Der (un-)freiwillige Verzicht auf Ämter setzt die SPD Fröndenberg einem Verdacht aus

dzAnalyse

Die SPD Fröndenberg hat das Bürgermeisteramt erfolgreich verteidigt, ein Fraktionsmitglied vorgeführt und sich bei Posten im Stadtrat hintan gestellt. Die Personalien der letzten Wochen legen Schlüsse nah. Eine Analyse.

Fröndenberg

, 13.11.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die SPD steht in der Fröndenberger Stadtverwaltung an der Spitze, ordnet sich im Stadtrat aber ins vorletzte Glied ein. Die ominöse Niederlage bei der Vize-Bürgermeisterwahl und der Verzicht auf prestigeträchtige Posten in Fachausschüssen machen heimliche Absprachen offenkundig.

Jetzt lesen

Wer neuer hauptamtlicher Bürgermeister in Fröndenberg werden würde, stand vor dem Termin der Stichwahl am 27. September auf Messers Schneide. Die Kandidaten von CDU und SPD, Heinz-Günter Freck und Sabina Müller, lagen nahezu gleich auf bei jeweils rund 30 Prozent der Stimmen.

Prognose vor der Stichwahl wird nach Empfehlung sicherer

Wer eine Prognose über den Sieger oder die Siegerin der Stichwahl abgeben wollte, bewegte sich einige Tage nach dem ersten Wahldurchgang am 13. September im Raum der Spekulationen.

Jetzt lesen

Gewisser wurde der Ausgang der Stichwahl erst, als sich nach einigen Tagen zunächst die FWG insgesamt und danach auch der unterlegene Mitbewerber der Grünen für SPD-Frau Sabina Müller aussprachen und den in Runde eins noch Matthias Büscher und Frank Schröer zugeneigten Wählern ein entsprechendes Kreuzchen auf dem Stimmzettel empfahlen.

Dass Sabina Müller am Abend des 27. Septembers mit mehr als 60 Prozent der Stimmen als strahlende Siegerin ins Ziel einlief – die meisten Beobachter, so schien es jedenfalls, mochte dieses Ergebnis ob der vorangegangenen Wahlempfehlungen nicht überraschen.

Jetzt lesen

Wer zudem annimmt, das sich ein grün schlagendes Herz immer noch besser mit einer sozialdemokratischen, denn mit einer christdemokratischen Seele vereinigen lässt, mochte auch an Frank Schröers Aufruf kaum Anstoß nehmen.

Ereignisse rund um den 4. November machen hellhörig

Wären da nicht die Ereignisse rund um den 4. November gewesen. Die SPD-Fraktion mit ihrem neuen Vorsitzenden Klaus Böning, selbst erst frisch in den Rat gewählt, erhielt bei der geheimen Wahl der Vize-Bürgermeister eine schallende Ohrfeige.

Der Schmerz war allerdings offenbar bei ihrem durchgefallenen Kandidaten Kurt Potthoff viel größer als in der Fraktion, schenkt man den Äußerungen von Böning Glauben.

Jetzt lesen

Stattdessen wird – diesmal wohl wirklich zur Überraschung aller – die grüne Kandidatin Monika Schröer, noch vor CDU-Frau Ute Gerling, neue erste stellvertretende Bürgermeisterin von Fröndenberg. Ein Novum.

Damit nicht genug hatte bereits kurz zuvor in einer nichtöffentlichen Sitzung aller Ratsfraktionen, an der auch die Verwaltung mit Sabina Müller an der Spitze teilnahm, die SPD-Fraktion auf den Vorsitz in gewichtigen Fachausschüssen des Rates verzichtet. Nutznießer: die Grünen.

Grüne erhalten überraschend Verkehrs- und Finanzausschuss

Eine bass erstaunte Andrea Molitor ist jetzt Vorsitzende des Ausschusses für Bauen und Verkehr – ein Leib- und Magen-Thema der Grünen, das sie ohne Schützenhilfe der SPD nicht an vorderster Front hätte mitgestalten können.

Das Finanzressort trauten sich die Genossen angeblich nicht zu und überließen es kurzerhand dem bisherigen Vorsitzenden: Martin Schoppmann, Finanzbeamter – und Partei- und Fraktionssprecher der Grünen.

Jetzt lesen

Und weil man sich mit den eher soften Themen Sport/Generationen sowie Kultur/Tourismus/Städtepartnerschaften begnügte, ging auch noch der angestammte Vorsitz bei Stadtentwicklung und Umwelt flöten – der übrigens dem bisherigen Ausschuss-Chef Kurt Potthoff wegen eben jener ihm angetragenen Vize-Bürgermeister Kandidatur verwehrt wurde. Potthoff steht nun mit leeren Händen da.

Personalien zum Nachteil der SPD allzu auffällig

Fehlt es der SPD-Fraktion völlig an politischem Gestaltungswillen, muss man sich fragen. Jedenfalls kann sie nicht ernsthaft behaupten, der Vorsitz in jenen Fachausschüssen, deren Beschlüsse die Entwicklung der Stadt Fröndenberg am meisten beeinflussen werden, seien nichts wert.

Im Gegenteil: Die Ausschussvorsitze werden ja eben darum nach jeder Wahl in einem ausgeklügelten System proportional und damit gerecht an die Fraktionen vergeben.

Jetzt lesen

Prestige und Proporz kümmerten die SPD diesmal nicht, Gestaltungs- und Lenkungsmacht im Rat gab die Fraktion - nur sehr schwach begründet - aus der Hand.

Es mag dieselbe Hand gewesen sein, die kurz vor der Bürgermeister-Stichwahl für einen Handel ausgestreckt wurde: eine Empfehlung zur Wahl im Tausch gegen politische Prestige- und Ehrenämter.

Die überraschend häufigen Personalien zum Nachteil der SPD und zum Vorteil der Grünen sind zu auffällig, als ein ja durchaus legitimes politisches Tauschgeschäft sich nicht aufdrängte.

Rechtlich wäre damit immer noch alles im grünen Bereich, allein moralisch bliebe viel hängen, wenn der Deal ein Bauernopfer gefordert hätte.

Jetzt lesen

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Verein „Unser Hundegarten“
Schutz vor Beißattacken: Dieses Trio aus Fröndenberg will in Ruhe toben und trainieren
Hellweger Anzeiger Wünschebaum zu Weihnachten
Hoodys sind 2020 der Renner: Fröndenberger pflücken Wünsche vom Baum
Hellweger Anzeiger Fröndenberg und lecker
Geschenktipp für Weihnachten: Kochen nach echten Fröndenberg-Rezepten
Hellweger Anzeiger Christkindelmarkt in Fröndenberg
Schausteller Werner Kelm: 500-Euro-Rentner geht Zuverdienst 2020 komplett flöten
Hellweger Anzeiger Radfahren in Fröndenberg
Nicht nur meckern, mitmachen: ADFC testet das Fahrradklima - und so funktioniert es
Hellweger Anzeiger Freizeittipp für Fröndenberg
Ein Besuch auf Hof Sümmermann ist die Alternative zu ausgefallenen Weihnachtsmärkten