Busfahrplan: Neue Eskalationsstufe bei Vorfall am Montagmorgen – jetzt reagiert Westfalenbus

dzÖPNV

Der neue Fahrplan von Westfalenbus bleibt ein Fiasko: Am Montag erreichte die Diskussion um den morgendlichen Schülerverkehr eine neue Eskalationsstufe. Doch nun kündigt das Unternehmen offiziell Änderungen an.

Fröndenberg

, 20.01.2020, 17:29 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Konflikt um das Fröndenberger Fahrplanfiasko erreicht eine neue Eskalationsstufe. Nach Informationen dieser Redaktion hat ein Fahrer der Buslinie R70 am Montagmorgen Schüler mit Verweis auf den zu vollen Bus nicht einsteigen lassen.

Kinder an Haltestelle in Ostbüren zurückgelassen

Demnach blieben die Kinder an einer Haltestelle in Ostbüren zurück, von wo aus sie vor der kürzlich in Kraft getretenen Fahrplanumstellung eigentlich noch problemlos jeden Tag zur Schule nach Unna fahren konnten. Seitdem aber statt zwei Bussen nur noch einer von Fröndenberg gen Kreisstadt fährt, beschweren sich Schüler und Eltern über unsägliche Zustände.

Der völlig überfüllte Bus im morgendlichen Pendlerverkehr von Schülern ist nur eines von vielen Problemen; aber vielleicht das drängendste von allen.

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Bereits am Freitag vergangener Woche belegte die Recherche dieser Redaktion vor Ort, dass die Hinweise besorgter Eltern auf katastrophale Zustände keineswegs übertrieben sind: Schüler standen mitunter sogar im Fahrerbereich, wo sie sich nicht festhalten können – fahrlässig, weil schlimmstenfalls lebensgefährlich; und deshalb auch gar nicht erlaubt.

„Wenn ein überladener Schweinetransporter eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer (und die Schweine) ist, wieso ist es ein überladener Schulbus nicht?“
Eltern einer betroffenen Schülerin

Mit Verweis auf die Berichterstattung dieser Redaktion über einen wegen Überladung angehaltenen Viehtransport am Freitag auf der A2 bei Kamen schrieben nun die Eltern einer vom Fröndenberger Buskonflikt betroffenen Schülerin an die Redaktion: „Wenn ein überladener Schweinetransporter eine Gefahr für andere Verkehrsteilnehmer (und die Schweine) ist, wieso ist es ein überladener Schulbus nicht?“

Busfahrern drohen bei zu vielen Fahrgästen Bußgelder

Natürlich gibt es auch für die Personenbeförderung Regeln. Unter anderem dürfen nicht mehr Personen befördert werden, als Sitz- und Stehplätze zugelassen sind (§34a StVZO) – daran ändert auch die im Personenbeförderungsgesetz geregelte Beförderungspflicht (§22 PBefG) nichts.

Dem Busfahrer, der am Montag Schüler an der Haltestelle hat stehen lassen, ist deshalb gar kein Vorwurf zu machen – ihm droht schließlich ein Bußgeld, wenn er zu viele Fahrgäste einsteigen lässt. Wohl aber dem Unternehmen Westfalenbus, das als Konzessionsnehmer verantwortlich ist für das Fahrplanfiasko.

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Und jetzt reagiert das Unternehmen auch. Torsten Schreckenberg, Westfalenbus-Marktmanager, kündigte am Montag Anpassungen des Fahrplans in Fröndenberg an, die zum 3. Februar inkrafttreten sollen. Demnach soll unter anderem die Linie R70 morgens zwei Mal ab Hohenheide zu den Gymnasien in Unna fahren. Grundsätzlich sei es aber nicht so, dass jeder Fahrgast das Recht auf einen Sitzplatz oder die Beförderung habe.

Bahn: „Das darf und sollte nicht sein“

Dennoch: Schülerinnen und Schüler in der Dunkelheit an der Straße stehen lassen, sei nicht in Ordnung, sagte auch ein Sprecher der Deutschen Bahn als Westfalenbus-Mutterkonzern. „Das darf und sollte nicht sein.“ Auch Schüler ohne Fahrkarte sollten im Dunkeln nicht stehen gelassen werden. In der Regel passten einzelne Kinder immer noch irgendwie rein, hieß es vonseiten der Bahn. Wenn es regelmäßig zu derartigen Situationen komme, seien auch die Busfahrer in der Pflicht, das Problem weiterzuleiten, sodass die zuständigen Verkehrsunternehmen reagieren können.

Manche Familien organisieren derweil bereits Elterntaxis, um ihre Kinder zuverlässig und vor allem sicher zur Schule zu bringen. Dabei haben sie den Eigenanteil für das FlashTicket bezahlt, das überdies von der Stadt Unna als Trägerin der Unnaer Gymnasien subventioniert wird. Für Eltern ist das Desaster mit den neuen Busfahrplänen also auch in finanzieller Hinsicht ein Ärgernis.

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