Ostbüren bangt um seinen zentralen Dorftreff: Schon seit Monaten sucht der Trägerverein einen Pächter für den Gastronomiebetrieb – ohne Erfolg. Jetzt läuft den Ehrenamtlichen die Zeit davon.

Ostbüren

, 10.01.2019 / Lesedauer: 4 min

Wenn vom Kneipensterben die Rede ist, denkt man an die Eckwirtschaft im Ort. Das gesellige Feierabendbier gehört nicht mehr zur Kultur des Alltags – dreht die Kneipe den Zapfhahn für immer ab, geht das Leben dennoch weiter. In Ostbüren liegen die Dinge etwas anders. Von einst drei Dorfkneipen ist eine einzige übrig geblieben: der Ostbürener Treff. Ende Januar versiegt die Bierquelle auch dort. Wirtin Dagmar Neithart wird ihre Überbrückungshilfe nicht weiter leisten können und hat fristgerecht gekündigt. Die Wirtschaft ernährt in Ostbüren aber nicht nur den Kneipier, sondern trägt den benachbarten Saal im Dobomilgebäude. Bricht die Gastronomie auf Dauer weg, verfinstert sich auch die Zukunft für den lebhaft genutzten Veranstaltungsraum.

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Ortstermin am Donnerstag. Es ist früher Morgen. Auf der Ostbürener Straße ist es nach dem Berufsverkehr jetzt ruhiger geworden. Martin Meier und Eric Glasmacher öffnen die Tür zum Saal in dem historischen Gebäude mit der imposanten Backsteinfassade. „Gott mit uns 1896“ steht auf einem Sandstein im Sturz. Die Mienen der beiden Ostbürener sind freundlich-angespannt: Beide setzen alles daran, dass es hier weitergeht. „Wir müssen eine Lösung finden, sonst verlieren die Vereine ihre Bleibe“, sagt Martin Meier vom Skatverein Kreuz Bube. Zunächst geht es in den „großen Saal“, wie Eric Glasmacher ihn mit dem Stolz eines Gastgebers nennt. Der Feuerwehrmann der benachbarten Löschgruppe Ostbüren kennt die Räume wie sein eigenes Zuhause.

Guter Ruf des Veranstaltungssaals über Ortsgrenzen hinaus bekannt

Dass in der rustikalen Tenne des einstigen Hofes und späteren Landhandels schon so manch feucht-fröhliche Abifeier, festliche Hochzeit oder gediegenes Firmenjubiläum gefeiert wurde, glaubt man ihm, ohne dabei gewesen zu sein. „Von der Taufe bis zur Beerdigung haben wir hier eigentlich alles“, erzählt Martin Meier. Das macht eben das Dorfleben aus: Ein Ort, an dem alle zusammenkommen können, in guten wie in schlechten Zeiten. Dabei hat sich der Ruf, dass in Ostbüren noch richtig gefeiert werden kann, längst über die Dorfgrenzen verbreitet: „Die Gäste kommen von immer weiter weg“, weiß Eric Glasmacher, der auch Vorsitzender des Trägervereins für den Ostbürener Treff ist. Schließlich gehen auch im Umland mit den Kneipen die Säle zugrunde.

Bangen um das Dobomil: Gute Stube soll Bürgern und Vereinen in Ostbüren erhalten bleiben

Der Saal im Dobomil-Gebäude hat schon vielen Anlässen gedient: auch der voll besetzten Bürgerversammlung zur Sanierung der L 821. © Borys Sarad

Gut zwei Drittel macht mittlerweile die Belegung des Saales durch Privatfeiern aus, daneben gibt es die Kurse des Gesundheitssports, den der Holzwickeder Sport-Club anbietet. Wer den Saal mietet, verhandelt immer mit dem Trägerverein. Der hat sich im April 1983 gegründet und bewirtschaftet das ortsbildprägende Gebäude, das die Stadt den Ostbürener Vereinen für eine symbolische D-Mark, heute einen Euro, überlassen hat. „Mitte der 80er-Jahre wurden die Vereine immer mehr“, erinnert sich Eric Glasmacher. Die packten auch alle mit an und errichteten den hellen Anbau auf der Rückseite mit den schönen Rundbogenfenstern.

Dort stehen Martin Meier und Eric Glasmacher nun mit Blick zum Durchgang, der zur bald verwaisten Gastronomie führt. „Eine Gaststätte ist einfach ein sichereres Standbein als eine Saalvermietung“, sagt Martin Meier. Die regelmäßige Pacht eines Wirts subventioniert praktisch den Saal in Zeiten, wenn er schwächer ausgelastet ist, sei es in den Sommerferien oder im November. Laufende Unterhaltung, aber auch Investitionen: Anfang Dezember erst hat der Trägerverein eine neue Küche für die Saalmieter eingebaut.

Die Wirtschaft alter Prägung muss es nicht mehr sein

Mit dem „Clubraum“, in dem der Skatverein oft spielt, und dem „Sitzungszimmer“, wo sich Vereinsvorstände gern besprechen, verfügt die Gaststätte über viel Potenzial. Das wissen auch Glasmacher und Meier. Völlig offen seien sie daher für Nutzungskonzepte: Es müsse nicht mehr die Wirtschaft alter Prägung sein. Ob morgens Brötchen verkauft, ein Mittagstisch angeboten oder ein Pizza-Lieferdienst auch abends noch ausfährt – man werde ins Gespräch kommen. Schön wäre es, wenn für Veranstaltungen im Saal weiter ein Bier gezapft werden könnte. Aber auch daran will der Trägerverein nicht festhalten, wenn ein Interessent eine andere gute Idee mitbringt. Ab Februar wird der Trägerverein in die Rücklagen greifen müssen, um den Saalbetrieb aufrechtzuerhalten. Auf Dauer ist das nicht möglich. „Der Trägerverein hat ein Ziel: dieses Gebäude für Ostbüren zu erhalten“, sagt Martin Meier, der Schriftführer des Vereins, dann noch. Gelingt das nicht, entfällt auch der Zweck des Vereins.

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