Fachbereichsleiter Christoph Börger (r.), hier im Marineschützenheim, das ebenfalls für die Unterbringung von Flüchtlingen ausgestattet worden war, weist auf die Privatsphäre hin, die auch in Gemeinschaftsunterkünften zu achten sei. © Archiv/Marcel Drawe
Coronavirus in Fröndenberg

Corona-Infektionsrisiko im Flüchtlingsheim: „Wir laufen dort keine Patrouille“

Hohes Infektionsrisiko bestehe in dem unter Quarantäne gestellten Flüchtlingsheim in Fröndenberg. Die Stadtverwaltung kritisiert die anonym geäußerte Behauptung und erklärt, was rechtlich erlaubt ist.

In einer Asylunterkunft an der Sümbergstraße sind zwei Männer positiv auf das Coronavirus getestet worden. Kann die Stadt verhindern, dass sich die Infektion in dem Heim ausbreitet? Die Privatsphäre darf sie jedenfalls nicht antasten.

„Infizierte Personen bleiben mit negativ getesteten in einem Haus ohne ärztliche Versorgung auf engstem Raum“, schrieb jemand per E-Mail an diese Redaktion, der namentlich nicht zu ermitteln war. Gemeint war die Gemeinschaftsunterkunft in Fröndenberg, die von 20 Männern mit Asylhintergrund bewohnt wird.

Auf Abstandsregeln muss jeder selbst achten

Christoph Börger, zuständiger Fachbereichsleiter im Rathaus, hält den namenlosen Anwurf, der auf Nachfrage nicht näher konkretisiert wurde, für gegenstandslos. Jeder Asylsuchende lebe in der Unterkunft in einem eigenen Raum; man habe das Gebäude mit Trennwänden für 20 Einzelpersonen bewohnbar gemacht.

Ob sich in dem Gebäude angesichts der Infektionen sämtliche Bewohner an Vorschriften wie Abstandsregeln halten, um weitere Ansteckungen zu verhindern, hänge letztlich wesentlich von ihrem eigenen verantwortlichen Handeln ab.

Zwar sind die Asylbewerber in der Regel verpflichtet, in einer Gemeinschaftsunterkunft zu leben. Die Stadt Fröndenberg habe insofern das Hausrecht. In ihren Zimmer leben die Bewohner indes in ihrer Privatsphäre. „Und die wird von uns auch geachtet“, sagt Christoph Börger. „Wir laufen dort keine Patrouille.“

Der private Wachdienst, den die Stadt engagiert hat, kontrolliere mindestens noch bis zum 11. November, also bis zum Ende der Quarantäne, dass niemand das Haus unerlaubt verlasse und auch keine Personen ohne triftigen Grund das Gebäude betreten.

Ein Sozialarbeiter der Stadt betreue die Flüchtlinge zudem regelmäßig, betrete die Unterkunft allerdings ebenfalls nicht. Er hinterlege zum Beispiel Hygieneartikel und andere Dinge des täglichen Bedarfs.

Ärztliche Versorgung wird gewähreistet

In Kooperation mit dem Malteser Hilfsdienst werde zudem täglich zubereitetes Essen ausgegeben. Auch die Betreuer des Patenschaftskreises Fröndenberg bringen regelmäßig Obst oder Lesestoff vorbei.

Als besonders ungerechtfertigt verurteilt Christoph Börger die Unterstellung, es gebe keine ärztliche Versorgung. Man beeile sich ganz im Gegenteil, benötigte Rezepte oder Medikamente zu besorgen. „Das wird alles erledigt.“

Unterdessen waren der Stadt bis zum vergangenen Freitag noch keine Ergebnisse nach den zweiten Abstrichen bei den Bewohnern bekannt.

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Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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