Celloherbst: Musikalischer Ausdruck tiefster Menschlichkeit in Fröndenberg

dzContrabajando im Konzert

Das Ensemble Contrabajando bringt Piazzollas Tango Nuevo in die Kulturschmiede. Und sorgt damit für einen außergewöhnlichen Konzertabend.

von Rainer Ehmanns

Fröndenberg

, 14.10.2018, 12:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Bude voll – toll! Schön, dass ihr alle da seid. Willkommen zum Cellosommer!“ Angesichts des warmen Herbsttages ist Frank Schröers Versprecher nachvollziehbar. Spürbar ist seine Freude und die des Vereins „Kultur für uns“ über die Rückkehr des Celloherbstes nach Fröndenberg mit zwei Konzerten. Das Ensemble Contrabajando macht am vergangenen Samstagabend im optimalen Ambiente der Kulturschmiede mit Tangos von Astor Piazzolla den Anfang.

Wer kennt sie nicht, die mittlerweile zu Klassikern gewordenen Titel, deren Musik zum Schwärmen verführt, zu Tränen rührt oder durch ihren unnachahmlichen Rhythmus einfach mitreißt? Da wird fast programmatisch zu Beginn die Figur des „Pigmalion“ beschworen, dessen Kunst und Liebe die von ihm geschaffene Galatea zum Leben erweckt. Das Ensemble Contrabajando ist dieser Bildhauer: Sabine Böker-Kaminsky am Klavier meißelt den synkopischen Rhythmus und modelliert die Formen in flüssigem Spiel, Stefanie Schulte Hoffmanns Akkordeon zeichnet gefühlvoll feine Konturen, sinnliche Wärme atmet Felicitas Stephans Cello, elegante Lichter setzt Wolfgang Lehmanns Gitarre, während Uli Bärs Kontrabass das sichere Fundament stellt.

Die Engel-Suite – Milonga, La muerte und Resurrección del Angel – formt die Geschichte des Tangos nach: dessen ehemals „schmutzige“ Existenz in Kaschemmen und Bordellen, Untergang und Auferstehung im Tango Nuevo.

Piazzolla ehrt darin mit einem schönen Klavier-Solo seine Lehrerin Nadja Boulanger, die ihn erst zu dieser, „seiner“ Musik ermuntert hat.

Sinnliches Gespür und wechselnde Gefühle am Cello

Buck Wolters‘ rassiger „Fuego Negro“ reißt einfach mit, Bragatos „Milontan“ entführt mit wunderschönen Cello-Kantilenen ins Land der Sehnsucht. „Sommer“ und „Winter“ zeigen ein Ensemble, das mit sinnlichem Gespür die wechselnden Gefühle beredt zum Ausdruck bringt: Es singt unendliche Sehnsucht, erinnert wehmütig an unwiederbringliche Momente, beklagt die Einsicht in die Unabänderlichkeit der Realität und macht sie durch diese Musik erträglicher.

Ob der rastlose Höllenritt „Vayamos“ oder die zu Tränen rührende „Oblivion“, ob der unbändige „Libertango“ oder das wehmütig-liebevolle „Adios Noniño“ – alle Tangos Piazzollas sind Ausdruck tiefster Menschlichkeit und machen diesen Abend für die begeisterten Zuhörer zu einem besonderen. re

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Straßenbeleuchtung

Trotz Überfall auf Frau in Fröndenberg Zögern bei Kosten für mehr Straßenlaternen

Hellweger Anzeiger Kinder- und Jugendarbeit

Pfarrer aus Fröndenberg und Holzwickede schreiben Bittbrief an Politiker in Unna

Hellweger Anzeiger Erfahrungsbericht zum Welt-Alzheimertag

Per Notlüge durch den Alltag: Leben mit demenziell veränderten Menschen

Hellweger Anzeiger Glosse

Pornostar auf der Fliegenschisskirmes: Erwachsene vergessen im Netz ihre gute Kinderstube

Meistgelesen