Acht Linden musste am 15. Februar den Gestaltungsplänen für den Bruayplatz weichen. Viele Bürgerinnen und Bürger aus Fröndenberg finden das nicht gut. © Marcus Land
Umwelt in Fröndenberg

Bruayplatz: Fröndenbergs Klimanotstand schützt vor Baumfällung nicht

Fröndenberg hat den Klimanotstand ausgerufen. Fröndenberg lässt in der Innenstadt gesunde Bäume fällen. Wie passt das zusammen? Viele Bürger finden: gar nicht.

Acht Linden mussten auf dem Bruayplatz einem Bauprojekt weichen, das die Innenstadt attraktiver machen soll. Viele Menschen finden aber gerade Grün attraktiv. Und sie pochen auf den Klimaschutz, dem sich Fröndenberg ausdrücklich verschrieben hat.

»Wenn es Bäume gewesen wären, die weg müssten, aber wie man sieht, waren die Linden gesund. Einfach traurig.«

Romana Kollmann auf Facebook

„Wenn es Bäume gewesen wären, die weg müssten, aber wie man sieht, waren die Linden gesund. Einfach traurig“, kommentiert etwa Romana Kollmann auf Facebook die Fällung der Bäume am 15. Februar. Lars Beckmann ergänzt: „Und wieder ein Stück Leben vernichtet, Klimawandel wir kommen…“.

Klimanotstand im September 2019 ausgerufen

Die Fällung von Bäumen scheint tatsächlich nicht in die Zeit zu passen: Der Rat hat im September 2019 für Fröndenberg förmlich den Klimanotstand ausgerufen. Die Lokalpolitik hat zudem gleichzeitig auch darauf gedrungen, dass ein Klimaschutzkonzept umgesetzt wird, es soll ein Klimaschutzmanager eingestellt werden und seit Langem gibt es auch eine CO2-Minderungsstataegie.

Bäume binden Kohlendioxyd, spenden Sauerstoff, was zumal in der zentralen Innenstadt wichtig ist. Politik und Verwaltung standen daher beim Bauvorhaben auf dem Bruayplatz in einem Widerstreit zwischen ökologischen Zielen einerseits sowie dem Interesse an einer modernen und attraktiven Fußgängerzone andererseits.

»Und wieder ein Stück Leben vernichtet, Klimawandel wir kommen…«

Lars Beckmann auf Facebook

Ironie des Schicksals: Der Antrag, den Klimanotstand in Fröndenberg auszurufen, ist nur eine Woche vor dem einstimmigen Beschluss des Rates vom 10. Juli 2019, die Linden zu fällen, eingereicht worden. Aber selbst diese Resolution, die die Grünen eingebracht hatten, hätte die Stadt daran nicht hindern können: Sie ist ein bloßer Appell, der keine rechtlichen Folgen hat.

Und bei sämtlichen Maßnahmen, die Fröndenberg zum Klimaschutz ergreifen möge, ist die Stadt erst einmal frei in der Wahl der Mittel. Der Rat ist zum Beispiel einem Antrag der FWG gefolgt, einen Klimawald aufzuforsten.

13 neue Bäume für Winschotener Straße/Im Stift

Politik und Verwaltung könnten zwar in ein Klimaschutzkonzept schreiben, niemals wieder gesunde Bäume im Stadtgebiet zu fällen. Doch würde man sich bei künftigen Bauprojekten womöglich die Hände binden.

Weil es auch keine Baumschutzsatzung in Fröndenberg gibt, war also der Weg für die Fällung der Bäume auf dem Bruayplatz frei. Der Natur kam man einzig insofern entgegen, als der Brutschutz für Vögel zwingend zu beachten war, die Linden daher vor dem 1. März fallen mussten.

Bürgermeisterin Sabina Müller weist auf Nachfrage, ob Ersatzpflanzungen geplant sind, darauf hin, dass im Zuge der Umgestaltung von Winschotener Straße / im Stift ab 2022 auch13 Bäume gepflanzt werden sollen.

»Die Stadtverwaltung setzt damit den einstimmigen Beschluss des Rates zur Umgestaltung des Bruayplatzes vom 10. Juli 2019 um.«

Bürgermeisterin Sabina Müller

Bei der Fällung der Bäume, so auch Müller, hätten städtebauliche Überlegungen eine Rolle gespielt, „vor allem wird aber ein Ausgleich unterschiedlicher Interessen angestrebt“. Die Innenstadt erfülle eine wichtige Funktion für Bürgerinnen und Bürger, die Gestaltung der öffentlichen Plätze sei daher ein elementarer Bestandteil des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK).

Stadt: Interessen von Anwohner berücksichtigt

Bei der Bürgerbeteiligung zur Umgestaltung des Bruayplatzes sei sowohl dem Wunsch der Anwohner nach weniger Verschattung ihrer Wohnungen, andererseits dem Ziel, möglichst viele Bäume zu erhalten, Rechnung getragen worden. Elf statt zunächst vorgesehenen 14 Bäume mussten danach noch weichen.

Allerdings sollen auf dem Bruayplatz künftig gerade Bäume, Grünflächen und Blühstreifen das Bild prägen, Spielgeräte und Sitzgelegenheiten als Treffpunkte dienen und für eine hohe Aufenthalts- und Freizeitqualität sorgen.

Bei Abwägung der Interessen im Rat schlug das Pendel letztlich zu dieser städtebaulichen Seite aus.

Über den Autor
Redaktion Fröndenberg
Geboren 1972 in Schwerte. Leidenschaftlicher Ruhrtaler. Mag die bodenständigen Westfalen. Jurist mit vielen Interessen. Seit mehr als 25 Jahren begeistert an lokalen Themen.
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Marcus Land
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