Genervt von Verkehrslärm: Bürgerinitiative will Stadt und Straßen NRW mit Anträgen fluten

dzStraßenverkehr in Fröndenberg

Verkehrslärm in der Fröndenberger Innenstadt soll künftig mit vereinten Kräften der Betroffenen bekämpft werden – mit Hilfe einer Bürgerinitiative. Gepolter durch Lkw geht Nachbarn gehörig auf die Nerven.

Fröndenberg

, 04.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mit Bürgerinitiativen kennt sich Manfred Poschadel aus: In Unna hat der Wahl-Westicker Druck auf die dortige Stadtverwaltung und Straßen NRW ausgeübt – mit Erfolg. Jetzt will er auch den Verkehr in Fröndenberg beruhigen.

»Wir fliegen hier nachts aus dem Bett.«
Manfred Poschadel

„Wir fliegen hier nachts aus dem Bett“, sagt Poschadel, der direkter Anlieger der Westicker Straße ist. Die Landesstraße 673, die quer durch die Stadt verläuft, ist die einzige Route, die das Gewerbegebiet Westick mit der A 44 bzw. B 1 verbindet.

Laut Manfred Poschadel hat die Straßenverkehrsbehörde schon vor einigen Jahren werktags bis zu 400 Lkw auf dem Abschnitt zwischen Westick und dem Abzweig zum Hirschberg gezählt.

Reifen lauter als Motoren – Flüsterasphalt soll her

Was ihn, der vor 25 Jahren ein Haus an der Westicker Straße gekauft hat („Da war‘s noch ruhig hier“), besonders nervt, sind die lauten Geräusche, die vom Abrollen der Reifen auf dem Asphalt ausgehen. Zudem sei eine Überfahrt von Lkw über Gullydeckel auf der Fahrbahn in mehreren Hundert Meter noch deutlich zu hören.

In der Vergangenheit ist Poschadel, der vor fünf Jahren selbst in sein Haus einzog, nicht untätig geblieben. Mehrere Bürgeranträge hat er im Rathaus gestellt. „Fröndenberg blockt alles ab“, sagt er.

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Manfred Poschadel vermutet, dass die leicht abgesenkten Gullideckel in der Westicker Straße Grund für den großen Lärm bei der Überfahrt durch Lkw sind. Straßen NRW verneint das.

Manfred Poschadel vermutet, dass die leicht abgesenkten Gullideckel in der Westicker Straße Grund für den großen Lärm bei der Überfahrt durch Lkw sind. Straßen NRW verneint das. © Udo Hennes

Schon 2017 forderte er, Flüsterasphalt auf der Westicker Straße aufzubringen. In seinem Antrag an die Stadt sprach er von „Dauerstress“ und davon, dass „geruhsamer Schlaf nicht möglich“ sei. Die Reifengeräusche stellten selbst den Motorlärm der Fahrzeuge in den Schatten.

Straßen NRW: Für Lärmsanierung nicht laut genug

Stadtverwaltung und Rat hätten sich allerdings nicht zuständig gesehen und an den Landesbetrieb Straßenbau NRW verwiesen. Nach mehrmaligem Nachfassen erhielt Poschadel im Januar 2018 tatsächlich eine Antwort von dem Baulastträger der Landesstraße. Ergebnis: Die gemessenen Lärmimmissionen liegen nachts knapp unter den Werten, die Aktivitäten für Lärmschutzmaßnahmen auslösen würden.

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Konkret: Der Beurteilungspegel an Poschadels Gebäude liegt tatsächlich bei maximal 63 Dezibel tags und 55 Dezibel nachts, die Auslösewerte der Lärmsanierung hingegen bei 67 Dezibel tags und 57 Dezibel nachts.

Bürgerinitiative hat Vorbild in Unna

Weil er von Nachbarn weiß, dass er nicht der einzige Anwohner ist, dem der Verkehrslärm an die Nerven geht, will Manfred Poschadel nun künftig mehr Druck ausüben: durch die Gründung einer Bürgerinitiative.

Erfahrung bringt Poschadel aus Unna mit, wo er mit der BI „Lärmgegner Unna“ auf einigen Straßen ein Tempolimit von 30 km/h durchgesetzt habe – nach anfänglicher „Blockade der Stadt Unna“, wie er sagt.

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Flüsterasphalt wünscht sich Manfred Poschadel für die Westicker Straße. Straßen NRW hat dem Anlieger mitgeteilt, dass es dafür nicht laut genug sei auf der L 673 zwischen Gewerbegebiet Westick und Abzweig Hirschberg.

Flüsterasphalt wünscht sich Manfred Poschadel für die Westicker Straße. Straßen NRW hat dem Anlieger mitgeteilt, dass es dafür nicht laut genug sei auf der L 673 zwischen Gewerbegebiet Westick und Abzweig Hirschberg. © Marcus Land

»Wir haben ein Anrecht darauf, hier lebenswert wohnen zu können.«
Manfred Poschadel

Die Bürgerinitiative habe das Rathaus in Unna daraufhin „mit Bürgeranträgen geflutet“. Heute sagt Poschadel: „Unna ist auf einem guten Weg.“

Und dorthin will er, in seinen Augen, auch Fröndenberg bringen. Dafür suche er Mitstreiter, weil man gemeinsam mehr erreichen könne.

Rund 5700 Fahrzeuge in 24 Stunden

Das Gewerbegebiet Westick bringe enorm viel Verkehr mit sich. Straßen NRW hat 2015 selbst 5697 Fahrzeuge in 24 Stunden gezählt. Es sei völlig verständlich, dass der Verkehr zu und von den dortigen Unternehmen wie auch die Transporte der Spedition Huckschlag in Neimen über die L 673 rollten.

Der Fehler liege darin, Gewerbeflächen anzusiedeln, ohne sie gleichzeitig außerhalb von Wohnbebauung an die Fernstraßen anzubinden. „Straßen und Industriegebiet lassen sich nicht wegzaubern, dort arbeiten ja auch ein paar Hundert Leute“, so Poschadel.

Tempo 30 statt Umgehungsstraße

Von dem Neubau einer Umgehungsstraße hält er daher nicht viel, weil dann der Verkehr nur in andere Wohngebiete verlagert werde. Probate Mittel gebe es aber, um den Verkehrslärm deutlich zu reduzieren: Flüsterasphalt und Tempo 30 auf der Westicker Straße – dafür will Manfred Poschadel nun mit anderen Leidtragenden kämpfen: „Wir haben ein Anrecht darauf, hier lebenswert wohnen zu können.“

Wer einer Bürgerinitiative gegen den Verkehrslärm auf der Westicker Straße, der Alleestraße oder auch auf dem Hirschberg beitreten möchte, kann sich an Manfred Poschadel unter Tel. (01 75) 7 05 52 40 wenden.
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