Comedy zwischen Gangster-Rap und Goethes Faust

dzÖzgür Cebe in der Kulturschmiede

Özgür Cebe kokettierte bei seinem Auftritt in der Fröndenberger Kulturschmiede mit seinen türkischen Wurzeln. Manche Voreingenommenheit stellte der Comedian dabei bloß.

von Sebastian Pähler

Fröndenberg

, 09.12.2018, 14:36 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein bisschen Gangsterrap, ein bisschen Hochkultur verschmelzen bei Özgür Cebe zur lustigen und nachdenklichen Fusion aus Comedy und Kabarett. Das ist auch einer der Gründe, warum der in Bielefeld geborene und in Bonn lebende Kabarettist mit den türkischen Vorfahren den Namen seines Programms geändert hat.

Nicht mehr „plaCEBEeffekt – Warum bin ich so fröhlich“ heißt die Show, die die Zuschauer am Freitag in der Kulturschmiede zusehen bekamen, sondern „Ghettos Faust“. „In mir steckt beides“, erklärte Cebe zu Beginn der Veranstaltung den Namenswechsel. „Ich habe ein bisschen Ghetto in mir und ein bisschen Faust, von Goethe natürlich“. Damit machte er von Anfang an klar, in welchen Spannungsfeld er sich sein ganzes Leben bewegt. Aufgewachsen im Bonner Problembezirk Tannenbusch sind Vorurteile nicht fremd. „Da gab es nur eine ausländische Familie“, scherzte er über das Viertel seiner Kindheit und Jugend, „die Familie Schulz“. In seinem persönlichen Fall könnten Realität und Klischee aber kaum weiter auseinander liegen. So vermuteten immer alle, er sei in einem islamischen Haushalt aufgewachsen. „Damit kann ich nicht dienen. Mein Vater war Alt-Revoluzzer, meine Mutter Sozialpädagogin. Ich war auf der Walldorfschule. Aber nur zwei Jahre. Ich konnte keine Ö-Strichelchen tanzen“, so Özgür Cebe, der sich später zum Schauspieler ausbilden ließ und unter anderem in der Lindenstraße zu sehen war.

In Frönenberg war Cebe am anderen Ende des Spektrums seines Publikums

In Fröndenberg war Cebe definitiv am anderen Ende des Spektrums seiner Zuschauerschaft, als er es in den großen Städten für gewöhnlich ist. Sein Appell an junge Migranten, nicht neben den Deutschen her zu leben, sondern raus zu gehen und mit den Alteingesessenen ein Zusammenleben zu gestalten, wurde zwar anerkannt, fand aber im vollbesetzten Markus-Lüpertz-Saal keinen direkten Empfänger. Die gerappte Version von Goethes „Faust“ war aber wieder etwas für alle Generationen. Für Cebe stellt das kein Problem dar, denn er kann eben beides bedienen, Comedy- und Kabarett-Publikum. So berichtete er von einer Pointe, über die Schwierigkeit zwischen zwei Kulturen aufzuwachsen. „Als kleines Kind habe ich geglaubt, Karl Marx wäre der Weihnachtsmann“. Das sei aber auch ein verständlicher Irrtum, „Ein Typ, der die ganze Zeit mit Engels rumhängt“. Beifall und Lacher. „Ich bin so froh, dass der hier verstanden wird.“ Seinem jüngeren Publikum müsse er den Gag oft erklären.

Natürlich beschäftigte er sich nicht ausschließlich mit seiner eigenen Biographie und auch das Thema Migration wollte er nicht durchgehend bedienen. So ließ er sich etwa über Verschwörungstheoretiker aus, die glauben, dass Außerirdische die Pyramiden gebaut haben oder die Erde eine Scheibe ist. Auch aktuelle Politik spielte eine Rolle, so stelle er sich vor, dass Trump von George W. Bush erfunden wurde, damit er nicht mehr für den schlechtesten US-Präsidenten gehalten wird. Alles in allem fand das Jahresprogramm in der Kulturschmiede mit Özgür Cebe einen amüsanten und viel beklatschten Abschluss.

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