Ehemann Sebastian die vierköpfige Familie.

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Vier Wochen lang muss Wirtin Tanja Vogt wie alle Restaurant- und Hotelbetreiber die Listen mit den Namen und Kontaktdaten ihrer Gäste aufbewahren - auf diese Wiese sollen im Fall einer neuen Infektion mit dem Coronavirus die Kontaktpersonen schnell ausfindig gemacht werden können.

Vier Wochen lang muss Wirtin Tanja Vogt wie alle Restaurant- und Hotelbetreiber die Listen mit den Namen und Kontaktdaten ihrer Gäste aufbewahren – auf diese Weise sollen im Fall einer neuen Infektion mit dem Coronavirus die Kontaktpersonen schnell ausfindig gemacht werden können. © Marcus Land

„Dazu acht Wochen Home Schooling“, erzählt Tanja Vogt von einer intensiven Betreuung anderer Art für ihre Kinder Franziska (9) und Moritz (8). „Dann doch lieber das“, sagt sie halb im Ernst, aber gut gelaunt. „Das“ – damit meint sie die nicht gerade wenigen Vorschriften, die sie in Sachen Hygiene nun sehr pingelig beachten muss.

Bei jedem Handgriff an Desinfektion denken

Nachdem sie die saftigen Schweinelendchen serviert und die geleerten Biergläser eingesammelt hat, erklärt die Hohenheiderin das Prozedere: Bevor sie den nächsten Tisch bewirtet, muss sie sich – das ist strenge Vorschrift – unbedingt ihre Hände erneut desinfizieren. Schließlich könnten die Biergläser von den Gästen kontaminiert worden sein mit dem hochansteckenden Coronavirus.

»Ich setze jetzt auch auf den Radtourismus - jetzt wollen doch alle wieder raus.«
Tanja Vogt

So geht es nun seit mehr als einer Woche bei praktisch jedem Handgriff: Immer müssen sie und ihre Mitarbeiter peinlich genau daran denken, dass sie nach jedem Besuch auch Tisch und Speisekarte desinfizieren.

„Das ist mehr Aufwand“, sagt Tanja Vogt, und vernünftige Spender mit Desinfektionsmittel für ihre Gäste gingen auch ins Geld, „aber Hauptsache, es geht wieder los.“

Hoffnung, dass auf Zwangspause kein Zaudern folgt

Die ersten Monate, nachdem sie den Betrieb übernommen hatte, liefen richtig gut. Mit den Hotelzimmern hatte ihr seinerzeit belächelter Vater offenbar das richtige Näschen bewiesen. Nun hofft Tanja Vogt, dass sich an die Zwangspause keine längere Phase des Zögerns anschließt, weil die Leute noch unsicher sind.

„Ich setze jetzt auch auf den Radtourismus – jetzt wollen doch alle wieder raus“, strahlt Tanja Vogt. Denn wenn im Tal kein Zimmer mehr frei ist, sei den Radlern auch der Berg zum Landgasthof Hölzer auf der Hohenheide nicht zu steil.

Restaurants, Kneipen, Cafés und Eisdielen dürfen wieder öffnen – aber unter strengen Auflagen. Wir nehmen das zum Anlass, uns vor Ort in Fröndenberg ein Bild zu machen, wie der Betrieb in Corona-Zeiten läuft. In loser Folge stellen wir heimischen Lokale vor.
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