Bettelnder Senior: Kunden zwischen Mitleid und Verärgerung

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Die einen Fröndenberger sorgen sich um den Mann, die Anderen fühlen sich unwohl, wenn sie ihm auf dem Parkplatz des Edeka-Marktes an der Allee-Straße begegnen: Ein Bewohner des Schmallenbach-Hauses fällt dort auf.

von Meike Marbach

Fröndenberg

, 02.10.2018, 10:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der auffällig dünn und nicht unbedingt sauber gekleidete ältere Mann ist seit einigen Monaten ein regelmäßiger Besucher des Supermarktes an der Alleestraße. Die weite, schmutzige Hose droht er manchmal fast zu verlieren. Zum Leidwesen der Marktleitung, der Angestellten und einiger Kunden bettelt er nahezu jeden um Geld an, auf den er dort trifft. Allerdings hält er sich mittlerweile meist auf dem Parkplatz oder direkt vor der Eingangstür auf. Er hat dort seit einiger Zeit Hausverbot, dies scheint ihn jedoch nicht sonderlich zu beeindrucken. Bei Kunden und Mitarbeitern ist der 69-Jährige ein regelmäßiges Gesprächsthema. Manche haben Mitleid, sie machen sich sogar Sorgen um das Wohl des Mannes. Andere Fröndenberger fühlen sich eher belästigt.

Mitleid aus menschlicher Sicht

„Aus menschlicher Sicht tut mir der Mann natürlich leid. Er wirkt auch manchmal sehr verwirrt. Aber es haben sich schon so viele Kunden bei uns über ihn beschwert. Er wird auch immer mal frech. Da musste ich ihm Hausverbot erteilen“, sagte Martina Scholz auf Anfrage der Redaktion. Die Geschäftsführerin des Edekas kann nichts anderes tun als immer wieder die Polizei zu rufen, wenn der Mann sich wieder über längere Zeit auf ihrem Gelände aufhält. Mitarbeiter beobachten regelmäßig, wie der Senior morgens mit dem Auto zum Supermarkt gebracht wird, sich über Stunden Geld erbettelt und sich dann Tabak oder Zigaretten kauft.

Dem städtischen Ordnungsamt war der Fall bisher nicht bekannt. „Allerdings können wir da auch nichts tun, da er sich auf Privatgelände aufhält“, sagt Fachbereichsleiter Christoph Börger auf Anfrage. Sein Kollege Matthias Weischer ergänzt allgemein zum Thema Betteln: „So lange es sich nicht um aggressives Betteln handelt, sehen wir auch darüber hinweg und dulden das.“

Niemand muss sich Sorgen machen

Heinz Fleck, Geschäftsführer des Schmallenbach-Hauses, möchte die besorgten Fröndenberger beruhigen. „Niemand muss sich um unseren Bewohner Sorgen machen. Er ist nicht verwirrt. Er weiß ganz genau, was er tut, und möchte es genau so. Das ist einfach sein Lebensstil“, erklärte Fleck auf Anfrage der Redaktion. Der Mann sei sehr lange obdachlos gewesen, bevor er in das Senioren-Heim gezogen sei. Auch Aufenthalte in Justizvollzugseinrichtungen hätte es in seinem Leben gegeben. „So hat er immer gelebt und so macht er es auch heute. Wir sind ja kein geschlossenes Haus. Er ist ein freier Mann und darf sich selbstverständlich frei bewegen“, klärt Fleck die Fröndenberger über die Situation des Bewohners auf. Es bestehe keinerlei Gefährdung für Andere oder für ihn selbst.

Er kommt mit dem Taschengeld nicht aus

„Er kommt mit dem Taschengeld nicht aus, das ihm zusteht, und weiß sich auf diese Art zu helfen. Bei mir steht er auch oft im Büro und fragt nach einem Euro“, weiß der Chef der Senioren-Einrichtung zu berichten. Der Mann finde auch meist nette Menschen, die ihn dann aus der Stadt mit dem Auto zurück zum Schmallenbach-Haus nehmen. „Viele unserer Bewohner wären froh, wenn sie sich noch so frei bewegen könnten. Ich möchte nicht den Aufschrei hören, wenn wir einen Menschen, der niemandem etwas tut und mobil ist, hier bei uns festsetzen würden“, sagt Fleck. Das Erscheinungsbild wirke vermutlich auf viele Bürger als nicht sehr angemessen. Fleck ist sicher, dass der Mann in Dortmund wahrscheinlich gar nicht so sehr auffiele. „Sein gesetztlicher Betreuer und auch wir bitten ihn regelmäßig darum, das Hausverbot einzuhalten. Aber mehr können wir auch nicht tun. Er ist ein freier Mann.“

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