Am 1. Juli 1969 wurde Bentrop nach Fröndenberg eingemeindet. 50 Jahre später ist das Dorfleben lebendiger denn je. Zwei Fragen geben den Bentropern Rätsel auf: eine Lösung liegt in der Vergangenheit, die andere in der Zukunft.

Bentrop

, 01.07.2019 / Lesedauer: 4 min

Bentrop war am 1. Juli 1969 der Nachzügler einer schweren Geburt: Die kommunale Gebietsreform vom 1. Januar 1968 hatte im Westen der Stadt bereits für schmerzhafte Vorwehen gesorgt. Im äußersten Osten aber war alles noch viel komplizierter.

Schützenoberst ist der Sohn des letzten Bentroper Bürgermeisters

Friedrich Frens schüttelt den Kopf. Nein, warum Bentrop am Ende doch Fröndenberg zugeschlagen wurde und vor allem warum man nur Scheda abtrennte und Wickede angliederte, das hat man bis heute im Dorf nicht herausfinden können. Wenn man weiß, dass Friedrich Frens der Oberst der Bentroper Schützen und der Sohn des letzten Bentroper Bürgermeisters Willi Frens ist, kann man erahnen, dass die Antwort auf diese Frage heute kaum sonst jemand wird geben können.

Bentrop ist stolz auf ein Dorfleben, wie es dem Klischee entspricht

Bentrop wurde erst zum 1. Juli 1969 nach Fröndenberg eingemeindet. Die kommunale Gebietsreform war eigentlich am 1. Januar 1968 abgeschlossen. Bentrop stellte man als Sonderfall zurück. © Land

Aber Vergangenheit ist Vergangenheit und in Bentrop kann man 50 Jahre später gut damit leben, ein Teil von Fröndenberg zu sein. Mit Ortsheimatpfleger Wilfried Haggeney geht man alle Jahre wieder beim Schnadegang die früheren Ortsgrenzen ab, aber das war es dann auch schon. Viel wichtiger ist Friedrich Frens, seiner Tochter Theresa vom Trommlerkorps Bentrop und Löschgruppenführer Julian Severin die Gegenwart und dass es mit der Gemeinschaft im Dorf stimmt.

»Jeder ist in jedem Verein.«
Theresa Frens (22), Mitglied im Trommlerkorps und in der Feuerwehr

Bei rund 320 Dörflern bleibt es nicht aus, dass es so manche Doppelfunktion im Ort gibt und man bei Abgabe des einen wichtigen Amtes gleich das mindestens zweitwichtigste angetragen bekommt. Oder wie es Theresa Frens sagt: „Jeder ist in jedem Verein.“ So war Schützenoberst Friedrich Frens Julian Severins Vorgänger als Bentroper Feuerwehrchef. Severin ist selbstverständlich auch Mitglied im Trommlerkorps, dessen Schriftführerin Theresa Frens außerdem bei der Feuerwehr ihre Frau steht. Das schweißt aber die Gemeinschaft auch eng zusammen, beinahe jeder kennt jeden. Und mit Zugezogenen geht man in Bentrop so um, wie es die Neuen gern hätten.

Bentrop ist stolz auf ein Dorfleben, wie es dem Klischee entspricht

Das Freiwillige Trommlerkorps 1920, hier mit Jupp Volmer, Theresa Frens und Gottfried Kolter (v.l.), gehört zu den Vereinen in Bentrop, die das Dorfleben prägen. © UDO HENNES

„Wenn wir das Signal bekommen: Der interessiert sich für die Gemeinschaft - dann wird er auch aufgenommen“, sagt Friedrich Frens und schmunzelt: Dann müsse man sich aber eben auch mal auf dem Schützenfest in eine eingeschworene Bierrunde drängeln - das ist dann das Signal. Julian Severin hat vor drei, vier Jahren erlebt, dass es für eine Verbrüderung gar kein Fest braucht: Ein Ehepaar, das aus beruflichen Gründen aus Recklinghausen nach Bentrop umsiedelte, stand eines Tages vor der Tür des Feuerwehrhauses und fragte, ob es sich irgendwie einbringen könne. „Die sind heute voll integriert“, freut sich Julian Severin. Natürlich gebe es auch Gegenbeispiele. Menschen, die in Bentrop ein Haus gekauft haben und einfach nur die reizvolle Landschaft genießen wollen. „Dann grüßt man sich trotzdem freundlich, aber lässt die ansonsten in Ruhe.“

Bentrop ist stolz auf ein Dorfleben, wie es dem Klischee entspricht

Löschgruppenführer Julian Severin war natürlich auch schon Schützenkönig in Bentrop und ließ sich 2015 feiern. © Arthur Behrend

Julian Severin ist im Grunde ein gutes Beispiel dafür, wie stark emotional verbunden viele mit ihrem Heimatdorf sind. Im Betrieb seines Vaters in Bentrop arbeitet der 26-Jährige als Tischler. Sein Großvater war bereits Stellmacher im Dorf. Kürzlich ist Julian auf die Hohenheide umgezogen, ein bisschen Abstand zwischen Wohn- und Arbeitsort wollte er haben. Viel weiter weg, das hätte er sich aber so gar nicht vorstellen können. Und dass er irgendwann nach Bentrop zurückkehrt, ist sowieso sehr gut möglich. So wie seine Schwester, die in der anonymen Großstadt Dortmund nicht leben konnte, zurückkehrte ins Dorf und nun lieber 55 Kilometer täglich zu ihrer Arbeit pendelt.

Bentrop ist stolz auf ein Dorfleben, wie es dem Klischee entspricht

Vor allem die Umschulung war eine wichtige Frage nach der Eingemeindung Bentrops nach Fröndenberg. Denn einige Kinder gingen bereits in Wickede zur Schule. © Land, Marcus

Bentrop ist stolz auf ein Dorfleben, wie es dem Klischee entspricht

Der Hellweger Anzeiger berichtete 1969 über die Eingemeindung Bentrops nach Fröndenberg. © Land, Marcus

Die Gemeinschaft, zumindest die der Bentroper Löschgruppe, könnte bald aber auf eine harte Probe gestellt werden. In Stentrop entsteht die neue Feuerwache für den Osten der Stadt. Das Feuerwehrhaus in Bentrop wird zumindest für die Löschgruppe nicht mehr benötigt. Mit 26 Aktiven, also bald zehn Prozent der überhaupt Feuerwehrfähigen im Ort, habe man eine vergleichsweise „starke Truppe“, freut sich der Löschgruppenführer. Viele Junge sind in den letzten Jahren dazugestoßen, die Alterstruktur ist gut. „Und wir haben relativ viele Tagesverfügbare“, weiß Theresa Frens, die Agrar-Ingenieurin hat als 22-Jährige auch schon ein paar Jährchen bei der Wehr auf dem Buckel.

Bentrop ist stolz auf ein Dorfleben, wie es dem Klischee entspricht

Mit dem 1. Juli 1969, also vor genau 50 Jahren, war die kommunale Gebietsreform dann auch für den Kreis Unna und den Kreis Soest abgeschlossen. Denn die Teilung Bentrops bedeutete auch eine Verschiebung der Kreisgrenzen. © Land, Marcus

Bentrop ist stolz auf ein Dorfleben, wie es dem Klischee entspricht

Viele Wochen vor der geplanten Eingemeindung gab es 1969 Schlagzeilen im Hellweger Anzeiger. © Land, Marcus

Und dann wäre da halt noch das Feuerwehrhaus mit dem schicken Versammlungsraum im Obergeschoss, das die Bentroper 1991/92 in Eigenleistung an die Schützenhalle angebaut haben. Die Stadt ist aber Eigentümerin. Dass man künftig Wohnungen daraus macht - und nebenan im Schützenraum probt das Trommlerkorps? Für die Bentroper schlecht vorstellbar, aber Landwirt Friedrich Frens ist auch Realist. Die Stadt wird schon irgendwann ihre Pläne vorstellen, die auch den gewünschten Einspareffekt bei der Feuerwehr erzielen.

Auch künftig bleiben die Feuerwehrkameraden im Dorf aktiv

„Deswegen tritt aber keiner aus“, ist sich Julian Severin sicher. Und die Nikolausfeier, die es schon seit 1947 gibt, Biwak, Bingo oder Seniorenkaffeetrinken werden die Bentroper Kameraden auch künftig im Dorf organisieren. Das sei es doch gerade, was die Feuerwehr in einem Dorf auch ausmacht. „Die Wurzeln reißen nicht so schnell ab“, glaubt auch Friedrich Frens. Julian Severein nickt. „Wir haben hier ein Dorfleben, wie es dem Klischee entspricht.“ Einem positiven Klischee.

Jubiläen

Das Dorf Bentrop feiert

  • Zwei große Feierlichkeiten werfen in Bentrop bereits ihre Schatten voraus.
  • Die Löschgruppe Bentrop feiert am 21. September ihr 110-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür und einem Hobbyfußballturnier.
  • Das Trommlerkorps begeht vom 3. bis 5. April 2020 den 100. Gründungstag mit einem großen Freundschaftstreffen, zu dem viele Gastvereine nach Bentrop anreisen werden.

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