Verzicht auf Biergarten mit Musik – Verein ist Risiko eines Corona-Hotspots zu groß

dzRuhrtal-Schützen

Party trotz Corona? Wer trotz Viruspandemie zur Feier einlädt, trägt viel Verantwortung. Mittlerweile gibt es zwar etliche Lockerungen. Den Schützen im Ruhrtal war das Risiko eines neuen Hotspots dennoch zu groß.

Fröndenberg

, 04.08.2020, 04:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Corona-Pandemie hat dem gesellschaftlichen Leben viele Schranken gesetzt. Besonders den Dörfern fehlt seit Monaten die gelebte Gemeinschaft. Die Ruhrtal-Schützen wollten mit einer Art Biergarten mit Musik zurück zu so etwas wie zumindest gefühlter Normalität – die Gesundheit ihrer Gäste war ihnen aber letztlich wichtiger als eine Feier.

»Keine Bier-Party, eine Genuss-Party hätte das werden sollen.«
Uwe Kock, Oberst Ruhrtaler Schützenverein

„Wir müssen etwas machen“, sagt Oberst Uwe Kock – dieser Wunsch sei kürzlich der Antrieb der Schützenoffiziere bei ihren Planungen gewesen: Etwas machen für die Menschen in den Ruhrtaldörfern, die seit Monaten auf Festivitäten, kürzlich noch auf das Schützenfest, verzichten müssen.

„Gemeinschaft verbindet“ heißt schließlich eines der Leitmotive des Schützenwesens. Im September hätte der Schützenverein daher gern zu einer Open-Air-Veranstaltung eingeladen.

Open-Air mit weniger Ansteckungsrisiko

Ganz bewusst nicht in der Schützenhalle also, sondern mit viel weniger Ansteckungsrisiko wollten sie unter freiem Himmel mit Gästen ein Bier zusammen trinken bei Musik aus den 80ern und 90ern, live aufgelegt vom DJ.

Jetzt lesen

Ein Konzept für den geselligen Abend stand, gedanklich war man so weit, beim Ordnungsamt das Okay einzuholen. Uwe Kock: „Das hörte sich soweit gut an.“

Wie heikel in Corona-Zeiten eine solche Allerweltsidee ist, zeigte sich dann doch. Bedenken kamen auf: Nicht auszudenken, wenn aus der gut gemeinten Initiative, die das Gemeinschaftsgefühl stärken und natürlich auch für gute Unterhaltung sorgen sollte, ein Corona-Hotspot entstehen würde.

Maximal 150 Gäste auf einer großen Wiese

Schließlich habe man in den vergangenen Monaten die traurigen Ereignisse im Schmallenbach-Haus hautnah verfolgt. „Das bedrückt uns auch“, so Uwe Kock.

Dabei war an alles gedacht: Vor der Schützenhalle in Warmen oder sogar auf einer großen Wiese in Stentrop sollten maximal 120 bis 150 Gäste in kleinen Einheiten an Bierbänken sitzen und der Musik von DJ Jan Lekic lauschen.

Jetzt lesen

Ein abgezäuntes Gelände, klare Abstandsregeln, eine Bedienung, die ausschließlich Flaschenbier serviert, dazu ein Sicherheitsdienst – das erforderliche Schutzkonzept hätte man leicht beibringen können.

Selbst einen Online-Kartenverkauf hätte man eingerichtet, um die Kontaktdaten der Besucher zu erhalten. Man wollte bis 22 Uhr feiern. „Keine Bier-Party, eine Genuss-Party hätte das werden sollen“, versichert Uwe Kock.

Am Ende bekamen sie Angst vor der eigenen Courage und beschlossen im Vorstand mit großer Mehrheit die Absage. Nicht zuletzt die Jüngeren im Verein, räumt Kock ein, hätten die Gefahr gesehen, dass Sitzplätze und Abstandsregeln an einem Abend mit Bier und Musik doch bloße Theorie bleiben könnten.

Lesen Sie jetzt
Hellweger Anzeiger Corona und junge Leute
Junge Leute im Corona-Tief: Judith Lippert und die Angst vor dem 18. Geburtstag ohne Party
Hellweger Anzeiger Maskenpflicht in Fröndenberg
Maskenpflicht auf der Winschotener Straße: Passanten finden deutliche Worte
Hellweger Anzeiger Coronavirus in Fröndenberg
Halloween-Partys in der Corona-Zeit: Stadt gibt klare Empfehlung „es zu lassen“
Hellweger Anzeiger Ausbildung zum Stuckateur
Top-Azubi Philipp Kemper hat einen harten aber auch kreativen Beruf gelernt
Meistgelesen