Bonus im Fröndenberger Rathaus: Auch Beamte nehmen Schluck aus der Pulle

dzLeistungsprämien

Ein Bonus für gute Leistungen: Die Angestellten haben es vorgemacht, die Beamten im Fröndenberger Rathaus ziehen seit diesem Jahr nach. Das Geld für den Schluck aus der Pulle kommt aus dem Haushalt.

Fröndenberg

, 13.11.2019, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In diesem Jahr dürfen sich auch die Beamten im Fröndenberger Rathaus erstmals über einen Bonus für gute Leistungen freuen: Die Stadt hat die leistungsorientierte Besoldung (LoB) eingeführt. Angestellte erhielten schon länger eine Zulage – finanzierten diese allerdings auch zuvor selbst mit.

Bonus im Fröndenberger Rathaus: Auch Beamte nehmen Schluck aus der Pulle

Beigeordneter und Kämmerer Heinz-Günter Freck © Jacobi

»Das ist keine Nasenprämie.«
Beigeordneter Heinz-Günter Freck

Unter dem Produkt „Personalmanagement und Organisation“ findet sich im Fröndenberger Haushalt die Kostenstelle „Leistungsorientierte Bezahlung Beamte“. Kostenpunkt: 25.000 Euro. Für 2018 steht dort noch eine Null.

Die Stadt hole nun nach, was viele kommunale Verwaltungen schon länger praktizieren, der Kreis Unna zum Beispiel, erläutert der Beigeordnete Heinz-Günter Freck.

Ein Passus im Landesbesoldungsgesetz ermöglicht den Kommunen, ihren Beamten eine Prämie auszuzahlen. Das Gesetz orientiert sich dabei an den tarifvertraglichen Regelungen für Angestellte im Öffentlichen Dienst, die es bereits seit rund 15 Jahren gibt.

Bonus für Beamte: Personalrat ergriff die Initiative

„In den Jahren der Haushaltssicherung haben wir keinen Gedanken darauf verschwendet“, so Freck. Die Stadtkasse hat sich allerdings spätestens 2018 wieder erholt. Der Personalrat im Rathaus ergriff daraufhin die Initiative. Mit dem Verwaltungsvorstand einigte man sich schließlich auf eine Dienstvereinbarung, nach der sich künftig Beamte ebenso wie Angestellte eine Leistungsprämie erarbeiten können.

Der Leistungs- und Prämienkatalog ist für sämtliche Beschäftigte im Rathaus vereinheitlicht worden, es gibt also für keine Gruppe strengere oder laschere Kriterien für eine Zulage.

Bonus im Fröndenberger Rathaus: Auch Beamte nehmen Schluck aus der Pulle

Viele Beschäftigte des öffentlichen Dienstes demonstrierten 2010 gegen die Leistungsorientierte Bezahlung (LOB). Die Angestellten des Öffentlichen Dienstes haben die LOB mit der Kürzung ihres Weihnachtsgeldes selbst finanziert. Allerdings ist auch die Sonderzuwendung an Beamte vor einiger Zeit stark gekürzt worden, ohnedass diese Einbuße allerdings für die Finanzierung der Beamten-Boni verwendet würde. © picture alliance / dpa

„Das ist keine Nasenprämie“, betont Heinz-Günter Freck. Die Beurteiler, also in der Regel die Vorgesetzten, müssen nach einem strikten Bewertungsraster vorgehen.

Die Kriterien in diesem Bewertungsverfahren sind unter anderem:

  • Arbeitsqualität bzw. Qualität der Führung (bei Vorgesetzten)
  • Quantität (individuell nach Arbeitsplatz) und Effizienz
  • Kundenorientierung
  • Eigeninitiative und Verantwortungsbereitschaft
  • Sozialkompetenz und Teamorientierung

Zur Sache

Die Prämientöpfe im Rathaus

  • Im Topf für den Beamten-Bonus sind für das Jahr 2019 genau 25.000 Euro eingestellt. Der Topf ist im Haushaltsplan der nächsten Jahren zunächst nur noch mit 20.000 Euro angesetzt und steigt bis rund 22.000 Euro.
  • Die Reduzierung liegt daran, dass umgerechnet 2 Prozent der Besoldungssumme im Rathaus – also die Summe aller Beamtengehälter – für die Prämie in den Haushalt eingestellt werden.
  • Die Möglichkeit, an Beamte einen Bonus auszuzahlen, ermöglicht Paragraf 60 des Landesbesoldungsgesetzes.
  • Beamten ist zwar ebenfalls, ähnlich wie bei den Angestellten, vor Jahren eine Sonderzuwendung gekürzt worden. Dieser eingesparte Betrag wird allerdings nicht zur Gegenfinanzierung für die jetzigen Beamten-Boni verwendet.
  • Für Angestellte ist ein Bonus-Topf mit rund 75.000 Euro im Haushalt eingestellt.
  • Der Stellenplan im Fröndenberger Rathaus sieht 25,36 Stellen für Beamte, 83,07 Stellen für Angestellte sowie sieben Stellen für Auszubildende vor.

In einem dreistufigen Bewertungssystem werden Punkte vergeben; erreicht ein Beschäftigter eine der beiden oberen Stufen, hat er sich einen Zuschlag verdient.

Der Prämientopf wird übrigens am Jahresende immer ausgeschöpft. Es kann nur sein, dass man, je nach Leistungsbewertung der anderen Kollegen, ein größeres oder kleineres Stück vom Kuchen erhält.

Ein Rechenbeispiel: Der Prämientopf enthält 25.000 Euro. Werden in der Summe mehr oder weniger Bonuspunkte von den Mitarbeitern erzielt, fällt die Prämie für den Einzelnen höher oder niedriger aus. Werden also 500 Gesamtpunkte erreicht, liegt die Prämie bei 50 Euro, bei 100 Gesamtpunkten bei 250 Euro pro Kopf.

»Für einen modernen Arbeitgeber gehören solche Argumente dazu und wir erhoffen uns auch einen Vorteil davon.«
Beigeordneter Heinz-Günter Freck

Der Fröndenberger Beigeordnete, der zugleich Kämmerer ist, hält die Bonus-Regelung für „schlicht und ergreifend einen Motivationsfaktor“. Man schaffe aber nicht nur für die bestehende Rathausbelegschaft einen Anreiz.

Stadt will auf Prämien und Boni als Anreiz nicht verzichten

Auch für die Personalgewinnung seien die Prämien heutzutage praktisch unverzichtbar. Im Rathaus spüre man wie in der freien Wirtschaft, dass Fachkräfte schwieriger zu rekrutieren sind.

„Für einen modernen Arbeitgeber gehören solche Argumente dazu und wir erhoffen uns auch einen Vorteil davon“, sagt Heinz-Günter Freck. So werde die Stadt bei Stellenausschreibungen auch offensiv mit dem Prämienargument werben.

Freck räumt ein: In ihrem Tarifvertrag ist den Angestellten schon vor Jahren das Weihnachtsgeld gekürzt worden, aus diesem Beitrag werden die Boni für die tariflich Beschäftigten finanziert. Die Beamten-Prämien werden dagegen aus allgemeinen Haushaltsmitteln bezahlt. Es handelt sich um eine freiwillige Leistung.

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