Mehr Internet, mehr Ideen: Corona-Lockdown machte Fröndenberger Einzelhändler erfinderisch

dzWerbering Fröndenberg

Verschlossene Türen und über viele Wochen kein einziger Euro Umsatz: Die Einzelhändler in Fröndenberg haben den Corona-Lockdown auch dank innovativer Ideen überstanden. Ein klarer Trend: mehr Internet.

Fröndenberg

, 31.07.2020, 17:13 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gut drei Monate nach der Lockerung des Corona-Lockdowns in den Geschäften, zieht der Werbering Fröndenberg eine erste Bilanz: Größere Katastrophen sind ausgeblieben – und die Einzelhändler haben sich zum Teil sogar neu erfunden.

»Wir sind auf dem Weg zum Normalbetrieb.«
Petra Wiek

Mehr als vier Wochen lang musste der stationäre Einzelhandel in März und April seine Läden geschlossen halten. Seit dem 20. April durfte nach und nach wieder geöffnet werden – eingeschränkt, mit Hygiene- und Abstandsregeln.

Viele Ladeninhaber in Fröndenberg haben aus der Not eine Tugend gemacht und ihr Geschäftsmodell überdacht: Ob Lieferservice, erstmalige Bestellmöglichkeiten im Internet oder gar eine Modenschau in Sozialen Medien – die oft als nicht mit der Zeit gehend verschrienen Geschäfte am Ort bewiesen das glatte Gegenteil.

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Noch gibt es aber keinen Normalbetrieb. „Wir sind auf dem Weg zum Normalbetrieb“, sagt etwa Petra Wiek. In ihr Uhren-Schmuck-Optik-Geschäft dürfen aber auch heute noch höchstens vier Kunden gleichzeitig eintreten – kein Wunder, dass die Umsätze immer noch geringer sind als vor der Corona-Krise.

Nebenkosten belasten Geschäftsmieter

„Wenn das zwei, drei Monate so weitergegangen wäre, hätte er seinen Laden dicht machen können“, kennt Bernd Kern allerdings auch Beispiele dafür, dass Geschäftsleute nicht weit vom Exitus entfernt waren.

Das traf vor allem auf Mieter und Pächter zu, „wenn Vermieter die Miete nicht gestundet haben“, so das Vorstandsmitglied des Werberings. Wer dagegen als Eigentümer einen Laden führte, hatte wenigstens nicht mit hohen Nebenkosten zu kämpfen.

»Es haben sich alle etwas einfallen lassen.«
Mechthild Wittmann

Allerdings – nach Kenntnis des Werberings gehört in Fröndenberg den wenigsten Ladenbesitzern das Geschäftslokal auch. Nicht nur, aber auch deswegen entwickelten viele Händler quasi Überlebensstrategien.

Für einige Branchen kamen Alternativen kaum in Frage. „Die haben sich mit 9000 Euro Zuschuss über die Runden gerettet“, weiß Bernd Kern und spielt auf die Soforthilfe für Kleinstbetriebe und Solo-Selbstständige von Bund und Land an.

Modenschau auf Facebook und WhatsApp

Regina Gnass aber zum Beispiel entdeckte das Internet dank der Corona-Krise zum ersten Mal so richtig als Marketing-Instrument für ihr Blumengeschäft. So haben Bestellungen von Schnittblumen oder Topfpflanzen auf dem Online-Weg mittlerweile sehr stark zugenommen. Schon zum Muttertag war die Nachfrage so stark, dass der Werbering in Person von Mechthild Wittmann sogar beim Ausliefern half.

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Claudia Meier von der Damen-Boutique am Bruayplatz half sich selbst: Sie spielte Model, ließ sich in neuen Kollektionen filmen und fotografieren und informierte ihre Kundinnen über Facebook und WhatsApp.

Auch ihren Service weiteten viele Geschäfte aus. Um einen längeren Aufenthalt im Geschäft zu ersparen, stellten zum Beispiel Dagmar Neithart und ihre Mitarbeiterinnen von „Schreibwaren & mehr“ bei größeren Bestellungen, etwa von Lehrern, Pakete zum Abholen zusammen.

Werbering will Marketing-Portal schaffen

„Es haben sich alle etwas einfallen lassen“, freuen sich Wolfgang Hüttner und Mechthild Wittmann, dass zumindest bislang keines der Mitglieder des Werberings hintüber gefallen ist.

Schließlich will auch der Werbering selbst in die Offensive gehen. Letztlich hat nur die Corona-Krise das Projekt eines modernen Internetportals aufgeschoben. Im Herbst soll es aber nun soweit sein.

Und dann wird der Internetkanal auch von der Interessenvertretung der Einzelhändler forciert: Die Mitglieder des Werberings sollen sich sämtlich auf dem Marketing-Portal wiederfinden und mit ihren Angeboten und Sortimenten für Stamm- oder Neukunden besser zu finden sein.

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