Relativ viel ist offenbar nicht genug: Gemessen an der Gesamtbevölkerung hat Fröndenberg viele Feuerwehrleute. Selbst gesteckte Ziele erreichen sie dennoch nicht. Hoffnung ruht jetzt auf dem neuen Brandschutzbedarfsplan.

Fröndenberg

, 29.10.2019, 13:37 Uhr / Lesedauer: 3 min

Mit der Brandschutzbedarfsplanung aus dem Jahr 2007 hatte sich die Freiwillige Feuerwehr Fröndenberg ein sportliches Ziel gesetzt, das sie weit verfehlen sollte: 80 Prozent der Einsätze in einer Hilfsfrist von acht Minuten fahren. Aktuell stehen die Fröndenberger Freiwilligen bei 48 Prozent.

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Das liegt vor allem an einem Problem, mit dem viele Freiwillige Feuerwehren zu kämpfen haben: der mangendeln Tagesverfügbarkeit der Leute. Dabei sei Fröndenberg im Vergleich mit anderen Kommunen noch verhältnismäßig gut aufgestellt, sagt Feuerwehrchef Jörg Sommer. Es reicht trotzdem nicht.


Zurzeit versucht Sommer, das Problem mit Doppelmitgliedschaften zu kompensieren. Bedeutet: Für einige Feuerwehrleute, die von ihrem Wohn- oder Arbeitsort zwei Standorte gut erreichen können, gibt es zweimal Feuerwehrmontur und sie sind je nach Bedarf für den einen oder anderen Löschzug im Einsatz.

Das Schutzziel ist bei weitem nicht erreicht

Dennoch: „Das Schutzziel haben wir bei weitem nicht erreicht“, sagt der Leiter der Fröndenberger Feuerwehr. Das bedeute nicht, dass die letzte Brandschutzbedarfsplanung vertane Liebesmühe gewesen sei. Ohne das Konzept wäre es um den Brandschutz in Fröndenberg wohl noch schlechter bestellt.

Um die Feuerwehr erneut und nachhaltig zu stärken, hat die Stadtverwaltung zusammen mit dem externen Dienstleister Orgakom einen neuen Brandschutzbedarfsplan ausgearbeitet. Ein Prozess, der sich nach nun zweieinhalb Jahren gen Ende neigt.

Schutzziel nicht erreicht: Darum rückt die Fröndenberger Feuerwehr zu langsam aus

Das Gerätehaus Mitte der Freiwilligen Feuerwehr Fröndenberg soll abgerissen und vollständig neu gebaut werden. © Marcel Drawe

Über die finale Version der Brandschutzbedarfsplanung soll am Mittwoch, 30. Oktober, im Hauptausschuss diskutiert werden. Abschließende Beratung und Abstimmung im Rat stehen für Mittwoch, 6. November, auf dem Programm.

Standortkonzept ist Kern der neuen Planung

Ein wesentlicher Punkt im neuen Brandschutzbedarfsplan ist das neue Standortkonzept, das von der Politik bereits beschlossen wurde. Die Zahl der Standorte soll von zwölf auf fünf schrumpfen. Davon versprechen sich Stadt und Feuerwehr, eine Stärkung der fünf Löschzüge. Nur wenige der bisherigen Löschgruppen seien mitgliederstark. Bei den übrigen sei die Personalstruktur kritisch zu betrachten.

Das Standortkonzept ist 2018 beschlossen worden, damit die Firma Orgakom bei der Entwicklung des Brandschutzbedarfsplans auf einer soliden Basis weiterarbeiten konnte. Bis 2026 soll das Standortkonzept vollständig umgesetzt sein.

In Stentrop wird der erste neue Feuerwehrstandort entstehen

In Stentrop ließen es die örtlichen Gegebenheiten zu, besonders schnell loszulegen, erklärt der Erste Beigeordnete Heinz-Günter Freck. Im Bereich der Oase Stentrop hat die Stadtverwaltung inzwischen Planungsrecht für das neue Feuerwehrgerätehaus Ost geschaffen, das die Wachen in den Palzdörfern Bausenhagen, Bentrop und Warmen ablösen wird.

Der Standort Mitte bleibt für den Löschzug Süd bestehen. Er wird am alten Standort allerdings vollständig neu gebaut. Voraussichtlich wird er nach Stentrop als nächstes in Angriff genommen.

Schutzziel nicht erreicht: Darum rückt die Fröndenberger Feuerwehr zu langsam aus

Die Feuerwehrgarage in Ardey entspricht nicht mehr den Arbeitsschutzbestimmungen. Das kleine Gerätehaus war das erste, das geschlossen werden musste. © UDO HENNES

Die Feuerwehrgerätehäuser Altendorf, Ardey, Dellwig, Langschede und Strickherdicke entsprechen laut Brandschutzbedarfsplanung ebenfalls nicht mehr Standard und Norm. Ein Neubau für den Löschzug West wird erforderlich. Hinzu kommt der Löschzug Nord mit zwei Standorten in Frömern und Ostbüren.

Fahrzeughallen werden zu klein für neue Einsatzfahrzeuge

An fast allen alten Standorten sind die Fahrzeughallen nicht mehr auf dem neusten Stand. Die Fahrzeuge der Feuerwehr sind mit der Zeit zu groß geworden für die kleinen Gebäude und Anbauten an alten Schulen.

„Schöner wäre es gewesen, wenn alle Standorte gleichzeitig erneuert werden“, sagt Jörg Sommer. Das sei auch der ausdrückliche Wunsch aller Löschgruppen. Doch der Feuerwehrchef akzeptiert, dass man nicht alles auf einmal haben könne.

Kritik am Standortkonzept der Freiwilligen Feuerwehr Fröndenberg

Vor allem aus dem Westen regte sich im vergangenen Jahr Kritik am Standortkonzept. Kritiker sehen durch die Zusammenlegung unterversorgte Bereiche. Jörg Sommer, Stadt und Orgakom sind zum einen von den durch die Firma Orgakom ermittelten Daten überzeugt. Dazu wurden alle Einsätze der Feuerwehr im Planungszeitraum erfasst und ausgewertet.

Schutzziel nicht erreicht: Darum rückt die Fröndenberger Feuerwehr zu langsam aus

Die Jugendfeuerwehr ist in Fröndenberg stark. Und auch Freiwillige gibt es im Vergleich zu anderen Kommunen verhältnismäßig viele. Die Zahl reicht dennoch nicht. Der neue Brandschutzbedarfsplan rät, weiterhin gute Jugendarbeit zu machen. © privat

Außerdem würden durch das neue Konzept die neuen Löschzüge gestärkt. Bisher seien die Feuerwehrleute in die Ortsteile zu ihren Löschgruppen gekleckert, zum Teil mit unterbesetzten Fahrzeugen aus mehreren Himmelsrichtungen an den Einsatzort gefahren. Ausrücken soll die Freiwillige Feuerwehr Fröndenberg nun gezielter und mit größerer Personenstärke der einzelnen Züge.

Jörg Sommer kann verstehen, dass vom neuen Standortkonzept wohl immer noch nicht alle Feuerwehrleute der Stadt begeistert sind. Nicht zuletzt bedeute Feuerwehr für die vielen kleinen Ortsteile der Stadt auch Dorfleben und Dorfstruktur. Fröndenberg hat 14 Ortsteile und zwölf Löschgruppen. Elf der zwölf Löschgruppen sind älter als 100 Jahre. „Die Dörfer werden darunter leiden“, sagt Sommer. Er ist aber gleichzeitig davon überzeugt, dass das neue Konzept notwendig ist, um die Freiwillige Feuerwehr in der Ruhrstadt zu stärken.

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Fahrzeugkonzept mit Blick aufs Klima

  • Dass es bei weniger Löschzügen über kurz oder lang auch weniger Einsatzfahrzeuge geben wird, ist weit gefehlt. Im Gegenteil: Es kommen sogar neue Fahrzeuge hinzu. Ein sogenanntes TLF 3000. Das Tanklöschfahrzeug kann besonders viel Wasser speichern. „Damit reagiert die Feuerwehr auf klimatische Veränderungen“, erklärt Christoph Börger von der Stadtverwaltung. Wie viele Einsätze ein heißer Sommer fordern kann, haben die Feldbrände im vergangenen Jahr gezeigt. Zudem soll die Stadt ein neues Logistikfahrzeug anschaffen. Der Rest der Fahrzeuge wird nach und nach ersetzt, wenn er nicht mehr dem Stand der Technik entspricht.
  • Neben der Generalüberholung der Gesamtschule werde die Stärkung der Feuerwehr die gewichtigste städtische Maßnahme für den Haushalt der kommenden Jahre, sagt Kämmerer Heinz-Günter Freck. 18 Millionen Euro sind für die Entwicklung der neuen Feuerwehrstandorte veranschlagt.
  • In die Erneuerung der Fahrzeuge müssten in den kommenden Jahren 4,5 Millionen Euro gesteckt werden. Eine jährliche Pauschale von 420.000 Euro könnte dabei für Flexibilität sorgen.
  • Weiteres Geld wird in Schutzkleidung, Führerscheine, et cetera fließen. Besonders freut sich die Feuerwehr über einen hauptamtlichen Gerätewart. „Den wünschen wir uns schon lange“, sagt Jörg Sommer.
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