„Mit Spuckschutz schmeckt doch kein Bier“: Christel Püttmann lacht das Coronavirus weg

dzGastronomie in Fröndenberg

Das Landhaus Püttmann liegt in Frömern, ist aber Dorfkneipe für alle Orte ringsum. Dem Kneipensterben hat das Traditionslokal widerstehen können. Frohnatur Christel Püttmann trotzt nun dem Coronavirus.

Fröndenberg, Frömern

, 03.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Christel Püttmann lacht. Trotz Coronavirus. Trotz geschlossener Theke. Und trotz des seit Monaten leeren Tanzsaals. Die Wirtin will sich von der Pandemie einfach nicht unterkriegen lassen. Und über tanzwütige Senioren muss sie auch wirklich etwas schmunzeln.

»Spuckschutz an der Theke? - Dann schmeckt doch kein Bier.«
Christel Püttmann

„Ist denn noch kein Tanz?“ - Als eine ältere Dame ihr kürzlich, förmlich mit den Hufen scharrend, diese Frage stellte, zuckte Christel Püttmann mit den Achseln. „Ja, wie soll‘s denn gehen?“, fragte sie zurück - ganz freundlich, wie es ihre Art ist.

Aber verblüfft war sie schon, dass ausgerechnet jene, die allein altersmäßig zu den Risikogruppen zählen, schon wieder eine kesse Sohle aufs Parkett legen wollen. Tanzen ist noch verboten, Abstand und Mundschutz dabei auch schlecht vorstellbar. Deswegen ist der große Saal im Landhaus auch weiter tabu für Tanzpaare, genau so wie für Entertainer Thomas Weber.

Was die Wirtin so liebt, ist noch verboten

Himmelfahrt durfte Christel Püttmann zwar nach vielen Wochen wieder die ersten Gäste begrüßen. Ein Väterstammtisch hat sich auch schon wieder getraut. Der Biergarten ist an sonnigen Tagen gut besucht - alles auf 1,5 Meter Abstand, versteht sich. Doch längst ist noch nicht alles wie vorher.

Jetzt lesen
Stück für Stück zurück zur Normalität: Sitzkissen durfte Christel Püttmann vor einigen Wochen wegen des Coronavirus noch gar nicht auslegen.

Stück für Stück zurück zur Normalität: Sitzkissen durfte Christel Püttmann vor einigen Wochen wegen des Coronavirus noch gar nicht auslegen. © Udo Hennes

Nicht nur der Seniorentanz fällt weiter aus, auch der Bläserchor vom Hegering Unna muss sich noch gedulden. „Die dürfen auch noch nicht pusten“, sagt Christel Püttmann - lachend, versteht sich.

Das Knobeln, Schunkeln und Singen am Tresen, das was die Wirtin selbst so liebt an ihrer Kneipe - das fehlt einfach. Einen Spuckschutz an der Theke von der Decke baumeln lassen? Christel Püttmann schüttelt den Kopf: „Dann schmeckt doch kein Bier.“

Info

Sonntags gibt‘s jetzt Kaffee und Kuchen

  • Im Bier- und Wintergarten hat das Landhaus Püttmann täglich, außer montags, wieder Betrieb.
  • Geöffnet ist von 17 bis 22 Uhr; sonntags bereits ab 15 Uhr. Dann gibt es neuerdings auch Kaffee und Kuchen.
  • Gesellschaften bis zu 50 Personen kann Christel Püttmann im kleinen oder im großen Saal unter den gebotenen Schutzvorkehrungen ebenfalls bewirten.

Natürlich, das Landhaus ist Eigentum, das hilft ihr in der Krise. Wenn sie auch - lachend - abwinkt: Das heiße ja nicht, dass sie monatlich die ganzen Abgaben für Haus und Grund nicht trotzdem bezahlen müsste - eine Quasi-Pacht.

Sie räumt aber ein: „Pächter hier wären wohl schon den Bach runter gegangen.“

1989 hat Christel Püttmann die Wirtschaft von ihrer Mutter übernommen. Ihr Großvater Dietrich Niggemann hatte 1928 das Haus gekauft, den Saal angebaut. Seit Jahrzehnten hat „Püttmann“ in der Gegend einen Namen.

„Püttmann“ ist noch viel mehr zur Pilgerstätte für Kneipengänger, Stammtische oder Ausflügler geworden, als in den Nachbarorten das Kneipensterben einsetzte: Dellwig, Langschede, Ardey, Ostbüren - allesamt Dörfer ohne Zapfhahn.

Die Hotel-Idee von Dieter Püttmann war Gold wert

Die 71-Jährige will diese wohl größte Krise meistern. „Ich dachte mal, ich mache das hier fünf Jahre, jetzt sind es 31“, sagt sie. Was dem Landhaus schon vor der Krisenzeit sicherlich auch geholfen hat, ist eine Idee ihres vor vier Jahren verstorbenen Mannes Dieter: Der ließ die oberen Etagen in Fremdenzimmer umbauen. Hochzeiter wünschten sich das häufig. Jetzt kommen auch Touristen.

Jetzt lesen
Den großen Saal baute bereits Christel Püttmanns Großvater Dietrich Niggemann an das Haus an. Gesellschaften bis zu 50 Personen dürfen hier wieder bewirtet werden. Allein Tanz ist noch tabu.

Den großen Saal baute bereits Christel Püttmanns Großvater Dietrich Niggemann an das Haus an. Gesellschaften bis zu 50 Personen dürfen hier wieder bewirtet werden. Allein Tanz ist noch tabu. © Udo Hennes

Denn das Landhaus Püttmann ist seit 2013 auch ein kleiner Hotelbetrieb mit sechs Zimmern - der praktisch schon mit dem ersten Tag Gäste lockte. Die Begegnungen im Hotel möchte Christel Püttmann nicht mehr missen: Ob die Unioner aus Berlin, denen sie nach dem verlorenen Pokalspiel beim BVB noch um 1 Uhr nachts ein kühles Bier zapfte, oder der Messebesucher der Intertabak aus Guatemala, der in ihrem Biergarten seine dicke Zigarre paffte.

»Die wollen bei mir ihren 81. Geburtstag groß feiern.«
Christel Püttmann

Vielleicht zwei Zimmer hat sie in der Corona-Hochzeit vermieten können; mittlerweile sind mindestens fünf wieder andauernd belegt. Ganz oft mit Radtouristen, die wegen der Viruspandemie in Deutschland urlauben. „Eigentlich wären wir auf Kuba“, erzählten Gäste schon.

Zum vollkommenen Glück fehlt Christel Püttmann, die den Laden mit einer festen Kraft und einigen Minijobbern schmeißt, jetzt noch die Wiederaufnahme von Theken- und Saalbetrieb.

Nur 50 Personen - dann wird eben von der Gästeliste gestrichen

Gesellschaften bis zu 50 Personen darf und kann sie ja schon wieder bewirten. Doch nicht wenige Gäste sind immer noch zögerlich. Andere würden auch Namen von ihrer Gästeliste streichen, um nur ja runden Geburtstag feiern zu können, hat man ihr schon verraten.

Was von März bis Mai, ob Hochzeiten, Jubiläen oder Konfirmationen, verloren ging, kann Christel Püttmann in diesem Jahr nicht mehr aufholen. Doch wie sehr ihr und dem Landhaus Püttmann offenbar auch die Gäste helfen wollen, hat die fröhliche Wirtin schon zu spüren bekommen.

Goldhochzeiten und runde Geburtstage, die ausfielen, wollen die Leute nächstes Jahr nachholen. „Die wollen dann bei mir ihren 81. Geburtstag groß feiern“, erzählt Christel Püttmann - lachend, na klar, aber diesmal auch etwas gerührt.

Restaurants, Kneipen, Cafés und Eisdielen dürfen wieder öffnen – aber unter strengen Auflagen. Wir nehmen das zum Anlass, uns vor Ort in Fröndenberg ein Bild zu machen, wie der Betrieb in Corona-Zeiten läuft. In loser Folge stellen wir heimischen Lokale vor.
Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Natur in Fröndenberg
Albino-Nutria auf der Kiebitzwiese könnte Vorfahren in einer Pelzfarm haben
Hellweger Anzeiger Maskenpflicht im ÖPNV
Westfalenbus wirft Masken-Muffel raus – aber in Fröndenberg droht so schnell kein Bußgeld
Hellweger Anzeiger Winschotener Straße / Im Stift
Bei ihrer neuen Fußgängerzone sollen die Fröndenberger ein Wörtchen mitreden
Hellweger Anzeiger Digitales Schützenfest
Schützenverein Langschede: Von verbuddelten Ketten und einem Pastor als Schützen
Hellweger Anzeiger Gesamtschule Fröndenberg
Sanierungsarbeiten an der Gesamtschule: „Wenn die Schüler kommen, sind wir fertig“